Hänsel und Gretel verirrten sich nach Klagenfurt
Märchenhafte Bilder: Rolf Langenfass hat für "Hänsel und Gretel" eine wunderschöne Ausstattung auf die Stadttheater-Bühne gezaubert.
Hänsel und Gretel wohnen in einer heruntergekommenen Wohnwagensiedlung, neben dem entzückenden Knusperhäuschen der Hexe steht ein großer Backofen, der ordentlich kracht, wenn nachgeheizt wird und die Hexe tritt erst als Köchin auf, bevor sie auf einem feuerspeienden Besen über die Bühne fliegt: Rolf Langenfass hat für die Oper "Hänsel und Gretel", die derzeit am Stadttheater Klagenfurt Groß und Klein begeistert, wunderschöne Bilder auf die Bühne gezaubert.
Kindheitstraum. Und er hat sich damit selbst einen "Märchentraum" erfüllt: "Mir hat das Stück schon als Kind riesig gefallen, ich wollte es immer einmal machen", erzählt der Bühnenbildner. Und: "Jeder anständige Mensch mag Märchen, sie sind die dekomprimierte Form der Lebensangst und der Lebenshoffnung".
Realismus. Deshalb war es für den 64-jährigen auch wichtig, dass sich das Märchen aus einer realistischen Situation heraus entwickelt und die Armut nicht verniedlicht wird: "Die Wohnwagensiedlung soll zeigen, warum sich diese armen Teufel nach einer besseren Welt sehnen", so Langenfass, der erstmals vor zwei Jahren die Bühne des Klagenfurter Stadttheaters bespielte: Da wurde Peter Turrinis "Mein Nestroy" als Gastspiel des Theaters in der Josefstadt, dessen technischer Leiter Langenfass ist, gezeigt. Von dort kannte er auch Dietmar Pflegerl, dem er 2006 für den "Graf von Luxemburg" ein opulentes Bühnenbild aus dem Paris der 30er-Jahre auf die Seebühne Mörbisch baute.
Verbandelt. Mit Mörbisch ist Rolf Langenfass bereits seit 16 Jahren verbandelt - und hat noch immer Respekt vor der übergroßen Bühne: "Da muss man den Teig auswalzen, ohne dass er den Geschmack verliert", so der Star-Bühnenbildner, der maßgeblich daran beteiligt war, dass aus der "regionalen Nettigkeit im Schilf" ein Publikumsrenner wurde.
Bühnenbild. 2009 wird bekanntlich auf der Seebühne "My Fair Lady" gespielt, Langenfass hat dafür eine London-Kulisse gebaut, auf der auch die Tower-Bridge nicht fehlt. Mit diesem Bühnenbild tritt er übrigens gegen sich selbst an: Denn an der Volksoper steht derzeit ebenfalls die (ausverkaufte) "My Fair Lady" in einem Bühnenbild von ihm auf dem Programm.
Bindung zu Klagenfurt. Dabei war Langenfass, der auch für die New Yorker Met gearbeitet hat (u. a. 2006 "Don Pasquale" mit Anna Netrebko), in seiner Jugend eher literarisch interessiert: "Mein Bruder galt als der begabtere Zeichner", erzählt er. Also studierte er erst Theaterwissenschaften in München, wechselte aber 1968 nach London, wo er an der "Wimbledon School of Art" Bühnenbild und Kostüm studierte. 1975 holte Rudolf Kutschera den gebürtigen Münchner nach Wien, wo er ein neues Zuhause gefunden hat. Was Klagenfurt betrifft: Er ist hier "privat eng verbandelt". Mehr will er nicht verraten.
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Fakten
"Hänsel und Gretel" am Stadttheater Klagenfurt. Termine bis 19. Feb., 19.30 Uhr.















