Meister wird neuer Chefdirigent des RSO Wien
Der 28-Jährige folgt ab 1. September 2010 auf Bertrand de Billy, der ihn "ab sofort einbinden" wird.

Foto © ORF
Der junge deutsche Dirigent und Pianist Cornelius
Meister wird neuer künstlerischer Leiter des Radio
Symphonieorchesters Wien (RSO). Mit dem 1. September 2010 übernimmt
der 28-Jährige das Pult von Bertrand de Billy, wie der ORF heute,
Freitag, bekanntgab. "Ich würde am liebsten sofort anfangen", freute
sich Meister gegenüber der APA. Das RSO sei weltweit "in einer
besonders günstigen Situation", der Fokus auf zeitgenössischer Musik
soll bleiben. In der Diskussion um Ausgliederung und künftige
Organisationsform hofft Meister, das am Ende "die vernünftigen
Vorschläge übrigbleiben", eine Verkleinerung auf ein Ensemble für
neue Musik ist für ihn "ausgeschlossen".
Karriere. Meister wurde am 23. Februar 1980 in eine Musikerfamilie geboren.
Er studierte Klavier und Dirigieren in Hannover bei seinem Vater
Konrad, bei Martin Brauß und Eiji Oue sowie am Mozarteum Salzburg bei
einem seiner Vorgänger am RSO-Pult, Dennis Russell Davies, und bei
Karl Kamper. Mit 21 Jahren debütierte Cornelius Meister an der
Hamburgischen Staatsoper, mit 24 an der Bayerischen Staatsoper, mit
26 an der New National Opera Tokyo. Die Saison 2009/2010 wird er an
der San Francisco Opera mit einer Neuproduktion von Mozarts
"Entführung aus dem Serail" eröffnen.
Bisherige Engagements. Als Konzertdirigent hat Meister in den vergangenen Jahren schon
viel mit deutschen Radio Symphonie-Orchestern gearbeitet, in
Österreich dirigierte er die konzertante Neuproduktion von Webers
"Oberon" am Tiroler Landestheater Innsbruck und mehrfach das Grazer
Philharmonische Orchester, zuletzt bei seinem Debüt im Wiener
Musikverein 2006. Im Ausland stand er u. a. an den Pulten des
Orchestre de l'Opera national de Paris, des Indianapolis Symphony
Orchestra, des Bournemouth Symphony Orchestra, des BBC Orchestra
Manchester oder des Sinfonieorchester Basel.
Vertrag. Seit September 2005 ist Meister Generalmusikdirektor der Stadt
Heidelberg, sein Vertrag wurde erst im Sommer bis 2012 verlängert,
bis dahin wird er beide Funktionen parallel ausüben. Mit dem RSO
arbeitete der Dirigent, der seit 2006 verheiratet und Vater von
Zwillingssöhnen ist, zum ersten Mal im vergangenen Sommer bei
Aufnahmen von Werken Gottfried von Einems zusammen. Noch vor seinem
Antritt als Chefdirigent wird Meister Ende Mai 2010 ein
Abonnementskonzert des RSO dirigieren, im Sommer 2010 steht die
Neuproduktion der "Fledermaus" im Theater an der Wien an.
Turbulenzen. Meister übernimmt das 1969 gegründete Orchester zu einem
turbulenten Zeitpunkt: Die vom ORF vor allem aus Kostengründen
geplante Ausgliederung des RSO ist in der Vergangenheit auf vehemente
Kritik in der Kulturszene, aber auch im Orchester und bei dem seit
September 2002 amtierenden derzeitigen Chefdirigenten Bertrand de
Billy gestoßen. Auch die Bestellung von Radiokulturhaus-Chefin
Christiane Goller zur Orchester-Managerin wurde von de Billy scharf
kritisiert.
"Gute Basis". Diese "Meinungsverschiedenheiten" zwischen Management und
künstlerischer Leitung sind laut Goller nun allerdings "einer guten
Arbeits- und Gesprächsbasis" gewichen. "Ich schätze de Billy sehr, er
war es, der das Orchester in diese Höchstform gebracht hat", erklärte
sie heute im APA-Gespräch. Was die organisatorische Zukunft des
Orchesters betrifft, habe man Meister zugesichert, "dass die
Rahmenbedingungen für die künstlerische Qualität erhalten bleiben",
eine Verkleinerung des Klangkörpers sei dabei nicht zur Disposition
gestanden. Ob die Ausgliederung im Stiftungsrat im April beschlossen
wird, oder nicht: "Was den Bestand des Orchesters betrifft, gibt es
keinen Zweifel."
Freude. Auch darüber, dass Meister für die Position gewonnen werden
konnte, sei man einstimmig erfreut, so Goller. Sein Repertoire decke
sich mit dem des Orchesters, als Persönlichkeit sei er "mutig und
inspirierend". De Billy sei mit seinem Nachfolger überaus zufrieden
und habe ihm seine größtmögliche Unterstützung zugesichert. "Er ist
ein besonderes Talent, und ich werde ihn ab sofort in den wichtigen
Entscheidungen einbinden", zitierte der ORF de Billy in einer
Aussendung. ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz lobte den künftigen
RSO-Chefdirigenten als "jungen, aber bereits international aktiven,
hoch erfolgreichen und sehr geschätzten Dirigenten mit einer
beachtlichen Erfahrung". Man sei auf dessen Arbeit "mit unserem in
künstlerischer Höchstform befindlichen Orchester schon sehr
gespannt".














