Autor Hans Christoph Buch wird 65
Seinen Geburtstag wird der eigentlich in Berlin lebende Literat fern der Heimat verbringen - allerdings nicht in Haiti, sondern am anderen Ende der Welt, in China.
Das Fernweh hat Hans Christoph Buch wahrscheinlich
von seinem Großvater geerbt. Vor mehr als hundert Jahren ließ der
sich in Haiti nieder und heiratete eine Haitianerin. Die
Karibik-Republik, die so oft mit Krisen und Umstürzen von sich reden
macht, hat auch den Enkel nicht losgelassen. Immer wieder ist er dort
hingereist, und etliche seiner Romane hat er dort spielen lassen. Am
13. April wird Hans Christoph Buch 65 Jahre alt.
Geburtstagsfeier. Seinen Geburtstag wird der eigentlich in Berlin lebende Literat
fern der Heimat verbringen - allerdings nicht in Haiti, sondern am
anderen Ende der Welt, in China. Als "Writer in Residence", als
Gastschreiber also, ist er für drei Monate in die von Marco Polo
gepriesene Stadt Hangzhou südwestlich von Shanghai gezogen, wo man
sich, wie er sagt, "in ein chinesisches Gedicht oder Gemälde versetzt
glaubt".
Weiter Weg. Bis dorthin war es ein weiter Weg: Die literarische Bühne betrat
Buch mit 19 Jahren, als er vor der legendären "Gruppe der 47" eine
seiner frühesten Erzählungen vorlesen durfte. Mit 22 veröffentlichte
er die Geschichtensammlung "Unerhörte Begebenheiten", sein erstes
Buch. Zu der Zeit studierte er in Berlin. Seit Ende der 60er Jahre
fand Buch auch als Literaturwissenschaftler und -kritiker
Anerkennung. Die eigene Familiengeschichte und ein allgemeines
Interesse an der Dritten Welt zogen ihn später in die Karibik.
Debüt. 1984 gab Buch mit "Die Hochzeit von Port-au-Prince" sein
Roman-Debüt. In einer Mischung aus Fiktion und realer Geschichte geht
es darin um Haiti. Der Titel kann auch als Anspielung auf Heinrich
von Kleists Haiti-Novelle "Die Verlobung in St. Domingo" verstanden
werden. Es folgten "Haiti Cherie" (1990) und "Rede des toten Kolumbus
am Tag des Jüngsten Gerichts" (1992), woraus sich eine Haiti-Trilogie
ergab. Nach Deutschland zurückgekehrt ließ Buch eine ebenfalls von
schwarzem Humor durchzogene "Europa-Trilogie" folgen.
Reoportagen und Essays. Außer als Romanautor machte sich Buch auch als Verfasser von
Reportagen und Essays zu Lateinamerika, Afrika und Asien einen Namen.
Er veröffentlichte mehrere Sammlungen, zuletzt "Das rollende R der
Revolution" (2008). Buch reiste in den vergangenen Jahren immer
wieder zu den Brennpunkten des Weltgeschehens - nach Ruanda und nach
Birma, nach Venezuela und nach Darfur. In seinem jüngsten Roman
"Sansibar Blues" (2008) verarbeitet er die deutsch-ostafrikanische
Kolonialgeschichte.
Kritik. Zuvor hatte Buch mit der Novelle "Tod in Habana" (2007) eine
Persiflage auf Thomas Manns "Tod in Venedig" geliefert - zugleich
eine ätzende Kritik an den Zuständen im kommunistischen Kuba. Der
Autor lässt darin durchschimmern, wie er sich selber im Laufe seines
Lebens vom glühenden Verehrer der kubanischen Revolution zum scharfen
Castro-Kritiker wandelte. Und immer wieder dreht sich sein Schaffen
um Haiti, wie in dem Romanessay "Tanzende Schatten" (2004). Das Land
seiner Großeltern ist Buch zur Obsession geworden - ein Inselstaat,
der gelegentlich mit einem ähnlich klingenden Pazifik-Archipel
verwechselt wurde. "Wieviel müssen wir Ihnen bezahlen, Herr Buch,
damit Sie endlich aufhören, über Tahiti zu schreiben?" zitiert Buch
seinen früheren Verleger Siegfried Unseld.














