Großes Begräbnis von Fritz Muliar in Wien
Der Publikumsliebling wird am Dienstag den 12. Mai am Wiener Zentralfriedhof begraben. Er erhält ein Ehrengrab.

Foto © APA /ORFFritz Muliar, 2008 in einem ORF-Spezial
In der Früh weinte der Himmel, am Nachmittag die
Wiener Theaterwelt: Fritz Muliar, Publikumsliebling und "Inbegriff
des Volksschauspielers", wie ihn Herbert Föttinger heute, Dienstag,
bei der Trauerfeier am Wiener Zentralfriedhof bezeichnete, wurde im
Beisein von zahlreicher Polit- und Theaterprominenz sowie Dutzenden
Schaulustigen verabschiedet. Der Kammerschauspieler war am 4. Mai im
Alter von 89 Jahren gestorben. Heute wurde er in einem Ehrengrab der
Stadt Wien beigesetzt.
Rede. "Der aufrechte Gang, die Haltung - das assoziiere ich mit Fritz
Muliar", sagte Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (S) bei
seiner Trauerrede am Nachmittag. Muliar sei ein "Volksschauspieler
mit Courage" gewesen, der "goschert sein" als "oberste Bürgerpflicht"
gesehen habe. Als "der Muliar", der auch in totalitären Zeiten
unbequem gewesen sei und politische Haltung bewiesen habe, werde er
in Erinnerung bleiben. Muliar galt Zeit seines Lebens der
Sozialdemokratie als eng verbunden.
Biografie. Josefstadt-Direktor Herbert Föttinger gab im Anschluss einen
biografischen Abriss des 71 Jahre lang auf allen bedeutenden Bühnen
des Landes und im Fernsehen zu Hause gewesenen Schauspielers. Muliar,
am 12. Dezember 1919 in Wien-Neubau geboren, begann seine Laufbahn im
Kabarett. Nach dem Kriegsdienst, bei dem er wegen
"wehrkraftzersetzenden Äußerungen" fünf Jahre lang von den Nazis
inhaftiert war, eroberte er rasch Bühne und Leinwand und schrieb sich
mit Rollen wie dem "braven Soldaten Schweijk" in das kulturelle
Gedächtnis des Landes ein.
Karriere. Von 1951 bis 1963 war Muliar am Wiener Volkstheater engagiert und
spielte parallel dazu dreizehn Jahre lang im Kabarett "Simpl". Von
1964 bis 1977 war das Theater in der Josefstadt seine künstlerische
Heimat, 1974 wurde er Mitglied des Burgtheaters, dem er bis zu seiner
Pensionierung 20 Jahre lang angehörte. 1994 kehrte er wieder in die
Josefstadt zurück. Mit Felix Mitterers Einpersonenstück "Sibirien"
erreichte Muliar 1992 einen seiner größten künstlerischen Erfolge, im
November 2007 feierte er in den Kammerspielen sein
70-Jahr-Bühnenjubiläum mit dem eigens für ihn geschriebenen
Mitterer-Stück "Der Panther".
Schock. Muliar war für Föttinger "ein Patriot und Kosmopolit, ein Kämpfer
für humanistische Gesinnung". Die Nachricht von seinem Ableben habe
in der Josefstadt einen Schock ausgelöst. Muliar habe immer gesagt,
solange von jemandem gesprochen werde, sei dieser nicht tot. "Wir
sprechen von dir, solange wir Worte haben", versprach Föttinger.
Helmuth Lohner konstatierte im Anschluss mit Tränen in den Augen:
"Das Unausweichliche ist da." Seine berührenden Erinnerungsworte zum
Abschied an einen lieben Freund schloss er kurz und traurig: "Adieu,
Fritz."
Trauerzug. Nach eingespielten Worten von Muliar und eingerahmt von der 5.
Symphonie von Gustav Mahler zogen die Trauernden schließlich zum Grab
Muliars, das sich neben demjenigen Gert Jonkes und in der gleichen
Gruppe wie die Grabstätten von Gusti Wolf, Inge Conradi oder Joe
Zawinul befindet. Dem Trauerzug folgten u.a. Bundespräsident Heinz
Fischer, Bundeskanzler Werner Faymann (S) und Niederösterreichs
Landeshauptmann Erwin Pröll (V) sowie unzählige Schaulustige.
Elfriede Ott, langjährige enge Bühnenpartnerin Muliars, meinte dazu:
"Das hier ist sein Publikum."
Buch. Im Juli soll postum das Buch "Denk ich an Österreich. Eine
Bilanz", an dem Muliar bis zuletzt arbeitete, im Residenzverlag
erscheinen.

















