"Publikumsbeschimpfung" des klagenfurter ensembles
Da wird es einem hochmusikalisch so richtig hineingesagt: Das klagenfurter ensemble wagte sich an die "Publikumsbeschimpfung" von Peter Handke. Ein achtbarer Abend.
Gefinkelt. Geschickt gemacht. Die Handke-Produktion des klagenfurter ensembles lässt sich recht gefinkelt an. Bevor alle sitzen - die Unbeweglichkeit wird ohnehin zum Bumerang - sind die Besucher bereits Teil der Aufführung. Die ist bekanntlich "kein Drama". Auch "kein Schauspiel" hat Handke definiert. "Hier wird nicht gespielt werden", hört man. Ein "Sprechstück" also, 1966 uraufgeführt, der erste große Erfolg des damals 23-jährigen Schriftstellers. Aussitzen. Wie löste Regisseur Marjan Stikar nun das Problem, dass die Provokation der "Publikumsbeschimpfung" längst keine mehr ist? Er lässt das Publikum die Beschimpfung (s. o.) einfach aussitzen und überlässt den Schauspielern den zeitlosen Text wie eine Partitur. Der Abend schwingt zwischen piano und forte, ist hochmusikalisch, vor allem dann, wenn nicht gesungen wird. Auf der nahezu leeren Bühne wird die Sprache zum Spielmaterial, in Silben zerlegt, durchgekaut, mit "s"-Fehler herumgeführt, übereinander gelegt, gezischt, geflüstert, geschrien, ausgekotzt, oder bloß beim Wort genommen. Unbefangen agiert das Quartett Sissi Noe, Katharina Schmölzer, Hermann J. Kogler und Mihi Kristof, geht vor Publikum das Einmaleins der Schauspielkunst (lachen, weinen, durchdrehen etc.) durch. Anstelle der Angriffslust von einst tritt mitunter Melancholie. Dass der 45 Jahre alte Text die Unzulänglichkeiten der Freien Bühne Kärnten 2008 erklärt, ist eine Extrapointe.















