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Zuletzt aktualisiert: 17.01.2009 um 05:00 UhrKommentare

Das Daniel-Prinzip: "Besser werden, was sonst?"

Erfolgsschriftsteller Daniel Kehlmann über sein neues Buch, den Erfolgsdruck sowie sein Entsetzen und seinen Ekel vor Politikern wie Martin Graf.

Foto © APA

Seit gestern liegt Ihr neues Buch "Ruhm" in den Buchhandlungen? Wie gestaltete sich die Arbeit daran? Spürten Sie eine Art Erfolgsdruck?

DANIEL KEHLMANN: Erfolgsdruck gibt es nur, wenn man ihn sich selbst macht. Wenn man ihn ignoriert, existiert er nicht. So versuche ich es zu halten.

Wie hoch ist denn eigentlich die Startauflage von "Ruhm"?

KEHLMANN: Ehrenwort - das weiß ich nicht. Dafür ist der Verlag zuständig.

Was erwarten Sie sich von "Ruhm"?

KEHLMANN: Ich erhoffe mir die Zustimmung der wenigen Menschen, deren Meinung für mich wirklich zählt. Gegen guten Verkauf habe ich natürlich nichts, aber wenn er ausbleibt, würde ich das nicht als Scheitern sehen.

Eines neues Buch herauszubringen, ist mit kräftiger Begleitmusik verbunden. Können Sie mit dem Rummel gut leben?

KEHLMANN: Für eine Weile, aber dann muss auch wieder Ruhe sein. Ich sehne mich schon nach dem Februar, wenn alles vorbei sein wird.

Wie gelingt es Ihnen eigentlich abzuschalten?

KEHLMANN: Fernsehserien auf DVD. In letzter Zeit "Dexter".

Was ist mit der angekündigten Verfilmung von "Die Vermessung der Welt"?

KEHLMANN: Die kommt schon, aber solche Dinge dauern immer länger, als man denkt. Es würde mich nicht wundern, wenn man in zehn Jahren noch immer in der Organisationsphase steckt. Deshalb wollte ich auch nie im Film tätig sein. Aber früher oder später - meist später - klappt es ja dann immer wieder doch.

Rechne ich Daumen mal Pi die Tantiemen vom millionenfachen Verkauf der "Vermessung der Welt" zusammen, wälzen Sie derzeit wohl das Problem der Kapitalanlage. Wie sehr tangiert Sie die Finanzkrise?

KEHLMANN: Natürlich tangiert sie mich sehr. Auch deshalb, weil im "Worst Case Scenario" das ganze System zusammenbrechen würde und wir wieder zum Tauschhandel und zur Anarchie zurückkehren. So unmöglich ist das nicht, wir wollen es nur nicht gern wahrhaben.

Übermorgen wird der neue US-Präsident Barack Obama angelobt. Wie schaut eine realistische Erwartungshaltung aus?

KEHLMANN: Der richtige Mann am richtigen Ort kann schon eine Menge verändern. Er hat uns ja schon alle überrascht, ich halte es für sehr gut möglich, dass er es wieder tut.

Wegen seiner Mitgliedschaft in der rechtsextremen Buschenschaft "Olympia" haben Sie gegen die Wahl von Martin Graf zum Dritten Nationalratspräsidenten protestiert. Er ist im Amt, zwei seiner parlamentarischer Mitarbeiter haben vor Jahren bei einer Versandfirma Nazimaterial eingekauft. Wie gehen Sie damit um?

KEHLMANN: Mit Entsetzen und Ekel, wie sonst? Denkt man an Graf und seine Partei, gefällt es einem wieder ein bisschen besser in Berlin - oder eigentlich überall, wo nicht Österreich ist.

Öffnet Ihre Prominenz die Ohren von Gesprächspartnern in der heimischen Politik oder wollen Sie bei der nicht einmal anstreifen? KEHLMANN: Bisher gab es keine Kontakte, und das braucht sich eigentlich auch nicht zu ändern.

Journalisten sind nervige Menschen. Kaum liegt frische literarische "Ware" auf dem Verkaufstisch, schon fragen sie neue Projekte ab. Worauf haben Sie derzeit unbändige Arbeitslust?

KEHLMANN: Im Moment habe ich gar keine unbändige Arbeitslust. Das ist ja das Problem.

Sie feierten vor ein paar Tagen Ihren 34. Geburtag. In diesem Alter sind Sie in der beneidenswerten Lage, sich nichts mehr beweisen zu müssen. Der Erfolg der "Vermessung der Welt" lässt sich nüchtern betrachtet nicht toppen. Wo suchen Sie neue Herausforderungen?

KEHLMANN: Ich will künstlerisch besser werden. Bessere Bücher schreiben. Was sonst?

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