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    Zuletzt aktualisiert: 27.06.2009 um 19:52 UhrKommentare

    Hubert Goiserns Fluss des Lebens

    Hubert Goisern war zwei Jahre lang als Botschafter von Linz '09 auf der Donau unterwegs.

    Hubert Goisern als Botschafter auf der Donau

    Foto © APAHubert Goisern als Botschafter auf der Donau


    Sie waren zwei Jahre lang auf der Donau unterwegs. Zuerst ostwärts, bis ans Schwarze Meer. Dann rauf zur Nordsee. Wie würde Ihr zusammenfassender Logbucheintrag lauten?
    HUBERT GOISERN: Es war eine Ausnahmesituation in allen Belangen. Was Stress anbelangt genauso wie die Schönheit der Begegnungen mit anderen Menschen. Und das Naturerlebnis! Das ist wie bei den Alpen. Da kann man schon ein wenig hineinbauen, aber es wird immer Natur bleiben. Und so ein großer Strom wie die Donau vermittelt das auch. Mit vielen, vielen Kilometern, wo links und rechts außer Natur nichts ist, nichts sein darf, weil die Donau viel zu gefährlich ist, wenn sie aus den Ufern tritt. Dass es so etwas noch gibt in Europa, wo alles betoniert und eingezäunt ist, das ist faszinierend.
    Sie waren vor dem EU-Beitritt von Bulgarien und Rumänien in diesen Ländern - und jetzt, mit dem Schiff, nachher. Wie haben Sie die Veränderungen erlebt?
    GOISERN: Das Überraschende für mich war, dass die Menschen dort vor uns genauso Angst haben, wie wir vor ihnen. Angst vor dem, dass da plötzlich welche daherkommen, die ihnen die Sachen wegkaufen, die sie sich selbst nicht leisten können. Und bei uns herrscht die Panik, dass die jetzt alle raufkommen und uns die Jobs wegnehmen. Außerdem: Natürlich haben diese Länder mafiöse Strukturen. Und die Menschen fürchten jetzt, dass zu ihrer eigenen Mafia noch die, wie sie sagen, EU-Mafia dazukommt.

    Wie hat die Donau-Tour Sie persönlich verändert?
    GOISERN: Ich habe gesehen: So einfach ist es nicht, ein Wir-Gefühl zu entwickeln, aber es ist eine spannende Aufgabe. Und es ist nicht nur schwierig unten in Bulgarien und Rumänien, sondern auch oben in Holland, von Frankreich gar nicht zu reden. Die haben alle ihren eigenen Film laufen. Da wird einem oft vermittelt: Wir brauchen euch nicht, was wollt ihr hier? In Frankreich, in Straßburg, durften wir gar nicht spielen. Das muss man sich einmal vorstellen: In der Stadt, in der das europäische Parlament sitzt, verhindern französische Kommunalpolitiker das Anlegen eines Konzertschiffes der europäischen Kulturhauptstadt 2009.

    Offenbar schwingt da noch immer die Angst mit, dass man sein Ich verliert, sobald man ein Wir- Gefühl entwickelt.
    GOISERN: Das Ich ist so eine Konstruktion, die man immer wieder hinterfragen sollte. Was ist das Ich? Was macht mich aus? Sind das meine Eltern, ist das mein Umfeld? Habe ich viele andere Ichs übernommen? Oder ist das wirklich etwas, das nur ich habe und kein anderer. Das Ich ist meistens hinderlich. Das Wir hingegen - und vor allem das Du -, das ist wirklich spannend. Bei einem offenen Austausch ist es immer so, dass ich etwas bekomme. Das ist, als würde dir jemand seine Augen, seine Ohren, seine Sinne leihen, auch seine Gedanken; so, dass du selbst größer wirst. Dann hat man vier Augen, vier Ohren und zwei Hirne.

    Wo würden Sie im Moment die europäischen Grenzen sehen?
    GOISERN: Ich kann mir zum Beispiel ein Europa ohne Serbien und Kroatien nicht vorstellen. Albanien gehört auch dazu. Was die Türkei betrifft: Das Hinterland ist schon sehr weit von dem entfernt, was wir ziviles Recht nennen. Da sag' ich mir: Ja, okay, das ist halt wie Borneo. Kopfjagd, Blutrache. Und man denkt: Ja, eh arg, aber das ist so weit weg, und die wollen das halt so haben. Aber im Fall der Türkei, da frag ich mich: Muss das sein? Da messe ich in meinem Kopf auch schon mit zweierlei Maß. Aber egal wo die Grenzen sind: Sie sollten nicht wie eine Mauer sein, sondern durchlässig.

    Die neue österreichische Bundesregierung ist ein Jahr im Amt. Mit Alfred Gusenbauer haben Sie nicht so wirklich gekonnt, wie geht es Ihnen mit Werner Faymann?
    GOISERN: Ich bin nicht unzufrieden mit Faymann. Außerdem bin ich ganz auf der Seite vom Voves. Ich finde es unglaublich, dass es keine Erbschaftssteuer gibt. Ich finde es unglaublich, dass man nicht darüber reden kann, die Reichen zu besteuern. Ich zähle mich selbst auch zu den reichen Leuten, und ich fände es völlig okay, mehr Steuern zu zahlen, als ich ohnehin schon zahle.

    Wie geht es einem österreichischen Musiker in Österreich?
    GOISERN: Ich war jahrelang dagegen, mich bei der Forderung nach einer Quote einspannen zu lassen. Jetzt bin ich auch soweit, dass ich sag: Quote, Quote, Quote. Der ORF selbst denkt ja auch nur noch in Quoten. Der Anteil österreichischer Musik auf allen Sendern, auch in den Regionalprogrammen, ist unter jeder Sau. Und wenn du die Sendeverantwortlichen drauf ansprichst, finden sie das durch die Bank selbst Scheiße und berufen sich auf Statistiken und den Zwang der Werbefritzen. Da muss endlich jemand den Mut haben und sagen: Quote! Sonst rührt sich nichts.

    Wie gerne kommen Sie nach so langen Auslands-Touren wieder zurück nach Hause?
    GOISERN: Wenn man so lange weg ist, kommt halt vieles zu kurz. Freundschaften, Landschaften, auch das Stillsitzen.

    Gibt es einen Ort, wo Sie gerne für immer still sitzen würden?
    GOISERN: Nein, aber das Land von Salzburg bis Aussee, das ist schon irgendwie meins. Wenn man es weiter fasst, dann sind die ganzen Alpen meine Heimat. Fast. Mit Nordtirol tu ich mir schwer. Tirol wollte ich unbedingt gern haben. Wie eine Frau, die man unbedingt heiraten möchte. Aber nach dem fünften zurückgewiesenen Heiratsantrag fragt man sich: Warum tu ich mir das an?

    Wohin zieht es Sie in Zukunft?
    GOISERN: Ich hab in Afrika noch etwas zu erledigen. Aber das ist noch alles in der Planungsphase, und ich rede nicht gern über ungelegte Eier.

    INTERVIEW: GERHARD NÖHRER, BERND MELICHAR

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