"Qualität hat nichts mit Geld zu tun"
VÖZ-Präsident Horst Pirker über ORF, Post-Liberalisierung und Kostendruck.

Foto © APAHorst Pirker, Verband Österreichischer Zeitungen
Ein Diskussionspunkt bei der derzeit in Bad Kleinkirchheim stattfindenden Tagung des Verbandes Österreichischer Zeitungen (VÖZ) ist das neue Postmarkt-Gesetz. Die Post verteidigt es unter dem Titel "Versorgungssicherheit", private Anbieter üben heftige Kritik.
HORST PIRKER: Von einer Liberalisierung ist der vorliegende Entwurf weit entfernt. Die Politik hat dafür zu sorgen, dass es Marktbedingungen gibt, die sinkende Preise für die Bevölkerung bewirken. Von einer Fairness zwischen den Marktteilnehmern ist man derzeit noch weit entfernt - aber wer Verkehrsministerin Doris Bures kennt, weiß, dass sie zuhören kann.
Sie traten als Präsident des VÖZ zuletzt als wortgewaltiger Kritiker des ORF in Erscheinung. Sollte es Ihrer Meinung nach eine weitere Staffel "Dancing Stars" geben?
PIRKER: Die "Dancing Stars" sind nicht das Problem. Vielleicht erfüllen die sogar den öffentlich-rechtlichen Auftrag, weil sie genuin österreichisch sind. Schlimmer ist die fünfte oder sechste Wiederholung eines amerikanischen Film-Schinkens. Hier frage ich mich schon, was das im öffentlich-rechtlichen Fernsehen verloren hat?
Braucht es einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk noch?
PIRKER: Da hören Sie ein eindeutiges "Ja". Aber die Leute haben auch einen Anspruch darauf, dass mit ihren Gebühren - die das System großteils finanzieren - ordentlich umgegangen wird.
Sie sprechen den Kostenfaktor an. Bernd Ziesemer, Chefredakteur des Handelsblatts, meinte: "Beim Wort Medienmanager wird mir schlecht". Wie sehen Sie den Kostendruck auf die Branche?
PIRKER: Wenn dieser Herr das so sieht, dann offenbart das nur ein intellektuelles Problem bei ihm. Nicht umsonst ist sein Blatt in finanzieller Schieflage.
Aber journalistisch zählt es zu den Führenden.
PIRKER: Viele sitzen dem Irrglauben auf, dass Qualität im Journalismus etwas mit der finanziellen Ausstattung zu tun hat. Die journalistische Schöpfung ist schon etwas komplexer.
Nützen alte Verlagshäuser die Möglichkeiten des Internets - etwa Twitter - genügend aus?
PIRKER: Man muss beides machen: Sich professionell auf die gedruckte Zeitung konzentrieren und Neuerungen nicht ungenützt an der Seite liegen lassen. Da sind für ehemalige Verlagshäuser noch viele Potentiale vorhanden.
Mitte nächsten Jahres treten Sie nach drei Amtszeiten als VÖZ-Präsident ab. Eine erste Bilanz?
PIRKER: Die gibt es zur gegebenen Zeit.














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