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Zuletzt aktualisiert: 13.10.2008 um 20:48 UhrKommentare

"Man fühlt sich so richtig besudelt"

Polizist und Bösewicht: Julian Weigend (37), bekannt aus Film und Fernsehen, über seine Monsterrolle als Mozart-Antagonist Salieri am Klagenfurter Stadttheater.

Die Leute können sich gar nicht vorstellen, wie hart unser Beruf ist", erzählt Julian Weigend mit noch leicht angeschlagener Stimme. Bei der Berliner Funkausstellung musste der "Schimanski"-Assistent erst kürzlich 800 Autogramme geben, vor ebenso vielen Fans hätte er nun in Klagenfurt beinahe seinen Supergau als Schauspieler erlebt.

"Ein Albtraum". "Ich konnte am Tag der Premiere fast nicht reden, es war ein Albtraum", erinnert sich der 37-Jährige mit Schaudern an seine Kehlkopfentzündung vor der "Amadeus"-Premiere. Dass es am Ende dennoch großen Jubel gab, schreibt der gebürtige Grazer "etlichen Stimmschutzengeln" zu, die ihn zweieinhalb Stunden durch die Monsterrolle des "Salieri" getragen hätten.

Polizist und Bösewicht. Dem "Salieri" verdankt Julian Weigend in gewisser Weise seine Karriere als Fernsehkommissar. Vor mehr als zehn Jahren spielte er den Anti-Mozart in einer Inszenierung von Josef Ernst Köpplinger in Berlin. Götz George, der ihn damals sah, engagierte ihn bald darauf für den ersten "Schimanski", dem noch neun weitere "Tatorte" folgen sollten. Seither kam der mit einer Opernsängerin liierte Wahl-Berliner in zahlreichen Filmproduktionen zum Einsatz, meist als Polizist und Bösewicht, seltener als "jugendlicher Liebhaber", wie er es nach Ende seiner Grazer Schauspielausbildung eigentlich erwartet hatte. "Viele sagen, ich hätte etwas Abgründiges in meinem Gesicht, etwas kinskimäßiges", glaubt Weigend einen Grund für seine "Schubladisierung" zu kennen.

Dem Image des Bösewichts bleibt der Mime auch in seinem Österreich-Debüt am Stadttheater treu. "Salieri ist ein bigotter Komponist, der mit Gott einen Pakt geschlossen hat: Er lebt in Tugend, möchte dafür aber der beste sein. Nun kommt einer wie Mozart daher, der genau verkehrt herum lebt und trotzdem geniale Musik schreibt", erläutert Weigend den Grundkonflikt in Peter Shaffers Tragi-Komödie.

Eine "Zerreißprobe". In ihr wechselt der Schauspieler ständig zwischem jungem und altem Salieri, für Weigend eine "Zerreißprobe", die durch die Widerwärtigkeit der Figur, die auch noch "menschlich gespielt werden soll", zusätzlich gesteigert wird. Weigend: "Ich bin am Tag nach der Vorstellung völlig groggy, weil das so viel Energie fordert. Alles, was Salieri spricht: es geht permanent um Neid und Mobbing. Man fühlt sich danach so richtig besudelt".

Gewissheit, dass er dieser Herausforderung bis Ende November gewachsen sein wird, geben ihm seine "tollen Mitspieler", aber Regisseur Köpplinger, an dem Weigend vor allem die "visuelle Intelligenz" und sein "besonderes Gespür für Talente" bewundert.

Wegen der "wunderschönen Erfahrungen" in Klagenfurt möchte der viel beschäftigte Schauspieler auch nächstes Jahr wiederkommen. "Eine Klassikerrolle wird´s sein", deutet Weigend an, möglicherweise sogar eine von jenen, die er "unbedingt einmal spielen" möchte: Hamlet, Franz Moor, Don Carlos und Edmund in "Eines langen Tages Reise in die Nacht" von Eugene O´ Neill, über den Weigend einst seine Magisterarbeit geschrieben.

Intensiv leben. Wofür er sich wohl entscheiden würde, hätte er die Wahl zwischen einem kurzen Leben als Genie und einem langen im Mitelmaß? Weigend muss nicht lange überlegen: "Da würde ich natürlich Ersteres wählen. Ein Georg Büchner ist sogar mit 21 gestorben. Natürlich ist es nicht erstrebenswert früh zu sterben, aber ich möchte intensiv leben.

ERWIN HIRTENFELDER

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