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Zuletzt aktualisiert: 23.07.2008 um 14:19 UhrKommentare

"Schimanski" oder "Totmacher": Götz George wird 70

Der "ewige Junge" mit der "brüllenden Vitalität" und der "kindlichen Gutmütigkeit" feiert heute seinen 70. Geburtstag.

Foto © APA

Das Alter war für Götz George "nie ein großes Thema" und auch nach seiner jüngsten Herzoperation oder dem schlimmen Badeunfall vor Sardinien fühlt er sich noch immer gut in Form. "Alt werde ich, daran gibt es nichts zu deuteln, ich muss eben meine Kondition so gut wie möglich halten, und das klappt", meinte George in einem dpa-Gespräch. Auch an seinem 70. Geburtstag, den er am Mittwoch (23. Juli) eher widerwillig feiert und wohl wieder flüchten wird, weil er runde Geburtstage wegen "des Rummels drumherum" nicht ausstehen kann, ist der Sohn des großen Schauspieler-Paares Heinrich George und Berta Drews hungrig nach neuen Rollen und Aufgaben.

Veritabler Schauspielstar. Dabei hat "Putzi", wie ihn seine Mutter ein Leben lang nannte, sein Klassenziel längst erreicht, Kritiker nennen Götz George "einen der wenigen, veritablen Schauspielerstars" in Deutschland. Der aber in seinem Leben nach eigenen Worten auch "immer sehr allein" war, der es "irrsinnig schwer" gehabt und es sich auch selber schwer gemacht habe, der es sich abgewöhnt hat, anderen Menschen zu vertrauen - und der auf die Frage, ob es im Leben überhaupt dauerhafte Beziehungen gibt, nach nunmehr 70 Jahren antwortet: "Nee, das war in meinem Leben nie sehr vordergründig", er sei auch mit sich selbst "eigentlich ganz zufrieden". Für sich selbst schreibt er auch seit 30 Jahren Tagebuch ("Jeden Tag eine Seite, mehr habe ich nicht zu sagen"), die nach seinem Willen aber irgendwann vernichtet werden sollen.

"Mit dem Leben gespielt" "Mit dem Leben gespielt" ist der doppeldeutige Titel der in diesem Frühjahr erschienenen George-Biografie von Torsten Körner (Scherz Verlag), an der der Schauspieler aktiv mitwirkte. Auf seine Arbeit bereitet sich der Preuße und "Berliner Junge" gerne in völliger Abgeschiedenheit in seinem Refugium auf der Mittelmeerinsel Sardinien vor - ohne Handy und Fernseher. Wie ein Computer eingeschaltet wird, weiß er bis heute nicht. Hier nennt ihn auch niemand Schimmi oder Schimanski. In Deutschland ist das ebenso empfindsame wie empfindliche "Raubein" nur noch zum Arbeiten, ansonsten missfällt ihm der öffentliche Umgang hier mit Schauspielern: "Der Deutsche will immer den Jesus haben, der auf die Schnauze fällt und zugibt: mea culpa." Daher: "Arbeiten, Steuern zahlen und dann wieder weg."

Herzrhythmusstörungen. Da ist ein Trauma geblieben, die deutschen Medien und George, und auch "diese Geschichte mit Gottschalk". Für George war es schließlich so etwas wie der Verlust der Heimat. "Klaus Löwitsch ist daran gestorben", meint er. George hatte zeitweilig Herzrhythmusstörungen. "Ich war völlig unstabil." Dabei habe er es doch in diesem Land "ohne Skandale, Besäufnisse, Drogen und Kloppereien" so weit gebracht. Das muss man doch anerkennen.

Wandlungsfähigkeit. Georges bemerkenswerte schauspielerische Wandlungsfähigkeit war bei der Darstellung von Altersrollen auch in früheren Jahren kein Problem für ihn - "das pinkelt der euch in den Sand", meinte dazu einmal der Filmproduzent Markus Trebitsch. Seit über einem halben Jahrhundert ist George "im Geschäft", anfangs auch auf der Bühne, und versucht wohl immer noch, seinem Vater und beruflichen Vorbild gerecht zu werden.

Der "ewige Junge". Das darstellerische Spektrum des "ewigen Jungen" mit der "brüllenden Vitalität" und der "kindlichen Gutmütigkeit", der doch immer auf dem Sprung zu sein scheint, lässt Staunen und nötigt auch Respekt ab. Seine Bandbreite reicht vom Karl-May-Darsteller bis zum KZ-Kommandanten, über einen Alzheimer-Kranken oder blinden Klavierlehrer bis zu einem Boxer oder schwulen Taschendieb und einem homosexuellen Mörder wie im "Totmacher". Furore machte er auch mit Filmen wie "Schtonk" über die gefälschten Hitler-Tagebücher oder mit der bissigen Münchner-Schickimicki-Satire "Rossini". Gerade hat er die George-Tabori-Groteske "Mein Kampf" mit dem jungen Tom Schilling abgedreht.


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