Erste Che-Guevara-Büste Europas in Wien enthüllt
Häupl, Blecha und andere Anhänger huldigten dem Revolutionär in Wien, Proteste gab es dagegen von FPÖ und ÖVP.

Foto © APAAlfred Kohlbacher (Initiative fuer das Denkmal) und Wiens Bürgermeister Michael Häupl bei der Enthüllung
Real existierender Sozialismus im Wiener Donaupark: Bei trübem Wetter hatten sich am Donnerstag zahlreiche Anhänger Che Guevaras versammelt, darunter Wiens Bürgermeister Michael Häupl (S), SP-Sozialminister Erwin Buchinger und Stefan Weber von Drahdiwaberl. Es galt, die erste Büste des kubanischen Revolutionärs in einer europäischen Stadt zu enthüllen. Mit grabesschwerer Stimme erinnerte SP-Pensionistenchef Karl Blecha an den heutigen 41-jährigen Jahrestag der Ermordung des Revolutionärs: "In seinem Denkmal hier lebt Che weiter."
Fakten
Neben Che Guevara finden sich im Donaupark bereits Denkmäler für den Freiheitskämpfer Simon Bolivar und den ehemaligen chilenischen Präsidenten Salvador Allende.
Verkannt? Leider sei dieser oft verkannt und falsch interpretiert worden, obwohl er seinen Idealen stets treugeblieben sei. "Wir wollen einem der außergewöhnlichsten Menschen der vergangenen 100 Jahre auch in Wien ein Denkmal setzen", erinnerte Blecha an den Revolutionär, den er 1965 in Algier leibhaftig erleben durfte. Che Guevara habe auf seiner Mütze nur einen Stern getragen, den Armen jedoch die Sterne vom Himmel geholt. Zugleich pries Blecha Michael Häupl, der Seite an Seite mit den Denkmal-Initiatoren marschiert sei.
Mensch. Der Bürgermeister zeigte sich vornehmlich von der 70 Zentimeter hohen Che-Bronzebüste der Künstlerin Gerda Fassel begeistert, "die unser Wissen und unsere Gefühle optimal umgesetzt hat". Die Behauptung, Che sei ein Mörder gewesen, sei heute genauso falsch wie vor 41 Jahren: "Er war ein Mensch." So sei auch das Bekenntnis zum Denkmal keine Relativierung von Werten, denn Sozialismus sei ohne Freiheit nicht denkbar, und man müsse Solidarität mit den Unterdrückten der Welt üben.
Kuba-Vertreter. "Ich hoffe, Sie tragen ein kleines Stückchen Che Guevara in Ihrem Herzen mit nach Hause", grüßte Häupl die Anwesenden, darunter vornehmlich Altersgenossen Che Guevaras und die diplomatischen Vertreter Kubas, der Dominikanischen Republik, Ecuadors und Argentiniens. Zum Abschluss der Feier stimmte die Formation "Cuba Si" das berühmte "Comandante Che Guevara" an, wenn auch eher in gemächlichem Tonfall.
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Fakten
Die Initiative für das Wiener Che-Projekt kam von der Österreichisch-Kubanischen Gesellschaft, wobei von einem Prominentenkomitee unter Beteiligung Elfriede Jelineks und des jüngst verstorbenen Germanisten Wendelin Schmidt-Dengler 28.000 Euro gesammelt wurden.

















