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Zuletzt aktualisiert: 09.10.2008 um 18:30 UhrKommentare

Nobelpreis-Reaktionen: Überraschung und Befremdung

Die Zuerkennung des Literaturnobelpreises an den französischen Autor Jean-Marie Gustave Le Clezio ist auf große Überraschung gestoßen. Die meisten Stimmen äußerten sich positiv, es gab aber auch Kritik an der Entscheidung.

Reaktionen der Kritiker

Foto © ReutersReaktionen der Kritiker

Der deutsche Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki gibt sich enttäuscht: "Ich habe mich mit ihm nie ernsthaft beschäftigt." Auch die Literaturkritikerin Sigrid Löffler hat sich überrascht und befremdet über den Nobelpreis für den Franzosen J.M.G. Le Clezio gezeigt. Im Sender MDR Info sprach sie am Donnerstag von einer "einigermaßen bizarren Wahl". Le Clezios Romanen bescheinigte Löffler "Monotonie und Langweiligkeit". Das habe viele Leser und auch sie selbst immer abgeschreckt. Löffler verwies darauf, dass seit 1985 kein Franzose mehr den Literaturnobelpreis gewonnen habe, und vermutete: Die Entscheidung müsse "etwas mit der französischen Literatur zu tun haben".

Verlage. Le Clezio sei zwar seit 40 Jahren im Geschäft, "vagabundiert aber durch die Verlage und hat jedes Buch in einem neuen Verlag", sagte Löffler. Das bedeute auch, "dass die Verlage mit ihm und mit seinen Verkäufen nicht sehr glücklich geworden sind".

Sehr verspäteter Romatiker"Le Clezio sei ein "sehr verspäteter Romantiker", meinte die Kritikerin. "Er hat eine ziemlich natur-mystische Denkweise, die stille Betrachtung von Naturschönheit liegt ihm, glaube ich, mehr als irgendwelche gesellschaftlichen Befindlichkeiten. Das ist in unserer Zeit, in unserer Literatur, schon etwas befremdlich." Der frisch gebackende Staatspreisträger Josef Winkler erfuhr unmittelbar nach seiner Ehrung von der APA von der Zuerkennung des Literatur-Nobelpreises an Jean-Marie Gustave Le Clézio. "Vor Jahrzehnten hab ich mich mit der französischen Moderne beschäftigt", so Winkler, der als junger Leser "sehr beeindruckt" von Le Clezio war.

Winkler beeindruckt. Der frisch gebackende Staatspreisträger Josef Winkler erfuhr unmittelbar nach seiner Ehrung von der APA von der Zuerkennung des Literatur-Nobelpreises an Jean-Marie Gustave Le Clézio. "Vor Jahrzehnten hab ich mich mit der französischen Moderne beschäftigt", so Winkler, der als junger Leser "sehr beeindruckt" von Le Clezio war.

Freude. Dass nun "einer, für den die Sprache, der Stil, die Form eine große Rolle spielt, den Nobelpreis erhält, freut mich natürlich sehr", meinte der Autor, der in seiner heutigen Dankesrede zum Österreichischen Staatspreis für Literatur unter anderem die Unterhaltungsliteratur kritisiert hat. "Das ist Literatur: Wenn jemand die Sprache zum Thema hat, wenn der Klang das Allerwichtigste ist", so Winkler zur APA. "Was mich nicht interessiert, ist die Mitteilungsliteratur."

Überraschung. Für den Literaturwissenschafter Alfred Noe vom Institut für Romanistik der Universität Wien ist die Entscheidung für Le Clézio "überraschend" aber auch "konsequent". Mit Claude Simon habe zuletzt ein Vertreter des Nouveau Roman den Preis nach Frankreich geholt, auch Le Clezio stehe in dieser Tradition: "Er hat den Nouveau Roman weiterentwickelt, ist aus seinen rein formalen Grenzen ausgebrochen", so Noe gegenüber der APA. Der "Sprachästhet" Le Clézio verstünde "Literatur nicht im naturalistischen Sinne, seine Vorstellungen sind noch sehr stark ästhetisch orientiert". Die Entscheidung der Akademie sei vor allem in dem Sinne verständlich, "dass er der letzte große Vertreter dieser Schule" ist. Auch in Frankreich selbst sei Le Clezio jedoch alles andere als ein Massenphänomen: "Das ist Intellektuellen-Literatur für Ausgewählte."




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