"Fäulnisschwaden einer ranzigen Liebe"
Absolut sehenswert: "Quartett" von Heiner Müller war beim 19. Theaterfestival "Spectrum".
Sie bleiben einander im absurden Wettkampf um Liebe und Verführung nichts schuldig - das einstige Liebespaar, die Marquise Isabelle de Merteuil und Vicomte Sébastien de Valmont.
Theaterfestival.
Die beiden Rahmenfiguren aus dem Briefroman "Gefährliche Liebschaften" von Choderlos de Laclos stehen in Heiner Müllers "Quartett" als Protagonisten, auch in weiteren Rollen, auf der Bühne. Beim Theaterfestival "Spectrum" in Villachs neuerbuehne war unter dem Motto "liebesFlow" die Produktion des Theaters "diemonopol" zu sehen. Tamara Stern mimt im schweißtreibenden Spiel eine zugleich enttäuschte und kampflustige Frau, sie zieht schauspielerisch und stimmlich alle Register, bis hin zum von Schnarchern durchzogenen kehligen Lachen.
Theatervergnügen.
Ihr Widerpart ist der ebenso vielseitige Volker König, der einen eitlen Verführer darstellt, in der Romanvorlage gar ein Mann, der mit allen Pariser Frauen ein Verhältnis gehabt haben soll. Also "Liebe" mit Stricherllisten, um der Quote willen. Regisseurin Andrea Hügli lässt die Protagonisten, auch in das Geschlecht wechselnden Rollen wortgewaltig aufeinander prallen, es erheben sich Schwaden der moralischen Fäulnis des Ancien Régime mit Bezug ins Heute. Unterstützt durch Videos (Petra Zöpnek) und einer multifunktionalen Holz-Plattform entfalten Stern und König wilde Positionswechsel. Theatervergnügen für "Spectrum"-Freunde.














