"Schimanski" oder "Totmacher": Götz George wird 70
Der "ewige Junge" mit der "brüllenden Vitalität" und der "kindlichen Gutmütigkeit" feiert heute seinen 70. Geburtstag.

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Das Alter war für Götz George "nie ein großes
Thema" und auch nach seiner jüngsten Herzoperation oder dem schlimmen
Badeunfall vor Sardinien fühlt er sich noch immer gut in Form. "Alt
werde ich, daran gibt es nichts zu deuteln, ich muss eben meine
Kondition so gut wie möglich halten, und das klappt", meinte George
in einem dpa-Gespräch. Auch an seinem 70. Geburtstag, den er am
Mittwoch (23. Juli) eher widerwillig feiert und wohl wieder flüchten
wird, weil er runde Geburtstage wegen "des Rummels drumherum" nicht
ausstehen kann, ist der Sohn des großen Schauspieler-Paares Heinrich
George und Berta Drews hungrig nach neuen Rollen und Aufgaben.
Veritabler Schauspielstar.
Dabei hat "Putzi", wie ihn seine Mutter ein Leben lang nannte,
sein Klassenziel längst erreicht, Kritiker nennen Götz George "einen
der wenigen, veritablen Schauspielerstars" in Deutschland. Der aber
in seinem Leben nach eigenen Worten auch "immer sehr allein" war, der
es "irrsinnig schwer" gehabt und es sich auch selber schwer gemacht
habe, der es sich abgewöhnt hat, anderen Menschen zu vertrauen - und
der auf die Frage, ob es im Leben überhaupt dauerhafte Beziehungen
gibt, nach nunmehr 70 Jahren antwortet: "Nee, das war in meinem Leben
nie sehr vordergründig", er sei auch mit sich selbst "eigentlich ganz
zufrieden". Für sich selbst schreibt er auch seit 30 Jahren Tagebuch
("Jeden Tag eine Seite, mehr habe ich nicht zu sagen"), die nach
seinem Willen aber irgendwann vernichtet werden sollen.
"Mit dem Leben gespielt"
"Mit dem Leben gespielt" ist der doppeldeutige Titel der in diesem
Frühjahr erschienenen George-Biografie von Torsten Körner (Scherz
Verlag), an der der Schauspieler aktiv mitwirkte. Auf seine Arbeit
bereitet sich der Preuße und "Berliner Junge" gerne in völliger
Abgeschiedenheit in seinem Refugium auf der Mittelmeerinsel Sardinien
vor - ohne Handy und Fernseher. Wie ein Computer eingeschaltet wird,
weiß er bis heute nicht. Hier nennt ihn auch niemand Schimmi oder
Schimanski. In Deutschland ist das ebenso empfindsame wie
empfindliche "Raubein" nur noch zum Arbeiten, ansonsten missfällt ihm
der öffentliche Umgang hier mit Schauspielern: "Der Deutsche will
immer den Jesus haben, der auf die Schnauze fällt und zugibt: mea
culpa." Daher: "Arbeiten, Steuern zahlen und dann wieder weg."
Herzrhythmusstörungen.
Da ist ein Trauma geblieben, die deutschen Medien und George, und
auch "diese Geschichte mit Gottschalk". Für George war es schließlich
so etwas wie der Verlust der Heimat. "Klaus Löwitsch ist daran
gestorben", meint er. George hatte zeitweilig Herzrhythmusstörungen.
"Ich war völlig unstabil." Dabei habe er es doch in diesem Land "ohne
Skandale, Besäufnisse, Drogen und Kloppereien" so weit gebracht. Das
muss man doch anerkennen.
Wandlungsfähigkeit.
Georges bemerkenswerte schauspielerische Wandlungsfähigkeit war
bei der Darstellung von Altersrollen auch in früheren Jahren kein
Problem für ihn - "das pinkelt der euch in den Sand", meinte dazu
einmal der Filmproduzent Markus Trebitsch. Seit über einem halben
Jahrhundert ist George "im Geschäft", anfangs auch auf der Bühne, und
versucht wohl immer noch, seinem Vater und beruflichen Vorbild
gerecht zu werden.
Der "ewige Junge".
Das darstellerische Spektrum des "ewigen Jungen" mit der
"brüllenden Vitalität" und der "kindlichen Gutmütigkeit", der doch
immer auf dem Sprung zu sein scheint, lässt Staunen und nötigt auch
Respekt ab. Seine Bandbreite reicht vom Karl-May-Darsteller bis zum
KZ-Kommandanten, über einen Alzheimer-Kranken oder blinden
Klavierlehrer bis zu einem Boxer oder schwulen Taschendieb und einem
homosexuellen Mörder wie im "Totmacher". Furore machte er auch mit
Filmen wie "Schtonk" über die gefälschten Hitler-Tagebücher oder mit
der bissigen Münchner-Schickimicki-Satire "Rossini". Gerade hat er
die George-Tabori-Groteske "Mein Kampf" mit dem jungen Tom Schilling
abgedreht.
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