Du Otto, ist die Kiki Kogelnik hier begraben?
Macht der Bilder, na ja. Oder: Popart sieht anders aus!
Ein Ausflug ins Unterland zum Geburtstag Frau Wegscheiders: Die Lippitzbachbrücke, jetzt Jörg-Haider-Brücke, ist für den Verkehr gesperrt. Die Einheimischen wissen aber, dass man die Absperrung umfahren und die Jörg-Haider-Brücke, wie es sich für eine Jörg-Haider-Brücke gehört, trotz Fahrverbot überqueren kann, und sie tun es auch. Dass man eine so hohe Brücke, von der man so tief hinunterfallen kann, wenn man falsch fährt, ausgerechnet nach Jörg Haider benennt, ist natürlich pietätlos.
Kultur und Sport. In Bleiburg platzen wir in den ersten Bleiburger Kulturlauf. Der Bürgermeister sagte ins Mikro, er sei froh, Kultur und Sport, die so viel gemeinsam haben, auf diese Weise miteinander verbinden zu können. Wir haben uns trotzdem den Weg zum Hauptplatz ins Werner-Berg-Museum freigekämpft und sehen Exponate von Werner Berg, Kiki Kogelnik, Alfred Kubin, Günther Brus, den Gekreuzigten mit dem Gesicht Anton Koligs von Franz Wiegele, Installationen von Cornelius Kolig ("Die bestattete Titte") u. a.
Stadtfriedhof. Den Stadtfriedhof von Bleiburg finden wir gleich, das Grab von Kiki Kogelnik zunächst aber nicht. Wir fragen zwei freundliche Frauen in einem Schrebergarten gegenüber vom Friedhofseingang: Sie wissen auch nicht, ob und wo Kiki Kogelnik liegt: Kann sein. Kann auch nicht sein. Sie fragen am Gartenzaun lehnend einen vorbeikommenden alten Radfahrer: Du Otto, ist die Kiki Kogelnik hier begraben? Macht der Bilder, na ja. Der Otto wenigstens weiß das und kennt es und zeigt uns jenen seltenen Fall eines Gemeinschaftsehrengrabes, schmucklos und lieblos, ein Apotheker und Bürgermeister Herbst liegt auch da.
Popart sieht anders aus. Kiki Kogelnik ist nur unter diesem Namen vermerkt, nicht als Sigrid Anneliese Gertrut Eva Maria Kogelnik, als die sie geboren wurde. Dass Grabstein und Grabplatte einer so großen Bildhauerin so wenig mit ihrer Kunst zu tun haben können! Popart sieht anders aus!
Wurmlöcher. Im Werner-Berg-Museum immerhin steht eine Skulptur mit dem Titel "Das Leben danach" mit einem der typischen Kogelnik-Scherenschnittköpfe, aus dessen Löchern aber überall die Würmer kriechen. Vielleicht wollte man Kiki Kogelnik Kiki Kogelnik nicht auf so drastische Weise zumuten.














