"Der Mann aus dem Fegefeuer"
Buch über Frauenmörder Jack Unterweger: Diskussion mit Zeitzeugen 14 Jahre nach dem Prozess.

Foto © APA
Zuletzt hat man so viele Menschen im Wiener Schwurgerichtssaal beim Bawag-Prozess gesehen, bunt gemischt war das Völkchen Dienstagabend, vom Star-Anwalt bis zum "Cadillac-Freddy", einem bunten Splitter der halbseidenen Wiener Gockelszene. Der Anlass für dieses ungewöhnliche Treffen? John Leake, ein sympathischer Texaner ohne Cowboyhut und Colt, hat ein Buch über Jack Unterweger geschrieben. In englischer Sprache ist es bereits erschienen, die "New York Times" lobte die "bewundernswert detaillierte" Darstellung dieses Falles. Jetzt kam das Buch im Residenz-Verlag auf Deutsch unter dem Titel "Der Mann aus dem Fegefeuer" heraus.
Diskussion.
John Leake hat Ernst Geiger, den einstigen Leiter der Unterweger-Sonderkommission, Gerichtspsychiater Reinhard Haller und die Unterweger-Vertraute Astrid Wagner zu einer Diskussion in den geschichtsträchtigen Wiener Gerichtssaal gebeten.
Für Haft zu prominent.
14 Jahre nach dem Schuldspruch wegen neunfachen Mordes wird Jack Unterweger lebendig wie eh und je. "In Wien war es damals nicht möglich, das Verfahren gegen Unterweger einzuleiten", erinnert sich zum Beispiel Ernst Geiger, "man hatte Angst vor der Prominenz des Verdächtigen. Die Grazer waren da nicht so zimperlich und stellten den Haftbefehl aus." Die Anwältin Astrid Wagner begleitete Unterweger damals "aus menschlichem Interesse", wie sie sagt. "Nur weil einer ein Strizzi ist, muss er noch kein Mörder sein", betont sie unter tobendem Applaus von "Cadillac-Freddy". Und Reinhard Haller, der die Zurechnungsfähigkeit des Frauenmörders
überprüfen sollte, gibt zu bedenken, dass ein Kriminalfall eigentlich nur dann abgeschlossen werden kann, wenn er durch ein Geständnis des Täters untermauert wird. Ein solcher Gedanke ist Anlass zum vertieften Grübeln.
Manipulative Kraft.
Einig sind sich aber alle über die manipulative Kraft von Jack Unterweger, der sich bekanntlich wenige Stunden nach dem Urteil erster Instanz in seiner Zelle erhängt hat. Haller spricht sogar vom "Charme des Psychopathen. Das hat keiner so unter Beweis gestellt, wie er."
DNA-Analyse und Täterprofil.
Und was bleibt? Ganz sicher eine beachtliche Qualitätssteigerung in der täglichen Polizeiarbeit, Stichwort DNA-Analyse und Täterprofil. Diese Gebiete steckten damals noch in den Kinderschuhen. Und sonst? Die Bestätigung über die Kraft der Manipulation auch über den Tod hinaus. Warum sonst sind so viele Menschen in den Schwurgerichtssaal gekommen?
Das Buch
Amerikanische Zeitungen loben dieses Buch als "unglaublich spannend, hemmungslos direkt und genau". Der Grazer Schriftsteller Clemens Setz hat die 400 Seiten für den Residenz-Verlag ins Deutsche übersetzt und tatsächlich ist damit ein überraschendes Leseabenteuer gelungen. Leake recherchierte mehrere Jahre und fand Details heraus, die bisher noch nicht bekannt gewesen sind.















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