Gutbürgerlich, gar nicht verkorxxxt und hochkulturell
Egyd Gstättner schenkt Alois Brandstetter zum Geburtstag eine Umarmung.
Auch wenn der Bereich Literatur von Seiten der Literaten problematisch ist, möchte ich heute von einem Schriftsteller erzählen, der nicht nur fast drei Dutzend hochkultureller Bücher geschrieben hat und ein eindrucksvoller Beleg dafür ist, dass ich nicht automatisch Vorbehalte gegen jeden und alles habe, der oder das aus Oberösterreich kommt, sondern der auch so bekannt ist, dass ich seinen Namen gar nicht nennen muss.
Verschiedenen Generationen. Dieser gutbürgerliche Schriftsteller wird demnächst siebzig Jahre alt, aber anders als Thomas Bernhard (der mit den hochkulturellen Büchern!), der gesagt hat, die verschiedenen Generationen hätten einander nichts zu sagen, und sie seien nicht dazu geschaffen, miteinander zu leben, ist er sich weder zu gut, noch zu alt, noch zu hochkulturell, um sich seit Jahren intensiv mit jungen, nämlich 50 Jahre jüngeren Leuten (die doch nicht seine Kinder sind) zu beschäftigen, mit der hiesigen Sprayerszene, in der sich einige am Rande oder jenseits der Legalität bewegen. Manche Existenz ist verkorxxxt.
"King" am Heiligengeistplatz. Der gutbürgerliche Schriftsteller hat ein (hochkulturelles) Buch über die unbürgerlichen Existenzen geschrieben und noch immer - über ein Jahr nach dem Erscheinen - Kontakt mit Ihnen. Unlängst habe er den "King" am Heiligengeistplatz getroffen, erzählte er mir, und der sei "gar nicht gut drauf" gewesen. Er sei ziemlich betrunken gewesen und habe nach Eigenaussage "gerade wieder einen großen Blödsinn gebaut" (den ich hier aber nicht verraten werde. "De regibus nihil nisi bene!", würde der gutbürgerliche Schriftsteller unzeitgemäß sagen).
Bernhard hätte geschaut. So aber seufzte er bloß über den armen Wohlstandsverwahrlosten und fragte ihn: "King, warum wirst du nicht etwas bürgerlicher?" King wusste keine Antwort und zuckte mit den Achseln. Aber bei der Verabschiedung fragte er den über ein halbes Jahrhundert älteren gutbürgerlichen Schriftsteller: "Krieg ich eine Umarmung?" "Aber freilich!", antwortete der Autor, und so umarmte am Heiligengeistplatz der alte, nüchterne Hochkulturelle den jungen dionysischen Subkulturellen. Da hätte Thomas Bernhard geschaut. Lieber (70 Jahre) alter Schriftsteller, fühle du dich deinerseits umarmt von deinem mittelalten Mitschriftsteller!














