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Zuletzt aktualisiert: 03.02.2009 um 19:04 UhrKommentare

Kärntner Regisseur Woschitz mit Ophüls-Preis ausgezeichnet

Thomas Woschitz wurde für "Universalove" mit dem Max-Ophüls-Preis ausgezeichnet. Ein Gespräch über seine Arbeit als Bildmonteur und den österreichischen Film.

Mit dem begehrten Max-Ophüls-Preis: Thomas Woschitz

Foto © PrivatMit dem begehrten Max-Ophüls-Preis: Thomas Woschitz

Gratulation zum Max-Ophüls-Preis. Wie geht es Ihnen jetzt ein paar Tage danach?<
>THOMAS WOSCHITZ: Ich bin sehr froh, speziell weil dieser Film mit Spielstätten in sechs Ländern keine einfache Produktion hatte.

"Universalove" erzählt sechs Liebesgeschichten. Warum ausgerechnet ein Liebesfilm? Davon gibt es ja nicht gerade wenige.
WOSCHITZ: Liebe ist etwas, das alle berührt. Jeder glaubt, Liebe ist einzigartig für einen. Dabei passiert es überall auf der ganzen Welt zur gleichen Zeit, millionenfach. Das war ein bisserl auch unser Ausgangspunkt: Für jeden einzelnen ist Liebe individuell, gleichzeitig ist sie universell.

Kam die Idee dazu von Ihnen?
WOSCHITZ: Die Grundidee habe ich mit Oliver Welter von "Naked Lunch" geboren. Wir haben schon viel gemeinsam gearbeitet, aber nun wollten einmal etwas von Anfang an gemeinsam machen. Wir haben uns auf dieses kleine oder große Thema Liebe geeinigt und ich habe kleine Geschichten geschrieben. Zum Teil bin ich mit den Entwürfen für die Musik zu den Dreharbeiten losgefahren, zum Teil war "Naked Lunch" dabei. Der fertige Schnitt - und zwar nicht nur Ton, sondern auch Bild - ist in monatelanger Arbeit im Klagenfurter Studio von "Naked Lunch" passiert.

Also: Kärntner Band, Kärntner Regisseur, mit Gabriele Kranzelbinder eine Kärntner Produzentin: Kann man sagen, es ist ein Film aus Kärntner Hand?
WOSCHITZ: Von dem her sicher, aber es ist eben auch ein weltweiter Film.

Wie hoch war das Budget?
WOSCHITZ: Insgesamt 250.000 Euro. Am Anfang haben alle gesagt, dass das nicht machbar ist. Aber durch die perfekte Zusammenarbeit mit den Menschen vor Ort, die dieses Projekt sehr unterstützt haben und mit dieser Energie und Dynamik hat es dann doch geklappt.

Und jetzt sind Sie auch zur "Berlinale" eingeladen.
WOSCHITZ: Ja, Dank des Preises. Das ist natürlich ein neues großes Forum für uns, um den Film auch international bekannt zu machen und zu verkaufen.

Wird es in Berlin - wie beim Max-Ophüls-Preis in Saarbrücken - auch eine Vorstellung mit Live-Musik geben?
WOSCHITZ: Nein, das war zu kurzfristig. Aber der Kinostart in Österreich wird in allen Bundesländern jeweils mit einem Live-Konzert stattfinden.

Wann ist es soweit?
WOSCHITZ: Mitte April, den genauen Tag wissen wir noch nicht. Jetzt ist noch die große Frage, wo wir das in Klagenfurt machen können, das ist ja sozusagen immer ein bisschen eine kulturelle Krise, weil es nicht wirklich Plätze dafür gibt. Wir würden es am liebsten im Stadttheater Klagenfurt machen, da gibt es auch schon Gespräche. Dann würden vielleicht auch Menschen kommen, die normalerweise nicht in ein "Naked Lunch"-Konzert oder einen Arthouse-Film gehen.

Der österreichische Film ist offensichtlich im Aufwind, es gab ja auch wieder eine Oscar-Nominierung. Wie sehen Sie die Situation?
WOSCHITZ: Der österreichische Film bekommt international große Aufmerksamkeit, das ist toll. Auch das österreichische Publikum verweigert den österreichischen Film nicht mehr so stark wie es das einmal gemacht hat. Leider ist halt die Situation von den Subventionen her noch immer sehr schwierig. Der Oscar im Vorjahr war ein erstes starkes Signal an die Politik, es gab ja auch kleine Versprechungen, aber wenn man das mit Theaterförderungen vergleicht oder mit den Förderungen für große Häuser - da sind wir noch immer sehr weit davon entfernt.

Sie arbeiten an dem Filmprojekt "Die Räuber - Reloaded". Was kann man sich vorstellen? Schiller im 21. Jahrhundert?
WOSCHITZ: Genau, eine moderne Fassung von Schillers Räuber, aber in Schillers Sprache. Mich hat die jugendliche Frische in dem Stück gereizt, diese große Aufbruchsstimmung. Außerdem arbeite ich an einem tragisch-komischen Thriller, der am Land spielen soll.

Sie bezeichnen sich als Bildmonteur. Warum nicht als Filmemacher oder Regisseur?
WOSCHITZ: Das hat viel mit meiner Geschichte zu tun: Erstens habe ich in Rom Filmschnitt studiert, andererseits habe ich im Bereich der bildenden Kunst gearbeitet und experimentelle Filmarbeiten und Installationen gemacht. Meine Sprache ist auch sehr visuell, lebt stark von Bildern und Atmosphären, die zusammenmontiert ein Ganzes ergeben.

INTERVIEW: MARIANNE FISCHER

Fakten

Thomas Woschitz, geb. 1968 in Klagenfurt.
Studierte am Centro Sperimentale di Cinematografia/Rom bei Lina Wertmüller.

Zahlreiche Einladungen zu Film-Festivals (unter anderem mit "Girls and Cars" in Cannes und mit "Blindgänger - Duds" in Venedig).

Lebt als freier Bildmonteur in Wien und Rom.

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