Das Spiel um die Kunst
Heimo Zobernig präsentiert im Museum für Angewandte Kunst in Wien "Total Design". Ein kleine Anleitung zum Assoziieren und Interpretieren.
Hinter den sieben Bergen versteckt sich im Museum Angewandter Kunst (MAK) der Saal für Gegenwartskunst. Unten Exponate der Wiener Werkstätten und Beispiele des Jugendstils und dann die Treppe hinauf präsentiert das MAK über Monate hindurch seine "Künstler im Fokus". Diesmal ist der gebürtige Kärntner Heimo Zobernig dran, der mit installativen Interventionen, Werkgruppen aus "billigem" Material, "Total Design" zeigt.
Wechselbeziehungen. Zobernigs theoretischer Ansatz überträgt Fragestellungen aus der Erkenntnistheorie auf die Kunst. Thematisierten ein Wittgenstein oder die Philosophen des Wiener Kreises, was Sprache zu leisten vermag, was über die Welt gesagt werden kann, spielt Zobernig mit den Wechselbeziehungen von Mensch, Raum und Objekt.
Interpretationen. Ein Künstler, der jedes seiner Werke mit dem Titel "Ohne Titel" versieht, öffnet alle Türen zur intellektuellen Auseinandersetzung. Da muss die Interpretationslust aber aufpassen, dass sie beim gegenüberliegenden Fenster nicht gleich wieder hinaus köpfelt.
Sinnvolle Nutzlosigkeit. Wenn man Pressspanplatten zu Regalen zusammen schraubt und sie in einem Kunstraum deponiert, da werden diese alles andere als fälschungssicheren Objekte mit Bedeutung aufgeladen. Es stehen auch drei Spinde herum, (funktionslose) Nachbauten eines Schranks von Kolo Moser. Einen hat Zobernig getischlert, die anderen zwei stammen von Häftlingen eines Schweizer Gefängnisses. Wie ist das mit Original und Urheberschaft? Und wem steht denn das Copyright für jene veränderten Muster zu, die sich daraus ergeben, wenn Ausstellungsbesucher sich im Raum befinden und ihre Anwesenheit und Bewegungen auf Spiegelflächen reflektiert werden und so neue Raumeindrücke ermöglichen?
Nichts für Ernste. Für ironiefreie und bierernste Menschen ist Heimo Zobernig mit seiner ästhetischen Produktion nicht auf der Welt. Aus jedem Eck schaut bei ihm der Schalk heraus. Vor Zobernig wurde in dem MAK-Saal Franz West mit "Sit On My Chair, Lay On My Bed" gezeigt. Ein für die damalige Schau entwickeltes Podest für diverse Westsche Sessel erklärte Zobernig mit dem Hinweis "For Use" kurzerhand zum Kunstobjekt.
Features
Fakten
Heimo Zobernig - Total Design. Künstler im Fokus. MAK-Schausammlung
Gegenwartskunst. Stubenring 5, 1010 Wien. Bis 29. März 2009. Di 10 - 24 Uhr, Mi - So 10 - 18 Uhr.















