Petar Pismestrovic: Ein Meister scharfer Ironie
Star-Karikaturist Petar Pismestrovic feiert: Vor 40 Jahren hat seine erste Zeichnung das Licht der Öffentlichkeit erblickt. Ein Buch zum Jubiläum.

Foto © Petar Pismestrovic Eine Karikatur aus seinem letzten Buch
Es ist gerade eine Zeit des Abschieds für Petar Pismestrovic: Alfred Gusenbauer und George W. Bush, zwei seiner Lieblingsfiguren, sind ihm abhanden gekommen. "Aber", so tröstet der Karikaturist der Kleinen Zeitung, es kommen laufend neue nach, so ist er schon bestens auf Faymann und Pröll "eingezeichnet". Auch der neue US-Präsident macht ihm viel Freude.
Leserbriefseite.
In seinem Karikaturistenleben ist nun ein Jubiläum angesagt, vor genau 40 Jahren erschien seine erste Karikatur in dem serbischen Sportmagazin "Tempo" - auf der Leserbriefseite. Sein Förderer dort ermutigte ihn aber, weiterzumachen, denn Karikaturen hätten Zukunft.
Königsdisziplin.
Zeichnen war ohnehin sein Leben. Nicht immer zur Freude der Lehrherren in Zagreb nützte der Schlosserlehrling, der daneben für die Abendmatura büffelte, jede freie Fläche in der Werkshalle für seine Porträts. Sie sollten zur Königsdisziplin des heute 57-Jährigen werden. Der Meister der scharfen Ironie verblüfft mit seinem absolut treffsicheren Blick für Physiognomien.
"Meister seines Fachs".
"Unter den zeichnenden Kommentatoren des Landes ist er so etwas wie ein Gesichtsarchitekt. Einer, der aus jedem durchschnittlichen Zeitgenossen eine visuelle Erlebnislandschaft gestalten kann", lobt ihn Star-Zeichner Gerhard Haderer. "Kurier"-Karikaturist Michael Pammesberger sekundiert: "Hier ist ein Meister seines Fachs am Werk." "Guter Zeichner, kluger Kopf", streut auch Gustav Peichl alias "Ironimus" dem Kollegen Blumen.
Tito-Konterfei.
Schon 1974 wagte sich Pismestrovic ganz ungeniert an das Konterfei des damaligen jugoslawischen Präsidenten Josip Bros Tito. Leider war es nur auserkorenen Zeichnern gestattet, den Staatschef zu Papier zu bringen. Es sollte die einzige professionelle Karikatur von PP bleiben, die nie zur Veröffentlichung gelangte. Nunmehr wird das nachgeholt - im neuen Karikaturenbuch. Die Weichenstellung 1986, sich ganz und gar der politischen Karikatur zu verschreiben, vollzog die Jugoslawienkrise: "Ich hatte pötzlich komplette Bilder im Kopf, die heraus mussten", erzählt er.
Neubeginn.
Schließlich vertrieb ihn, seine Frau und die zwei kleinen Buben der Bürgerkrieg aus Kroatien. Der Neubeginn der Familie in Kärnten ist eng mit der Kleinen Zeitung verbunden, Pismestrovic ist seit 1992 ständiger Karikaturist und zählt mittlerweile zu den Stars seiner Zunft. Zweimal wurden seine Arbeiten in den USA zu den besten internationalen Karikaturen des Jahres gewählt und Karikaturen-Festivals brachten ihm fünf erste Preise ein.
"Karikaturen sind das Salz in der Suppe der Politik.", sagt der deutsche Essayist Andreas Dunker. PP schafft es, dass seine Arbeiten den Politikern die Suppe zuweilen sogar versalzen.
Features
Zur Person
Petar Pismestrovic wurde 1951 in Sremska Mitrovica, Serbien, geboren und lebt seit 1991 in Österreich. Nach der Matura studierte er Politikwissenschaft in Zagreb, seit 1970 ist er professioneller Karikaturist, ab 1992 für die Kleine Zeitung.














