Wie ich auf den Hund kam
Sein Roman "Hundert Tage" wird hymnisch gelobt. Im steirischen herbst hat sein Stück "Biffy&Wutz" Premiere: Lukas Bärfuss im Gespräch.
Für den steirischen herbst haben Sie das Stück "Biffy & Wutz" geschrieben. In den Hauptrollen: der beißgehemmte Wutz, die freche Biffy und Rado, ein Drecksköter, der gern Revoluzzer wäre. Wie kamen Sie auf den Hund?
LUKAS BÄRFUSS: Als Kind hatte ich einen richtig schlimmen Hund. Einen charakterlosen...
Lump?
BÄRFUSS: Ja, aber er war mein Ein und Alles. Heute ist das Gegenteil der Fall: Ich mag Hunde nicht, weil sie Kinder gefährden, und ich meine zwei immer vor ihnen schützen muss. Aber "Biffy & Wutz" ist selbstironisch zu verstehen. Die Frage nach Weltverbesserung in unserer Gesellschaft hat ja immer auch etwas Luxuriöses, denn das Elend ist ja in der Regel weit weg. Und so bin ich auf den Hund gekommen, weil der ja ständig in einer Form von Knechtschaft lebt.
Aber auf hohem Niveau, wenn man sich allein die hedonistische Werbung für Hundefutter ansieht.
BÄRFUSS: Aber trotzdem sind uns Hunde untertan. In der Schweiz gelten sie immer noch als Sache. Tierquälerei ist dasselbe wie Sachbeschädigung. Und weil ich doch abonniert bin auf die gesellschaftskritischen Stücke, war das Hunde-Stück einmal eine Möglichkeit, die Kritik von einer anderen Seite anzugehen.
Kritik woran?
BÄRFUSS: Am Rebellentum. Oder andersrum: Das Stück ist eine Erklärung, warum wir nicht alle Rebellen sind, und die Welt akzeptieren, wie wir sie vorfinden.
Ist das auch eine Generationsfrage? Sie sind in den 80er-Jahren groß geworden, in einer faden Zeit. Die Revolutionen waren allesamt abgehakt. Hat es sich Ihre Generation da gern bequem gemacht?
BÄRFUSS: Das sehe ich ganz anders. Ich bin in den 80ern in der Schweiz sehr politisiert worden. Dafür gab es umweltpolitische Gründe, aber auch die Frage des gesellschaftlichen Zusammenlebens anhand der Armee. In der Schweiz war die Armee die wichtigste Institution des Landes, 1989 erst gab es eine wichtige Armee-Abschaffungs-Initiative. Und dann die Zeitenwende Ende des Kalten Krieges, der Mauerfall. Ich war eher ein Post-Punk.
Features
Zur Person
Lukas Bärfuss, geb. am 30. Dezember 1971 in Thun (Schweiz)
Karriere: Matura, Buchhändlerlehre, seit 1997 freier Schriftsteller. Erfolgsstück: "Die sexuellen Neurosen unserer Eltern".
Buchtipp: "Hundert Tage", Wallstein Verlag, 20,50 Euro.
Fakten
steirischer herbst: Drei Kurzstücke im Rahmen von "Welt retten": "Biffy & Wutz": Uraufführung am Donnerstag, 23. 10., Dom im Berg.. Karten: (0 316) 81 60 70.
www.oeticket.at















