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Zuletzt aktualisiert: 01.03.2009 um 16:05 UhrKommentare

Martin Kippenberger im MoMA

Zwölf Jahre nach seinem frühen Tod hat Martin Kippenberger erreicht, wovon die meisten Künstler seiner Generation nur träumen dürfen.

Das New Yorker MoMA, Walhalla für die Großen der modernen und zeitgenössischen Kunst, stellt das Werk des deutschen Provokateurs in einer Retrospektive vor. Ein komplettes Stockwerk und sein Atrium hat das Museum dem auch in den USA nur begrenzt bekannten Maler, Bildhauer, Installationskünstler und Fotografen posthum zur Verfügung gestellt. Besuchern kündigt es "einen der bedeutendsten und einflussreichsten Künstler unserer Zeit" an. Die Ausstellung "Martin Kippenberger: The Problem Perspective" wurde am Sonntag eröffnet.

Seine Welt. Sie führt in die Welt eines Mannes ein, der "aus allem Kunst gemacht hat", wie die MoMA-Kuratorin Ann Temkin sagt. "Kein Objekt war vor ihm sicher." Kippenberger produzierte non-stop, freche Zeichnungen, Selbstporträts, Landschaften und sexuelle Fantasien auf Hotel-Briefpapier, Collagen, Skulpturen aus Brettern und alten Möbeln. Einem kleinen grauen Gemälde (1972) von Gerhard Richter verpasste er vier Beine und machte ihn zum Beistelltisch. Ein Bild aus geometrischen Figuren bekam den sarkastischen Titel "Ich kann beim besten Willen kein Hakenkreuz darin entdecken". Ein anderes mit dem Titel "Krieg böse" zeigt einen kleinen roten Weihnachtsmann, der unter der Kanone eines Kriegsschiffes mit seiner Rute wedelt.

Installation. Besonders faszinierend ist Kippenbergers letzte und größte Installation, "The Happy End of Franz Kafka's 'America'", die Kafkas unvollendeten Roman von 1927 abschließen soll. Bei Kafka trifft der Protagonist, ein junger Deutscher namens Karl Rossman, auf der Suche nach einem Job im Einwanderland USA bei einer Stellenvermittlung ein. Kippenberger lässt das "Verhör" der Arbeitssuchenden zu einem Volkssport für ein breites Publikum werden.

Spielfeld. Dieses schaut von Zuschauerrängen auf eine grüne (Rasen-) Fläche. Auf ihr reiht sich ein Verhandlungstisch an den anderen, mit Polstersesseln für die Vermittler und harten Holzstühlen oder auch Kindersitzen für die armen Einwanderer. Der Volksfestcharakter wird durch ein Karussel, das sich um ein riesiges Spiegelei dreht, sowie Liegestühle mit Schirm und Barhocker am Rande des "Spielfelds" noch herausgestrichen.

Vorbilder. In anderen Arbeiten nimmt es Kippenberger mit großen Kollegen auf, Henri Matisse, Joseph Beuys und vor allem Pablo Picasso. Drei Bilder in der Retrospektive zeigen ihn - ähnlich wie den schon betagten Picasso auf einem Foto - in halblangen Unterhosen mit Bauch und Bartstoppeln. In einer Serie mit dem Titel "Jacqueline: Die Bilder, die Picasso selbst nicht mehr malen konnte" (1996) malt er Picassos trauernde Witwe nach Fotos, die nach dem Tod ihres Mannes aufgenommen wurden.

Begeisterung. Die "New York Times" begeisterte sich in einem ausführlichen Beitrag für den Künstler und sein Werk. Kippenberger habe die Kunstszene in einer Zeit betreten, als die entscheidenden Impulse des späten 20. Jahrhunderts bereits passé waren, Pop, Minimalismus, Konzeptkunst und Neo-Expressionismus. So habe er sich hier und dort bedient und aus der Mixtur Neues geschaffen, schrieb die Zeitung. Bewunderung zollt sie dem gebürtigen Dortmunder vor allem für den Umfang und die Komplexität seines Lebenswerks.

Früher Tod. Kippenberger war gerade 44 Jahre alt, als er in Wien an Leberzirrhose starb. Er hatte es nirgendwo lange ausgehalten, die Schule frühzeitig abgebrochen, in Florenz, Berlin, Paris, Köln, Madrid und Los Angeles gelebt, wo auch die Retrospektive entstand, die jetzt in New York zu sehen ist. Bei der Arbeit wie im Privaten ging der Künstler immer aufs Ganze, "mit Vollgas, den Fuß auf dem durchgedrückten Gaspedal und den Kopf benebelt" von Alkohol oder Drogen. So blieben ihm am Ende nur zwanzig Jahre zum Schaffen.


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