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    Zuletzt aktualisiert: 04.06.2009 um 20:36 UhrKommentare

    Museum Punta della Dogana ist eröffnet

    Venedigs neues Museum Punta della Dogana ist eröffnet. Die Adaption für den französischen Milliardär Henri Pinault bestätigt den Japaner Tadao Ando als ganz großen Architekten.

    Sammler-Milliardär Henri Pinault in seinem neuen Museum

    Foto © ReutersSammler-Milliardär Henri Pinault in seinem neuen Museum

    Die Räume sind eine Sensation. Tadao Ando (69), japanischer Architektur-Autodidakt von Weltgeltung, hat das ehemalige Zollamt der Republik Venedig prägnant, aber mit großem Respekt vor der historischen Substanz für Sammler-Milliardär Henri Pinault adaptiert. Für Pinault hatte Ando vor Jahren auch ein eigenes Museum auf einer Insel in Boulogne-Billancourt entworfen, das aber nie gebaut wurde. Für den Herrn über diverse Modelabels und das berühmte Wein-Chateau Latour polierte der sensible Planer dessen erste venezianische Erwerbung, den Palazzo Grassi, auf.

    Eleganz. Rund 4500 Quadratmeter stehen nun im Gebäude aus dem 17. Jahrhundert, das unter österreichischer Herrschaft markant umgebaut wurde, zur Verfügung. Ando hat Wände und eine zweite Ebene eingezogen. Alles im für ihn typischen Sichtbeton, penibel gefugt und poliert. Hochelegant, aber unaufdringlich. Perfekte Räume für die Kunst jedenfalls, mit denen auch Mike Kelley zufrieden sein dürfte. Der Amerikaner hat aus Glas- und Kunstharzobjekten ein geheimnisvoll leuchtendes Labyrinth gestaltet, durch das der Weg in den Museumsshop und die Caféteria führt (die nicht zu den Höhepunkten ihrer Art zu zählen sind).

    Effektvoll. Den Eintritt in das Reich der großen Namen markiert ein Vorhang des 1996 verstorbenen Kubaners Felix Gonzalez-Torres aus roten Glasperlen. Sehr effektvoll. Wie überhaupt die Kuratoren Alison M. Gingeras und Francesco Bonami durchwegs darauf achten, dass dem Besucher etwas geboten wird. Die einzige Position kleinformatiger Kunst, Zeichnungen der Amerikanerin Lee Lozano (1930 1999) aus den 1960er-Jahren, ist denn auch auf einer Tapete von Robert Gober appliziert.

    Klotzen, nicht Kleckern. Die Devise ist Klotzen, nicht Kleckern, was auf Dauer auch ermüdend sein kann. Für die Auffrischung der Wahrnehmung sorgen immer wieder neue Ein- und Ausblicke, die Andos Architektur ermöglicht. Eigene Räume haben neben Kelley Sigmar Polke, Rudolf Stingel und Jake & Dinos Chapman für sich. Die britischen Brüder zeigen in neun großen Schaukästen ihre Arbeit "Fucking Hell". Ein grausam-groteskes Gewusel von abertausenden Miniaturfiguren. Hitlers Wahnvorstellungen als plastisches Horrorszenario, dem man sich nur schwer entziehen kann. Danach ist man für Langweiliges wieder dankbar.

    WALTER TITZ, VENEDIG

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