Benny Goodman wäre 100 Jahre geworden
Als Benny Goodman vor einem Jahrhundert das Licht der Welt erblickte, lag nichts in seiner Wiege, was den Aufstieg zu einem der Größten des Jazz begünstigt hätte.

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Als Benny Goodman vor einem Jahrhundert das Licht
der Welt erblickte, lag nichts in seiner Wiege, was den Aufstieg zu
einem der Größten des Jazz begünstigt hätte. Goodman war weiß, der
Sohn jüdischer Einwanderer aus Osteuropa. Ihm war die Musik der
Schwarzen, die zu jener Zeit fast nur in verrauchten Kneipen, Clubs
und Bordellen zu hören war, von Haus aus fremd. Und dennoch setzte er
Meilensteine in der Geschichte des Jazz, verdiente sich den Titel des
"King of Swing" und gab das erste Jazzkonzert in der Carnegie Hall in
New York, einem Tempel der klassischen Musik. Am 30.
Mai wäre Goodman 100 Jahre altgeworden.
Tribut. Das New Yorker Lincoln Center, seine Heimatstadt Chicago,
Universitäten und Jazzkneipen quer durch die USA widmen ihm, dem
schon zu Lebzeiten legendären Bandleader und Klarinettisten, bis in
den Herbst hinein "Centennial-Konzerte".
Beliebt. Es gab nur einen, der Goodman an Beliebtheit gleich kam: Louis
Armstrong. Doch Benny war anders als Satchmo. Er spielte mit Krawatte
und Kragen und machte den Jazz "gesellschaftsfähig". Über den Swing
gewann er weite Bevölkerungskreise für den Jazz, zunächst in den USA
und dann über die US-Grenzen hinaus. Eigensinnig brachte Goodman in
Zeiten der strikten Rassentrennung weiße und schwarze Jazzmusiker
zusammen auf die Bühne. Als erster weißer Orchesterleiter nahm er
farbige Musiker wie Lionel Hampton (Vibrafon) und Teddy Wilson
(Piano) in seine Band auf.
Innovativ. Was ihm zu Gute kam, waren seine eigene Virtuosität und die hohen
Erwartungen an seine Mitspieler. Als Goodman mit Traditionen brach
und in der Carnegie Hall aufspielte, standen ihm die besten Musiker
des Orchesters von Count Basie und Duke Ellington zur Seite. "Er ist
einer der großen Stilisten des Jazz, ein Superlativ an Charme, Geist
und Verbindlichkeit", schrieb der Jazz-Kritiker Joachim E. Berendt.
Goodman war ein glanzvoller und eleganter Klarinettenspieler - im
Jazz wie in der klassischen Musik. Er trat als Solist mit mehreren
Symphonieorchestern auf. Bela Bartok, Paul Hindemith und Aaron
Copland schrieben eigens Stücke für ihn.
Werdegang. Benny Goodman, das achte von zwölf Geschwistern, hatte früh
musikalisches Talent gezeigt. Trotz der elterlichen Armut bekam er
Stunden von einem Orchestermitglied der Chicagoer Symphoniker. Mit
elf trat Goodman der Gewerkschaft bei und wurde "Berufsmusiker".
Ausflugsdampfer auf dem Michigan-See ermöglichten ihm früh mit seiner
Musik Geld zu verdienen. Vier Jahre blieb Goodman in der Band des
Schlagzeugers Ben Pollack, bevor er sein eigenes Orchester gründete.
"Let's Dance" war einer seiner bekanntesten Stücken.
Durchbruch. Ein Gastspiel in Los Angeles und die landesweite Übertragung im
Rundfunk bescherte ihm 1935 den Durchbruch: Amerika war begeistert
vom pulsierenden, mitreißenden Swing, der den zurückgewonnenen
Optimismus nach Jahren der wirtschaftlichen Depression ausdrückte.
Die eigentliche Goodman-Ära ging zwar schon zu Beginn der 1940er
Jahre zu Ende, als der Swing vom Bebop abgelöst wurde. Doch Goodman
feierte weiter Triumphe, 1956/57 bei einer Goodwill-Tour im Fernen
Osten, 1962 bei einer Konzertreihe in der damaligen Sowjetunion. Fast
100 Millionen Platten von ihm wurden verkauft, mehrere Bücher
geschrieben und ein Film gedreht: "Die Benny-Goodman-Story". Er
selbst starb am 11. August 1986 in Manhattan an einem Herzinfarkt.













