"Kultur spielt sich nicht nur in Museen ab"
Für Wilhelmine Goldmann, Kuratoriumsvorsitzende in Salzburg, ist Kultursponsoring eine moralische Verpflichtung. Nächste Woche spricht sie darüber an der Uni Klagenfurt.
Sie waren einst in der ÖIAG für die Privatisierung von Voest & Co. zuständig und zuletzt Vorstandsdirektorin von Postbus AG und ÖBB Personenverkehr AG. Wie kommt eine Wirtschaftsmanagerin zu so viel Engagement in Sachen Kunst und Kultur?
Wilhelmine Goldmann: Ich habe schon als Kind Klavier und Cello gespielt und ein bisschen gesungen. Meine Mutter hat auch Zither gespielt, wie das am Land so üblich war. Später habe ich als außerordentliche Hörerin an der heutigen Musikuniversität Wien Cello studiert. Und ich bin schon immer wahnsinnig gerne in die Oper gegangen.
Wann wurde Ihnen klar, dass Kultur in unserer Gesellschaft einer besonderen Förderung bedarf?
Wilhelmine Goldmann: Vor ungefähr neun, zehn Jahren. Da hat man für einen Opernworkshop Cellisten gesucht. Es ist immer schon ein Traum von mir gewesen, eine Oper zu spielen. Dann haben wir begonnen, jedes Jahr Opern aufzuführen und 2001 den Verein Opernwerkstatt Wien gegründet. Der ist dann immer größer und professioneller geworden. Mit privaten Sponsoren allein war das nicht mehr zu machen. Und da habe ich einfach gemerkt, dass es für Unternehmungen im semiprofessionellen Bereich Grenzen der Finanzierung gibt. Kultur spielt sich halt nicht nur in den großen Theatern oder Museen ab, sondern auch im täglichen Leben. Wenn ein Hauptschullehrer mit den Musikinteressierten seiner Klasse eine Band aufstellen möchte, dann geht´s um ein paar Hundert Euro und die sind dann nicht da. Das find ich traurig. Wenn ich diese Pflänzchen nicht wachsen lasse, können nie Philharmoniker entstehen.
Features
Zur Person
Wilhemine Goldmann, geb. 1948 in Traisen/NÖ; Studium der Wirtschaftswiss. und BWL in Wien.
War in vielen Managementfunktionen tätig, zuletzt als Vorstands-
Vortrag
Referiert am 22. Jänner an der Uni Klagenfurt (HS B, 19 Uhr) über "Kunstsponsoring als moralische Verpflichtung". Eintritt frei.















