"Sonny Boys": Berührend und witzig, aber ein wenig verstaubt
Harald Serafin und Peter Weck triumphierten bei der Premiere von "Sonny Boys" im Volkstheater als eitle, ehemalige Bühnenfreunde. Regisseur Michael Schottenberg überließ seinen Stars den großen Applaus.

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Es ist eine perfekte Konstellation: Zwei nach wie vor erfolgreiche Publikumslieblinge, die noch nie miteinander auf der Bühne gestanden sind, spielen zwei heruntergekommene Komödianten, die 43 Jahre gemeinsam erfolgreich waren und nun seit elf Jahren kein Wort mehr miteinander gewechselt haben. Um in einer Nostalgie-Sendung im Fernsehen 10.000 Dollar zu verdienen, müssen sie noch einmal ihre Eitelkeiten überwinden: Mit Harald Serafin und Peter Weck hat das Volkstheater für Neil Simons "Sonny Boys" die ideale Besetzung gefunden, die das Publikum bei der Premiere am Freitag mit viel Applaus würdigte.
Termine im Oktober
18., 19. um 15 Uhr,
21., 28. und 30.10. jeweils um 19.30 Uhr.
Verarmter Komödiant. Ein schäbiges, kaltes Hotelzimmer, ein verarmter, ehemaliger Komödiant. Willie Clark (Peter Weck) verbringt seine Tage im Pyjama, einmal pro Woche besucht ihn sein Neffe Ben (Alexander Jagsch), um ihm die "Variety" zu bringen, Dosensuppe ohne Salz und Zigarren. Er ist auch sein Agent, doch die Aufträge bleiben aus: Beim Werbespot für Chips hat der alte Mann den Produktnamen vergessen, beim Dreh für eine Gillette-Werbung zitterte seine Hand. Dann der Lichtblick: Willie soll sich mit seinem ehemaligen Partner Al Lewis (Harald Serafin) wiedervereinen. Er denkt zwar nicht daran, lässt sich vom Neffen aber zu einem Treffen überreden.
Termine und Tickets
Wechselspiel zwischen Serafin und Weck. Was nun beginnt, ist ein scharfzüngiges, bisweilen auch berührendes Wechselspiel zwischen Annäherung und Ablehnung, das Serafin und Weck mit bestechender Intensität und Liebe zum Detail auf die Bühne bringen. Regisseur Michael Schottenberg hat sich in dieser Inszenierung sehr zurückgenommen, vertraut auf die Kraft des Textes und vor allem auf seine beiden Stars. Im schlichten, verstaubten Bühnenbild von Hans Kudlich lässt er die beiden Charaktere aufeinanderprallen, verleiht ihnen liebevolle Macken und zeichnet ein schonungsloses Bild männlicher Eitelkeit, der Verwundbarkeit im Alter und des ewigen Strebens nach Glück. Jagsch als Neffe fungiert als treibende Kraft, als Mischung zwischen verzweifeltem Agenten auf der Suche nach Erfolg und gutmütigem Verwandten, der an die Freundschaft zweier Männer glaubt, die doch so lange gemeinsam erfolgreich waren.
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Überraschender Serafin. Die große Überraschung des Abends ist Harald Serafin. Der für seine ausschweifenden, vor Witz sprühenden (und lauten) Reden bekannte Intendant der Seefestspiele Mörbisch, der "Mister Wunderbar" der "Dancing Stars"-Generation, überzeugt als gebrochener, durchaus reuiger alter Mann, der mit den Jahren gutmütig geworden und bereit ist, die alten Grabenkämpfe zu beenden. Dabei ist Serafin stets der stillere Part der beiden Akteure, ja lässt sich von seinem Widerpart Weck so einiges gefallen. Weck lässt sich voll und ganz auf seine Rolle des von Wehwehchen geplagten, eitlen Willie ein, der mit seiner Arroganz seinen letzten Funken Stolz zu verteidigen sucht.
Publikum begeistert. So ist es ein Erlebnis, diese beiden großen Schauspieler gemeinsam auf der Bühne zu erleben. Über weite Strecken des zweieinhalbstündigen Abends verschluckt das herzliche Lachen des Publikums so manchen Dialog, der mit Bravos durchsetzte Schlussapplaus würdigte die beiden Hauptdarsteller zurecht. Dass der Applaus für Regisseur Schottenberg da ziemlich unscheinbar ausfiel, mag am Gelingen des großen Ganzen liegen, dem Schottenberg zu keiner Zeit seinen Stempel aufdrückte. Das ist ganz in Ordnung so, aber ein wenig Mut, diesen Klassiker an einigen Stellen aufzubrechen, hätte den Erfolg sicher nicht geschmälert.
Features
Sonny Boys
von Neil Simon;
mit Harald Serafin, Peter Weck, Annette Isabella Holzmann, Johanna Mertinz, Alexander Jagsch, Viktor Krenn, Christoph F. Krutzler und Thomas
Meczele.
Regie: Michael Schottenberg.















