Soul-Diva Diana Ross wird 65
Sie hatte nähen gelernt und von einer Zukunft als Modedesignerin geträumt. Stattdessen wurde Diana Ernestine Ross aus der Autostadt Detroit zur Diva des schwarzen Amerikas.

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Mehr als 100
Millionen Platten hat die Soulsängerin verkauft. "Billboard" ernannte
sie bereits 1976 zur "Entertainerin des Jahrhunderts". Das Guinness
Book of World Records zog 1993 nach und sprach ihr den Titel der
"erfolgreichsten Musikkünstlerin aller Zeiten" zu. Am 26. März wird die Tochter eines Fabrikarbeiters, die
unter bescheidensten Verhältnissen aufwuchs und zu einer der
reichsten Frauen der USA wurde, 65 Jahre alt.
Keine Ruhe. An den Ruhestand denkt sie aber offenbar noch nicht. Diana Ross
füllt weiterhin Konzertsäle in aller Welt. Im Dezember trat sie bei
der Verleihung des Friedensnobelpreises in Oslo auf, davor in New
Yorks traditioneller Radio City Music Hall als "Diva mit Herz".
Präsident Georg W. Bush ehrte sie sowie Regisseur Martin Scorsese und
Filmstar Steve Martin noch kurz vor Ende seiner Amtszeit bei einer
Gala im Washingtoner Kennedy Center. Auch in Europa wird das einstige
Glamour-Girl der Popmusik weiterhin begeistert gefeiert.
Eskapaden. Eine Weile lang sorgten ihre persönlichen Eskapaden für
Schlagzeilen: Ein Polizei-Video, das Ross volltrunken zeigte, eine
Gefängnisstrafe, die sie wegen bevorzugter Behandlung ein zweites Mal
absitzen musste, Wutausbrüche bei Fernsehaufzeichnungen und
handgreifliche Attacken gegen eine Sicherheitsbeamtin am Londoner
Flughafen bewegten Fans und Medien. Doch nach einer Entziehungskur
2002 trat wieder Ruhe ein in ihrem Privatleben.
Kindheit. Die kleine Diana wuchs als zweite von sechs Geschwistern der
Baptistenfamilie Ross auf. Sie sang im Gospel-Chor der Kirche und
wurde mit 15 in die Doo-Wop-Gesangsgruppe von drei Freundinnen, The
Primes, aufgenommen. Motown Record - die erste Plattenfirma, in der
ein schwarzer Produzent schwarze Sänger zu einigermaßen fairen
Bedingungen unter Vertrag nahm - holte die Mädels als Background-
Sängerinnen an Bord.
Durchbruch. 1964 gelang den Supremes, wie sie sich inzwischen nannten, mit
"Where Did Our Love Go" dann der eigene Durchbruch. Es wurde der
größte Hit, den bis dahin ein schwarzer Künstler geschafft hatte.
Weitere zwölf Nummer-eins-Songs folgten. Die Supremes beherrschten
mit den Beatles die Musikboxen und Radiostationen der 60er Jahre. Der
"Motown-Sound", ihre Spielart des Soul, machte über Nacht
Musikgeschichte. So sehr die Kritik auch ihre Texte verriss: Die
Dynamik und Erotik, mit denen die Supremes sie von pulsierenden
Bässen und hämmernden Tambourinen begleitet schrien, seufzten und
säuselten, war einzigartig und blieb unnachahmlich.
Solo-Karriere. Als Diana Ross 1970 ihre Solo-Karriere startete, war das Ende der
bis dahin erfolgreichsten weiblichen Gruppe Amerikas eingeläutet. Sie
dagegen verkaufte noch mehr Platten als zuvor. Ihr erstes Solo-Album
"Ain't No Mountain High Enough" wurde ihr förmlich aus den Händen
gerissen. Sie profilierte sich in einer Filmbiografie über Billie
Holiday ("Lady Sings The Blues") auch als nuancenreiche Jazz-
Interpretin und wurde 1972 als beste Schauspielerin für einen Oscar
nominiert. Eine zweite Nominierung holte sie sich mit dem Titelsong
für den Film "Mahagony".
Auftritte. 1982 trat Ross in der Frankfurter Alten Oper auf, 1983 gab sie ein
Freiluftkonzert für Tausende im New Yorker Central Park. In Wien ging
beim Weihnachtskonzert 1992 mit Placido Domingo und José Carreras ihr
Traum in Erfüllung, einmal neben Opernstars auf der Bühne zu stehen.
Fünfzig Jahre nach dem Start ihrer Karriere, nach zwei gescheiterten
Ehen und mit fünf Kindern gehört die blendend aussehende
Entertainerin noch immer zu den Spitzenverdienern ihrer Branche. Wenn
sie vor Temperament und Begeisterung sprühend ihre makellose Glitter-
und Glamourshow auf der Bühne abzieht, verbucht sie auch heute noch
ein "Heimspiel" nach dem anderen.















