Solide Champagnerlaune
Mit viel Sentiment, humorvollen Gags und nicht immer genug Paprika: Das Klagenfurter Stadttheater zeigt eine heftig akklamierte "Gräfin Mariza" von Kálmán.

Foto © Helge BauerGute Stimmung trotz Wirtschaftskrise: Regisseur Köpplinger lässt die Gräfin Mariza (in der Titelrolle: Márta Kosztoányi) zünftig feiern
"Der Hans kriegt sein Gretchen und jeder sein Mädchen, der Hengst seine Stut' - und alles wird gut!" - Mit diesen Worten endet die "Gräfin Mariza" von Emmerich Kálmán am Stadttheater. Der Kammerdiener und diesmal auch Ex-Schauspieler Penizek (Köstlich: Franz Wyzner) liebt es, bevor er "hastig abgeht", solch' Plattes, aber auch so manch verdrehte Klassiker zu zitieren.
Neue Biografien. Aber nicht nur bei dieser Figur hat Josef Ernst Köpplinger, der seine Grazer Inszenierung (2007) mit der beinahe identen Besetzung aufwärmt, tüchtig und gagreich in Text und Handlung eingegriffen. Er hat auch anderen Protagonisten neue Biografien verpasst: So erweist sich Baron Koloman Zsupán (herrlich komisch und sehr gut bei Stimme: Daniel Prohaska) nicht als Gutsbesitzer sondern als gescheiterter Operettenbuffo, die Fürstin Bozena (liebenswert: Gisela Ehrensperger) wird zur erfolglosen Theaterdirektorin, Lisa (passend: Cornelia Horak) wird von der kleinen Schwester des Tassilo zum älteren Fräulein und dessen Freund Karl (ideal: Michael Duregger) zum verkappten Homosexuellen. Und die erste Szene lässt er gleich in einem Nachtclub spielen.
Champagnerlaune. Aber abgesehen von einigen überlangen Dialogen wirken seine neuen Betrachtungsweisen für den Lauf der Handlung bereichernd. Der Intendant zeigt mit Anspielungen an die aktuelle Finanzkrise eine die Wirtschaftskrise ignorierende, feiernde Gesellschaft mit latenter Sehnsucht nach der "guten, alten" Zeit. Er zeigt aber auch den Rassismus gegenüber den "Zigeunern" und den Hass jener gegen den Adel. In seiner sorgfältig ausgefeilten Personenführung gelingt ihm, in einem geschmackvollen, hellen Salon (Rainer Sinell) und eleganten Kostümen (Heidrun Schmelzer) eine passende Mischung aus Sentiment und Humor. Auch bleibt er seinem Stil treu, immer neue Nebenhandlungen zu erfinden, wobei die Putzaktionen, die Ameiseninvasion mit dem merkwürdigen Tanz der Zigeuner sowie der rauchende Traktor entbehrlich erscheinen.
Mangelnde Bühnenpräsenz. Wie schon in der letztjährigen "Lustigen Witwe" ist Márta Kosztolányi eine wenig verständliche und wenig kraftvolle Titelheldin, die zwar ihre Launen zeigt, der es aber an sinnlicher Bühnenpräsenz mangelt. Den verarmten Grafen Tassilo gibt Johannes Chum etwas steif aber mit schönem, kräftigem, in der Höhe ab und zu scharfem Tenor. Homogen singt der Chor (Günter Wallner), blass wirkt Sylvia Rieser (Zigeunerin), solide Torsten Frisch (Fürst Populescu) und Jakob Glashüttner (Tschekko).
Korrdinationsprobleme. Das Kärntner Sinfonieorchester unter dem heftig gestikulierenden Michael Brandstätter, der immer wieder bei der Koordination mit der Bühne eingreifen muss, spielt die einfallsreiche Musik, bei der zahlreiche Striche vorgenommen wurden, mit einigen Unsauberkeiten, aber schönem ungarischen Kolorit, wobei so manche Csárdásrhythmen mehr Paprika vertragen hätten können.
Features
Fakten
"Gräfin Mariza" von Emmerich Kálmán im Stadttheater Klagenfurt
Weitere Termine: 30. Oktober., 2., 4., 9., 14., 16., 19., 22., 26., 28. November. Letzte Aufführung: 3. Jänner 2009
Information und Karten
Tel: (0463)54064
e-mail: kartenkasse@stadttheater-klagenfurt.at
Bewertung
3einhalbsterne














