Wrabetz: "Ich bin da ganz gelassen"
ORF-General Alexander Wrabetz über Verurteilungen, Quoten, Filme und Mitternachtstermine.

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Dienstagabend präsentiert der ORF seine Programmvorhaben für die nächste Zeit. Für mehr Aufsehen hat in den letzten Tagen ein nicht gesetzeskonformes Online-Konzept gesorgt. Dessen Autor, Walter Meischberger, behauptet, vom ORF damit beauftragt worden zu sein, dort bestreitet man das entschieden.
Herr Generalirektor, der ehemalige Stiftungsrat und jetzige Agenturchef Walter Meischberger nennt sie via APA "ein Weichei". Akzeptieren Sie das so einfach?
ALEXANDER WRABETZ:Er hat es eine Weichei-Aktion genannt, wir haben ohnedies geantwortet.
Aber er behauptet ja auch, vom ORF damit beauftragt worden zu sein, warum klagen Sie nicht auf Unterlassung?
WRABETZ: Wir haben über seine Ideen und Vorschläge geredet, aber formeller Auftrag war es keiner. Das reicht ja wohl.
. . . und es ist kein Geld geflossen?
WRABETZ: Nein, garantiert nicht.
Der ORF ist einmal mehr wegen unlauteren Wettbewerbes verurteilt worden, wann halten Sie sich endlich an die Regeln?
WRABETZ: Da das Gesetz in manchen Teilen etwas unklar formuliert ist, mussten wir die Grenzen ausloten, an die wir uns dann aber halten. Außerdem haben die Verurteilungen abgenommen.
Sie übernahmen den ORF mit einem Marktanteil von 42 Prozent, jetzt halten Sie bei unter 40.
WRABETZ: Im bisherigen Jahresschnitt liegen wir bei 39,7 Prozent. . .
. . . und das reicht Ihnen?
WRABETZ: Nein, wir kämpfen um jedes Zehntelprozent, aber der Wettbewerb hat sich verschärft. Außerdem programmieren wir deutlich öffentlich-rechtlicher, das kostet natürlich Quote.
Löblicherweise bringen Sie zur Wahl erstmals Sendungen, in denen Schüler Fragen stellen dürfen - und strahlen diese ab 23.30 Uhr aus, das ist doch eine bittere Lachnummer!
WRABETZ: Wir wissen, dass die Hälfte der 16- bis 30-Jährigen um diese Zeit ganz gern fernsieht, überdies wiederholen wir das Programm am nächsten Tag um jeweils 15.30 Uhr. Außerdem ist es sofort auf orf.at abzurufen.
Rund um Österreichs sensationellen "Oscar"-Sieg haben Sie Stefan Ruzowitzkys Filme nach Mitternacht gesendet, auch kein Grund zum Lachen oder Ärgern?
WRABETZ: "Die Fälscher" werden demnächst im Hauptabendprogramm kommen, Robert Dornhelms "La Bohème" ebenfalls. Zudem gibt es zahlreiche von uns mitproduzierte TV-Filme schon bisher um 20.15 Uhr.
Der ORF hatte eine Doku über die Kronen Zeitung mitfinanziert, ausgestrahlt hat sie nur arte. Im Zuge der gegenwärtigen Diskussionen wäre sie hoch aktuell.
WRABETZ: Es war die Entscheidung der vorhergehenden Geschäftsführung, den Film nicht zu zeigen, und jetzt ist er nicht mehr aktuell, zumal ja ein mittlerweile verstorbener Bundespräsident darin ausführlich vorkommt. Fragen, die jetzt von der Öffentlichkeit gestellt werden, kommen darin überhaupt nicht zur Sprache. Auch ist es nicht unsere Aufgabe, Wahlkampf zu machen.
Wann wird es für ORF-Mitarbeiter einen einheitlichen Kollektivvertrag geben, den der Rechnungshof mehrfach einmahnte?
WRABETZ: Ein Vorschlag liegt seit Juni beim Betriebsrat, wir erwarten im Oktober die Antwort.
Wie hoch schätzen Sie Ihre Chance ein, eine neue Regierung als ORF-Direktor zu überleben?
WRABETZ: Ich bin bis 2011 bestellt und glaube, dass wir den großen Herausforderungen bisher ganz gut begegnen, deshalb sehe ich da jeder neuen Regierungskonstellation ganz gelassen entgegen.















