Quergedacht: Schöne schiache Bilder zu sehr guten schlechten Texten
Die Nacht der schlechten Texte oder wieso Verleger selten verlegen sind.
Wortwerk", eine der originellsten Kulturinitiativen im Land, veranstaltet auch heuer wieder die "Nacht der schlechten Texte" (heute, 19 Uhr, Sud der Villacher Brauerei). Eine Gesellschaft ist so stark wie ihre schwächsten Glieder, eine Literatur so gut wie ihre schlechtesten Texte. Wer wird sich da nicht an das Autorenduo Schmatz/Czernin erinnern, die dem Verleger Jochen Jung absichtlich schlechte Texte unterjubelten, dieses Geständnis aber erst machten, als das Buch längst am Markt war. Und wie konterte der selbstherrliche Verleger? Den Dichtern, erklärte er, sei es nicht gelungen, schlecht zu dichten!
Tja. Verleger verlegen heute eine ganze Flut von Büchern. Es gibt fast nichts, was nicht verlegt wird - und geht es nach den Klappentexten, sind alle Bücher großartig.
Selbstzahlerverlag.
Gibt es keine schlechten Texte mehr? Oder nur noch schlechte? Ich bilde mir ja viel darauf ein, noch nie ein Buch rezensiert zu haben Aber ein einziges Buch fällt mir doch ein, das furchtbarer Schund sein muß. Denn seit Jahren ist nicht der kleinste Kleinverleger, kein Selbstzahlerverlag bereit, auch für viel Geld aus der Tasche des Autors dieses Opus non gratum zu publizieren, dabei ist es weder pornographisch, noch politisch unkorrekt. Es stammt von meinem ehemaligen Nachbarn und heißt "Jesenice mon Amour". Sehr schöne schiache Bilder zu sehr guten schlechten Texten. Aber in Jesenice würde es niemand lesen weil Jesenice als hässliche, sterbende Stadt dargestellt wird. Und außerhalb Jesenices interessiert es keinen, weil Jesenice eine hässliche, sterbende Stadt ist.
Ehrenwort.
Ich aber gebe mein Ehrenwort: Traut sich irgendein Verleger, dieses Buch zu verlegen, wäre es das einzige meines Lebens, das ich doch rezensierte.















