"Ungemalte Bilder" von Emil Nolde in Berlin
Die Aquarelle des Malers sind bis 17. Jänner in der Nolde Stiftung Seebüll zu sehen.

Foto © Reuters
"Ich stand mitten im schönsten, produktivsten
Malen." So erinnerte sich später der Künstler Emil Nolde an die Zeit,
als die Nazis ihm das Malen verboten und seine Werke als "entartet"
ächteten. "Die Pinsel glitten mir aus den Händen", so der damals
schon über 70-jährige Nolde. In seinem Haus in Seebüll in
Nordfriesland schuf er zwischen 1941 und 1945 heimlich dennoch mehr
als 1.300 Bilder.
Ausstellung. Viele der Aquarelle würden in der Schau mit dem Titel "Mit
verschnürten Händen" erstmals in der Öffentlichkeit ausgestellt,
sagte Kurator Jörg Garbrecht am Donnerstag. Zu sehen sind mehr als
100 Aquarelle, die Noldes reiche Fantasie und seine grenzenlose,
leuchtende Farbpalette zeigen. Die kleinformatigen Werke versteckte
Nolde damals in seinem Haus oder bei zuverlässigen Freunden vor den
Nationalsozialisten.
Noldes Leben. Die bedrückende und bedrohliche Lebenssituation zu dieser Zeit
spiegelt sich jedoch nicht in Noldes Bildern wider. Der Künstler sei
ganz in seine Fantasiewelt abgetaucht, sagte Garbrecht. Gleichzeitig
zog er sich aus der Öffentlichkeit völlig zurück und mied auch
Berlin, wo er bis dahin vier Jahrzehnte lang die Wintermonate
verbracht hatte.
Themen. Nolde malte Landschaften, Meerbilder und Figuren in zahllosen
Konstellationen. Immer wieder setzt sich Nolde mit dem Alter
auseinander - ältere Männer sind an der Seite von jungen Menschen zu
sehen. Keines der Bilder hat einen Titel, denn Nolde rechnete nicht
damit, sie je einem größeren Publikum zeigen zu können. Bekannt
wurden die "Ungemalten Bilder" auch erst nach Noldes Tod im Jahr
1956.
Weitere Ausstellung. Das Berliner Kupferstichkabinett zeigt ab 3. Juli ebenfalls eine
Nolde-Ausstellung. Die Schau "Mensch Natur Mythos" umfasst
Aquarelle und Grafiken aus dem 110 Nolde-Werke zählenden Bestand des
Kupferstichkabinetts. Höhepunkt der Ausstellung sind 26 Aquarelle von
Noldes Südseereise, die in einem Konvolut von 50 Blättern 1919 als
Schenkung des Reichskolonialamtes in die Nationalgalerie gelangten.















