25.000 Euro für philosophischen Essay
Der Preisträger soll sich den "Problemen der Zeit auf hohem Reflexionsniveau" nähern.

Foto © APAKonrad Paul Liessmann
Das Philosophicum Lech vergibt heuer erstmals
den mit 25.000 Euro dotierten "Tractatus"-Preis für philosophische
Essayistik. Die Auszeichnung soll ein deutschsprachiges Werk
würdigen, das zeigt, dass es "möglich ist, sich den Problemen der
Zeit auf hohem Reflexionsniveau" zu widmen und dies in einer Sprache
schafft, die "allgemeinverständlich ist", sagte der wissenschaftliche
Leiter des Philosophicum Lech, Konrad Paul Liessmann.
Preise seien "ein wesentliches Instrument, Aufmerksamkeit zu
erzeugen", so Liessmann. Daher werde bei der 13. Ausgabe des
Philosophicums, das sich von 16. bis 20. September mit dem "Zauber
des Schönen" beschäftigt, erstmals der "Tractatus" vergeben. Gekürt
wird der Preisträger - ausgezeichnet wird das Buch, nicht der Autor -
durch eine dreiköpfige Jury mit Vertretern aus Österreich (Helmut A.
Gansterer), Deutschland (Rüdiger Safranski) und der Schweiz (Ursula
Pia Jauch). Die Überreichung finde bei einer festlichen
Abendveranstaltung während des Philosophicums in Lech statt. Wichtig
sei, dass das Werk "nicht im Elfenbeinturm" agiere, sondern etwas zum
öffentlichen Dialog beiträgt, so Liessmann. Der Begriff des
"Philosophischen" sei weit gefasst, es komme nicht nur Fachliteratur
für eine Auszeichnung infrage.
Auszeichnung. Das Geld für die Auszeichnung, die jährlich vergeben werden soll,
kommt von einem Spender, der nicht genannt werden will. Die Höhe der
Dotierung sei "gerade in Zeiten wie diesen außergewöhnlich, um nicht
zu sagen sensationell", so Liessmann. Es gebe im deutschsprachigen
Raum sonst kaum repräsentative, hoch dotierte Preise für die
"Reflexion unserer Zeit vor philosophischem Hintergrund". Der
"Tractatus" soll diese Lücke füllen und sich zu einer "renommierten
Auszeichnung" entwickeln, die in Zukunft zum Ansporn für Autoren
werden kann.
"Zwei Ehren". Auszeichnungen seien "Werbestrategien für den Geist" und immer
"zwei Ehren", sagte der Autor Michael Köhlmeier, der maßgeblich an
der Schaffung des "Philosophicums" beteiligt war: Eine Ehre für den,
der den Preis bekommt, und für den, der ihn vergibt. So soll der
"Tractatus" dem Preisträger Renomee bringen, dies könne aber bei
renommierten Ausgezeichneten auch umgekehrt sein, sagte der Autor.
Köhlmeier und Gansterer lobten auch die Aktualität, die die Themen
des "Philosophicums" mit u.a. "Geld" im Vorjahr erreichten. Liessmann
sieht auch im heurigen Thema, das den Untertitel "Reiz, Begehren und
Zerstörung" trägt, einen aktuellen Bezug: "Kaum setze ich als Thema
'Schönheit' an, zerstört eine Schönheitskönigin ihre Beziehung."














