Neujahrskonzert 2009 - Effektvolle Inszenierung
Daniel Barenboims Debüt als Dirigent des Neujahrskonzerts in Wien.

Foto © APA/OrfKleine-Kulturexperte Ernst Naredi-Rainer über Daniel Barenboim
Jubel brandete Daniel Barenboim im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins entgegen. Bei seinem Debüt als Dirigent des Neujahrskonzertes der Wiener Philharmoniker lieferte er sehr effektvolle und entsprechend akklamierte musikalische Inszenierungen ab. Auf der Bestenliste der bislang 14 Dirigenten des Neujahrskonzerts eroberte er damit aber keinen Spitzenplatz.
Weltenbürger.
Der Weltenbürger Barenboim, der seinen Bemühungen um einen Frieden im Nahen Osten auch in seinem Neujahrsgruß Ausdruck verlieh, hat sich neben vielen anderen Musiksprachen auch den Wiener Dialekt angeeignet, ohne ihn jedoch idiomatisch perfekt zu beherrschen. Der bieder und geradlinig gespielten "Annen-Polka" fehlte jeglicher Charme und die großen Walzer-themen hoben unter seiner Stabführung nie vom Boden ab.
Knallige Momente. Seine stärksten Momente hat Barenboim, der auswendig dirigiert, in langsamen und leisen Passagen. Wo die Musik schmissig wird, neigt er dazu, sie knallig werden zu lassen - und heizt damit den Applaus besonders an.
Konzertmeisterin. Die Wiener Philharmoniker, die neben Rainer Küchl mit der Bulgarin Albena Danailova erstmals eine Konzertmeisterin (des Staatsopernorchesters) aufboten, ließen bereits bei der einleitenden Ouvertüre zu "Eine Nacht in Venedig" ihre orchestrale Brillanz aufblitzen, mit der sie vor allem bei den Polkas immer wieder virtuos auftrumpften. Zu Gehör brachten sie ein erstmals ohne den Strauß-Experten Franz Mailer erstelltes, von ihrem Vorstand Clemens Hellsberg bis hin zur Zugabe ungemein beziehungsvoll komponiertes Programm, das bei 19 Nummern sechs Novitäten bot und nicht zuletzt den Auftakt zum Haydn-Jahr mit dem köstlich inszenierten Finale der Abschiedssymphonie mit ungarisch angehauchten Werken der Familie Strauß untermauerte.















