"Nova Rock": Harte Klänge, harte Sprüche
Der Beginn verlief reibungslos - und bei idealem Wetter. 54 Bands treten bis Sonntag in die Nachtstunden auf.

Foto © APABeste Stimmung und viel laute Musik beim Nova Rock Festival
In einer Zwangsjacke kam Disturbed-Sänger David Draiman auf die Bühne, und für diejenigen, die seine Band heute, Freitag, beim Nova Rock-Festival im burgenländischen Nickelsdorf zum ersten Mal sehen, versprach er die "Entjungferung":
"
Mit harten Sprüchen und harten Klängen, bei trotz gegenteiliger
Ankündigungen vorerst idealem Wetter hat am Freitag Österreichs
größtes Rockfestival begonnen. "Angesichts der Menschenmassen läuft
alles reibungslos", hieß es bei den Behörden.
In Masken.
Eine Horrorshow durfte man sich von der in Masken auftretenden
Band Slipknot erwarten. Im Backstage-Bereich gaben sich die Musiker
aber unverhüllt und freundlich.
Manchmal nervt es schon, für ein
einziges Foto die Masken überzuziehen", scherzte Chris Fehn
(Percussions) im Interview mit der APA. "Aber meistens liebe ich ja
meinen Job." Darum freut sich der Amerikaner, dass Slipknot
mittlerweile anerkannt und nicht als Showtruppe abgetan wird. "Wir
sind alle sehr talentierte Musiker", betonte Fehn. "Da steckt harte
Arbeit und Überlegung in unseren Platten. Nach zehn Jahren sollten es
die Leute ja begriffen haben, dass wir mehr als nur harte Klänge zu
bieten haben."
Sonnebrand.
Hitze, teils lebhafter Wind, aber kein Regen: Die Festivalbesucher
mussten sich vorerst eher um Sonnenbrand sorgen als um Sturmwinde -
die angekündigte Abkühlung mit Regen blieb bis in die frühen
Abendstunden aus.
250 Patienten hatte das Rote Kreuz bis etwa 19.00
Uhr versorgt, 30 davon kamen ins Krankenhaus. "Hauptsächlich zum
Röntgen", sagte Thomas Horvath vom Roten Kreuz. "Die meisten sind
wieder auf das Gelände zurückgekehrt." Die meisten von den Sanitätern
versorgten Besucher hatten Probleme mit dem Kreislauf und kleinere
Blessuren oder Schnittverletzungen. "Viele stolpern mit schlechtem
Schuhwerk über das Gelände und verstolpern sich."
Ohne gröbere Zwischenfälle.
Auch bei der Exekutive hieß es zunächst: "Alles in Ordnung", wie
Bezirkspolizeikommandant Andreas Kohs berichtete. "Es gab keine
gröberen Zwischenfälle, nur die bei solchen Veranstaltungen üblichen
kleineren strafrechtlichen Einsätze - wie zum Beispiel wegen
Sachbeschädigung oder Diebstahl." Es gab übrigens bei der Anreise
keinerlei nennenswerte Verkehrsbehinderungen.
Geiern und Grölen.
160.000 Besucher werden bis Sonntag erwartet. "Es ist schön, dass
Rockfans so loyal sind", meinte David Draiman von Disturbed auf das
Publikum angesprochen im Gespräch mit der APA. "Denn diese Leute
kaufen noch Platten und sind den Bands treu." Und die bereits
Anwesenden verschwendeten keine kostbare Festivalzeit: Zwischen Fans
im Hasenkostüm und vielen nackten männlichen Oberkörpern, zwischen
temporären und permanenten Körperbemalungen und einer endlosen
Vielfalt an mehr oder weniger sinnlosen T-Shirt-Aufschriften zeigte
sich deutlich, dass geübte Festivalbesucher keine Aufwärmphase für
die befreiende Entäußerung im burgenländischen Staub brauchen. Bei
typischer hemmungsfreier Stimmung wurde gefeiert und gegrölt,
Luftgitarre gespielt und getrunken.
Beste Stimmung.
Den Soundtrack dazu lieferten am Freitagnachmittag auf der "Red
Stage" u.a. "The Gaslight Anthem", deren Frontmann sich wunderte,
dass ihm aus dem von der Performance durchaus angetanen Publikum
freundlich ein Mittelfinger entgegengestreckt wurde - "das ist
eigenartig", scherzte er. "Sonic Syndicate" freute sich auf der "Blue
Stage", beim "bisher besten" Line-Up des Festivals dabei zu sein. Bei
Disturbed geriet dann das Publikum vor der nach Veranstalterangaben
bisher größten Festivalbühne in Europa so richtig in Konzertstimmung.
Am Programm standen Freitagnacht neben Slipknot noch die
wiedervereinigten Faith No More, die Nine Inch Nails, Mastodon und
Metallica als Headliner auf der "Blue Stage".

















