Zuletzt aktualisiert: 11.03.2009 um 05:01 Uhr
"Kreativität ist heute ein echter Wirtschaftsfaktor"
Der Architekt Roland Gruber befragte Kärntens Parteien zum Thema Baukultur - eine ernüchternde Bilanz mit interessanten Aussichten.
"Die mit Abstand größten Lebenskosten bzw. Lebens-investitionen der Kärntnerinnen und Kärntner sind jene, die unter dem Begriff ,Baukultur' subsumiert werden können: Die Miet-, Betriebs- und Energiekosten ebenso wie die Schaffung von gebautem Eigentum oder Garten", behauptet die österreichweite Plattform "Architektur und Baukultur".
Enquette.
"Rund 70 Prozent des gesamten österr-eichischen Anlagevermögens" entfielen demnach auf Bauten, "rund 90 Prozent unserer Zeit" verbrächten "die meisten von uns in Gebäuden und praktisch das ganze Leben in gestalteter Umwelt." Ausgehend von solchen Überlegungen lud die Plattform kurz vor der Kärntner Landtagswahl zu einer Enquette, an der - bis auf das BZÖ - alle Landtagsparteien vertreten waren. Platt-formsprecher Roland Gruber fasst im Interview die Erkenntnisse zusammen.
Was war für Sie das wichtigste Ergebnis der Diskussion?
ROLAND GRUBER: Dass wir den ganzen Abend nicht über Architektur, sondern über Baukultur gesprochen haben. Architektur ist ja viel zu sehr im Kunsteck, bei der Ästhetik angesiedelt. Baukultur dagegen ist gestaltete Umwelt. Da ist viel mehr dahinter: die gesamte Raum-planung, die Landschaftsplanung, die Ingenieur-leistung etc. Da redet man nicht mehr über 419.000 Euro, wie sie im letzten Kulturbericht für den Bereich Architektur aufscheinen, sondern über Millionenbeträge.
Welche Konsequenzen ergeben sich für sie daraus?
GRUBER: Es sollte überall, wo beim Bauen öffentliche Gelder im Spiel sind, etwa bei einer Brücke, Lärm-schutzwand oder einem Kindergarten, klare gesetzliche Kriterien geben. In der Steiermark sind wir gerade dabei, einen Leitfaden zu entwickeln. Dieser reicht von der Bedürfniserhebung, ob eine Gemeinde überhaupt einen Neubau benötigt, bis hin zur Abwicklung eines Architektenwettbewerbs. Bei der Diskussion wurde unter anderem als Manko erkannt, dass die Baukultur bei zuvielen Politikern angesiedelt ist. Die SPÖ hat es zum Beispiel für sinnvoll gehalten, ein Infrastrukturreferat zu schaffen, also Straßen und Wohnbau unter ein Dach zu bekommen.
Eines der größten Sorgenkinder ist wohl die Raum-planung. Gibt es diesbezüglich Lösungsvorschläge?
GRUBER: Man kann hier wohl von einem Schwerst-verletzten sprechen. Es wird derzeit Raum-planung "Daumen mal Pi" gemacht. Die Gemeinden sind hoffnungslos überfordert. Man lässt umwidmen, damit man wiedergewählt wird. Gleichzeitig sterben die Stadtkerne aus. Ein Hebel wäre, dass man mehr Kompetenz an überregionale Stellen abgibt. Die ÖVP hat sich da am weitesten hinausgelehnt, indem sie das österreichweit bündeln lassen möchte. Ein Modell, das unsere Plattform forciert, ist das bayrisches Modell. Wenn jemand Grünland in Bauland umwidmen lässt, fließt dort der gesamte Erlös nicht an eine einzelne Person, sondern zum Teil in die Infrastruktur oder soziale Projekte.