Buch-Skandal wirft Fragen auf
Der New Yorker Verlag Random House zieht islamkritischen Roman zurück.

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Die Journalistin Sherry Jones schrieb die Geschichte von Aisha, der sechsjährigen Ehefrau des Propheten Mohammed. Der Roman sollte dieser Tage unter dem Titel "The Jewel of Medina" in New York erscheinen. Doch der Großverlag Random House - eine Bertelsmann-Tochter - hat das Buch nun zurückgezogen, nachdem die Autorin für das Manuskript bereits 100.000 Dollar (aktuell 67.000 Euro) bekommen hatte.
"Heilige Geschichte".
Die Verlagssprecherin Carol Schneider gab als Begründung an, in einer spannungsreichen Zeit wie dieser sei es nicht ratsam, diesen Roman zu publizieren. Sherry Jones habe die "heilige Geschichte" der Beziehung zwischen dem Propheten Mohammed und Aisha zu einem Softporno gemacht. Letztlich sei das eine Kriegserklärung an alle Muslime.
Alarmglocken.
Das wirft Fragen auf: Haben denn bei den Lektoren, die den Roman Seite um Seite zu prüfen hatten, keine Alarmglocken geläutet? Oder gab es etwa gar kein Lektorat? Das Buch war bereits im Andruck, das Management hatte sein Erscheinen also längst abgesegnet. Der Skandal war ganz spät ins Rollen gekommen, als Random House die texanische Assistenzprofessorin für Islamische Geschichte, Denise Spellberg (Austin), um ein Vorwort für das Buch bat. Spellberg war entsetzt über den Inhalt des Romans, sie bezeichnete ihn als "historisch falsch, hässlich und dumm". Nun erst zog der renommierte Verlag die Notbremse.
Marktschreierisch.
Ganz offensichtlich wollte Random House einen schnellen marktschreierischen Erfolgstitel, womöglich träumte man schon von sprudelnden Einnahmen durch die Weitergabe der Verfilmungsrechte. Die dünne Personaldecke und die Überlastung der Mitarbeiter taten ein Übriges. Wahrscheinlich ist das Manuskript nicht fachgerecht geprüft, sondern nur durchgereicht worden. Wollte Random House allerdings aus literarischer Überzeugung den Roman veröffentlichen, ist der Rückzieher noch ärgerlicher. Dann ist die Autorin verprellt und die Werbung verpufft. Am schlimmsten aber: Man hätte sich von der eigenen Courage, der Freiheit des Wortes verabschiedet.















