Horror-Autor drei Tage lebendig begraben
Ein chinesischer Schriftsteller erlebte während des schweren Erdbebens in China das "wahre Grauen".

Foto © Reuters
"Ich tue mir schwer beim Atmen, als läge ein
schwerer Felsen auf meiner Brust. Ich sehe nichts, sondern höre nur
eine eisige Stimme, die mir ins Ohr flüstert: Li Ximin, du bist tot.
Wie kann ich tot sein, ich kann klar denken, wer macht sich über mich
lustig?" Der bekannte chinesische Horrorautor Li Ximin (41)
veröffentlichte diesen Satz am 29. April in seinem Internet-Blog.
Zwei Wochen sollte er wahres Grauen dieser Art erleben, als in das
verheerende Erdbeben in Sichuan 76 Stunden lang lebendig begrub.
Haus eingestürzt. Der in Shanghai lebende Autor hatte sich zu Arbeiten an einem
neuen Buch in jene Bergregion in Sichuan zurückgezogen, die am
vergangenen Montag vom Erdbeben erschüttert wurde. Sein zwölf
Kilometer vom Epizentrum entferntes Haus stürzte zusammen, und Li
wurde unter einem Regal und Tonnen von Schutt begraben. Er konnte nur
noch seine rechte Hand bewegen. "Ich hätte nicht einmal meinen Urin
trinken können, selbst wenn ich es gewollt hätte", erzählt der "König
des Horror" der Tageszeitung "China Daily" vom Krankenbett in Chengdu
aus.
Wirklichkeit "gruseliger". "Ich habe schon viele Horrorgeschichten geschrieben, aber keine
war so gruselig wie dieses reale Ereignis", sagte Li nach seiner
Befreiung. Schließlich wurde er nicht nur lebendig begraben, das
eingestürzte Haus hatte sich auch gefährlich über einen mehrere Meter
hohen Abhang geneigt. Ein weiteres schweres Nachbeben, und Li wäre
möglicherweise mitsamt den Trümmern in die Tiefe gestürzt.
Hilferuf im Drei-Stunden-Takt. "Gottseidank habe ich irrtümlich geglaubt, dass es sich um einen
Erdrutsch gehandelt hat. Hätte ich gewusst, dass es ein Beben dieses
Ausmaßes gewesen ist, wäre mir nämlich klar geworden, dass kaum Hilfe
in diese abgelegene Region kommen wird und ich hätte die Hoffnung
wohl aufgegeben", erzählt Li. Um Kräfte zu sparen, rief er nur alle
drei Stunden um Hilfe. Er fügte sich auch absichtlich Verletzungen
auf seiner rechten Hand zu, um durch die Schmerzen wach zu bleiben.
Suche nach Autor. Sein Leben verdankt Li wohl der Tatsache, dass er prominent ist.
Die Internet-Seite Sina leitete nämlich umgehend eine Suchaktion ein,
und der Bestseller-Autor Han Han reiste nach Sichuan, um nach seinem
Kollegen zu suchen. Schließlich konnte Li mit einem schwachen Signal
aus seinem Handy geortet werden, und nach stundenlangen
Bergungsarbeiten konnten ihn Spezialkräfte der chinesischen Luftwaffe
befreien. Li will nun den Reinerlös seines nächsten Buchs für die
Erdbebenopfer spenden.
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Bei dem schweren Erdbeben der Stärke 7,8 nach Richter Mitte Mai starben Zehn-














