Doping oder Stressmanagement? - Musiker unter Medikation
Cortison-Spritzen und Beta-Blocker helfen Sängern und Musikern über angeschlagene Stimmen und Nervosität hinweg. Die Ärztliche Betreuung ist meist gegeben.

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Als Tenor und Bodybuilder Endrik Wottrich im Sommer
2007 in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" verkündete, "Doping"
sei in der Opernwelt längst Alltag, löste er damit eine Welle der
Besorgnis über das Saubermann-Image der Klassikwelt aus. Im Zuge der
aktuellen Doping-Affäre im Leistungssport kocht die Debatte wieder
hoch: Sind Cortison-Spritzen für angeschlagene Stimmen und
Nervositätshemmer für Musiker Wettbewerbsverzerrung? Oder nur
legitime Mittel zum Stressmanagement, in einem von vielen Berufen mit
hohem Leistungsdruck?
Nicht illegal.
Bezeichnende Unterschiede zum Sport: Beta-Blocker oder Cortison
sind nicht illegal und werden fast ausschließlich unter ärztlicher
Betreuung verabreicht. Außerdem erhöhen sie die Leistungen nicht,
sondern sollen Defizite - durch Krankheit, aber auch durch Nervosität
- wettmachen. Und können dabei durchaus auch zulasten der Performance
gehen: Cortison kittet gereizte Stimmbänder nur kurzfristig,
letztlich hat es eher schädliche Konsequenzen. Und die auch in
renommierten Orchestern weit verbreiteten Beta-Blocker gegen die
Aufregung wirken auch im negativen Sinne hemmend. "Eine gewisse
Grundaufregung braucht man, damit man überhaupt die Präsenz auf der
Bühne zusammenbringt", betonte etwa Konzerthaus-Chef Bernhard Kerres
gegenüber der APA.
Pflichtbewusstsein.
Gerne setzen sich Musiker also nicht unter Medikamente. "Wenn ein
Sänger auf einer Tournee krank wird, dann versucht er natürlich schon
aus Pflichtbewusstsein, die Vorstellung zu retten", erklärte Manager
Peter Buchmann, dessen Künstlersekretariat die Tourneen für den
Großteil aller Wiener Orchester organisiert, im Gespräch mit der APA.
Gegenüber Aussagen etwa des Opernsängers Roland Wagenführer, der in
einem Interview angab, viele Kollegen zu kennen, "deren
Medikamentenkoffer größer ist als der Rest ihres Reisegepäcks", gab
Buchmann zu bedenken, dass gerade durch das Reisen der Konsum von
Medikamenten stark beschränkt sei: "In vielen Ländern, vor allem in
Asien, gibt es sehr strenge Verbote mit teils hohen Strafen. Ich gebe
jedes Aspirin und natürlich auch jeden Beta-Blocker, den der
Orchesterarzt mitführt, immer genauestens beim Zoll an."















