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Zuletzt aktualisiert: 04.09.2008 um 09:32 UhrKommentare

Schlingensiefs neue Pläne

Nach seinen Ausflügen in die Opernwelt zieht es den Regisseur wieder an das Wiener Burgtheater.

Foto © AP

Der "Parsifal"-Regisseur Christoph Schlingensief (47) freut sich nach seinen Erfahrungen in Bayreuth, Manaus und Berlin auf weitere Arbeiten in der Opernwelt, in die die Bildende Kunst seiner Auffassung nach generell stärker als bisher eingebunden werden sollte. Seine nächsten Pläne sind Arbeiten bei der RuhrTriennale im September und am Wiener Burgtheater im März 2009. Aber auch eine Intendanz am Schauspielhaus Bochum, dem Berliner Ensemble oder einem anderen spannenden Ort könne er sich vorstellen, sagte der frühere "Hausregisseur" von Frank Castorfs Berliner Volksbühne in einem Gespräch mit der dpa.

Längere Pause. Nach einer längeren Pause meldet sich Schlingensief jetzt bei der RuhrTriennale im Landschaftspark Duisburg-Nord mit einem "Fluxus- Oratorium" mit dem Titel "Eine Kirche der Angst vor dem Fremden in mir" zurück. Premiere ist am 21. September. Dabei wird in einer Halle die Kirche seiner Kindheit aus der unmittelbaren Nachbarschaft nachgebaut. Schlingensief wuchs in Oberhausen auf. Der Regisseur knüpft damit an sein früheres Projekt "Kirche der Angst" an und verarbeitet dabei sowohl seine Erfahrungen mit der Kirche als auch seine Krebserkrankung, über die er jetzt zum ersten Mal auch öffentlich spricht.

Lebensfreude ist zurück. "Das Fremde in mir war vor allem, dass ich zunächst nicht fassen konnte, warum mir das zustößt, und ich zunächst nach einer Schuld bei mir selbst suchte." Jetzt gehe es ihm wieder gut und er habe große Lust zum Arbeiten und auch entsprechende Angebote, unter anderem vom Wiener Burgtheater. "Es macht wieder Spaß und ich habe eine große Lebensfreude, auch wenn mich noch immer sehr viele Dinge bedrängen und viele fragen an Gott, ans Leben, an das Leidwesen unseres Menschsein entstanden sind, die ich mir sonst nie gestellt hätte."

Krankheit als Erfahrung. Die Ärzte hätten ihm geraten, seine Erfahrungen mit der Krankheit aufzuschreiben. Er habe es aber vorgezogen, dem Theaterraum, dem Film und vor allem der Oper treuzubleiben. "Das, was ich erlebt habe, ist vielleicht so etwas, wie ich mir teilweise einen Krieg oder ein Gefangenenlager, in christlicher Weise die Vorhölle vorstelle. Es relativiert sich vieles im Leben, auch im Kunstbetrieb."

Bayreuth-Erfahrung. Er wolle seine Bayreuther Jahre mit der vieldiskutierten "Parsifal"-Inszenierung mit der Assistentin Katharina Wagner nicht missen, betont Schlingensief. "Ich bin froh, dass ich das gemacht habe, bei allem Ärger, den es auch gab. Sicher hat mich auch die enge Beschäftigung mit der ständigen Todesnähe im Parsifal-Stoff in vielerlei Hinsicht auf Gedanken gebracht, die ich besser nicht gedacht hätte. Mir erschien es aber damals wichtiger in die Tiefe zu gehen als auf Oberfläche oder Aktualisierung zu setzen. Für mich war der "Parsifal" ein Weltabschiedswerk und das habe ich sehr ernst genommen. Vielleicht zu ernst."


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