Neues Museum mit Nitsch-Kunst im Schatten des Vesuvs
Am 29. August wird Hermann Nitsch 70. Das größte Geburtstagsgeschenk ist ein weiteres eigenes Museum - in Neapel. Am 13. September öffnet das "Museo Archivio Laboratorio" in der süditalienischen Metropole die Pforten.

Foto © APAKünstler, der polarisiert: Hermann Nitsch
Im Gegensatz zu Wien, dessen "Ruf einer Theaterstadt ich nie habe verstehen können", und Niederösterreich, wo "meine Arbeit innigst mit der Landschaft des Weinviertels verbunden ist", kommt Neapel in der neuen Zitatensammlung "Blut in den Mund" nicht vor.
Nitsch-Metropolen. In einer etwaigen Neuauflage könnte sich das ändern. Bella Napoli ist ab 13. September neben Mistelbach die Nitsch-Metropole Nummer 2. Oder 1. Denn das "Museo Archivio Laboratorio per le Arti Contemporanee Hermann Nitsch" schickt sich an, international als multifunktionale Weihestätte für das Werk des österreichischen Aktionisten und Schöpfer des Orgien Mysterien Theaters Furore zu machen.
Über Piazza Dante. Aus dem Ende des 19. Jahrhunderts errichteten E-Werk Stazione Bellini über der Piazza Dante hat Architekt Rosario Boenzi auf 1800 Quadratmetern untergebracht, was der Name besagt: Museum, Archiv, das der Nitsch-Forschung dient, und Laboratorium, in dem Kunst produziert werden soll. Von jungen Künstlern, die mit Hilfe von Stipendien vor Ort kreativ werden können.
Riechen und Schmecken. Das Museum ist als "Erlebnisraum" konzipiert. Neben Nitsch-Werken in "fester" Form stehen für Besucher Geruchs- und Geschmacksproben bereit. Etwas andere Mittel, um in den künstlerisch-philosophischen Kosmos des Aktionisten vorzudringen. Ermöglicht hat das alles Giuseppe Morra, Mäzen, Galerist und seit vielen Jahren der passionierteste aller Nitsch-Sammler.
Ideal entsprochen. Seit 40 Jahren steckt der Neapolitaner außerdem "meine Energien in die kulturelle Entwicklung meiner Stadt". 1992 rief er die Fondazione Morra ins Leben, die sich der Förderung nicht nur bildender Kunst, sondern auch von Film, Musik und Literatur verschrieben hat. So gesehen ist Hermann Nitsch ein Künstler, welcher der Programmatik Morras ideal entspricht.
Features
Steckbrief
Hermann Nitsch wurde am 29. August 1938 in Wien ge-
boren. Der Schütt- und Aktionskünstler wurde vor allem durch seine Schüttbilder aus menschlichem oder tierischem Blut und Exkrementen bekannt und zählt zu den umstrittensten Künstlern. Seit 1971 veranstaltet Nitsch auf dem von ihm erworbenen Areal des Schlosses Prinzendorf regelmäßig seine "Orgien-Mysterien-Spiele".















