Bachmann-Preisträger Petersen: Schreiben "asozial"
Der Gewinner des Bachmann-Wettbewerbs 2009, Arzt und Autor Jens Petersen, nennt Schreiben "asoziale Tätigkeit".

Foto © APAJens Petersen "machte es"...
Für Jens Petersen, Gewinner des diesjährigen Bachmann-Literaturwettbewerbs, ist das Schreiben eine "asoziale Tätigkeit". Schriftstellerei sei in manchen, glänzenden Momenten, wenn man beispielsweise einen Preis bekomme, sehr schön - aber im Großen und Ganzen auch von viel Frustration gekennzeichnet. "Man ist nicht immer gut gelaunt beim Schreiben, ganz im Gegenteil", sagte der Arzt und Autor am Montag im Deutschlandradio Kultur. "Das schlägt sich dann manchmal auch aufs Soziale (...) nieder."
Jens Petersen
Die Motivation für das Schreiben ergebe sich daraus, "dass man irgendeinen Mangel empfindet, irgendetwas mitteilen möchte", sagte der 33-Jährige, der aus Pinneberg bei Hamburg stammt und in Zürich als Mediziner arbeitet. Das seien meist Dinge mit autobiografischem Bezug. Er halte es für Unsinn, wenn Autoren behaupteten, ihr Schreiben habe mit der eigenen Biografie nichts zu tun.
33. Bachmannpreis
Seine alltäglichen Erfahrungen in der Klinik könne er allerdings nicht sofort in Literatur umsetzen. Dazu sei oft ein Abstand von mehreren Jahren nötig. Die Themen über die er schreibe, müssten erst "sacken, ruhen, noch einmal durchdacht werden".
Lesewettstreit
Den Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt habe er schon als Schüler verfolgt, erzählte Petersen. Er habe damals eine Beziehung dazu gehabt wie andere zum Schießen eines Tors im WM-Finale: "Man weiß, es ist völliger Unsinn, es wird nie passieren, aber man darf ja mal träumen."
Preisträger
Der in Norddeutschland geborene und in Zürich lebende Autor Jens Petersen wurde gestern in Klagenfurt für einen Auszug aus seinem neuen Roman "Bis dass der Tod" mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis 2009 ausgezeichnet. Der wird im Herbst 2010 bei DVA erscheinen, gab der Münchner Verlag heute bekannt. Schon für seinen Debütroman "Die Haushälterin" (DVA, 2005) erhielt er mehrere Auszeichnungen, darunter den "aspekte"-Literaturpreis.
Rückblick. Die 33. Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt hat einige Höhepunkte, aber auch Überraschungen geboten. Zu den Highlights gehörte sicherlich die Eröffnungsrede von Büchner-Preisträger Josef Winkler, zu den Überraschungen, dass Andrea Winkler nicht einmal auf die Shortlist der potenziellen Preisträger kam. Die Kür des in der Nähe von Hamburg geborenen und seit einiger Zeit in Zürich lebenden Arztes und Autors Jens Petersen zum Bachmann-Preisträger war nach den Lesungen allerdings keine Überraschung.
25.000 Euro. Petersen (der auf der Bachmannpreis-Homepage als Schweizer Teilnehmer geführt wurde, Anm.) gewann mit dem Bachmann-Preis auch 25.000 Euro. Mit dem Kelag-Preis gingen 10.000 Euro an den Deutschen Ralf Bönt, der mit 7.500 Euro dotierte 3sat-Preis wurde seinem Landsmann Gregor Sander zugesprochen. Den Ernst-Willner-Preis (7.000 Euro) erhielt die Deutsche Katharina Born, der per Internet-Stimmabgabe vergebenen Hypo-Group-Publikumspreis (7.000 Euro) ging an Karsten Krampitz.
Petersen polarisierte. Petersen polarisierte mit seinem Text "Bis dass der Tod" die siebenköpfige Jury zwar, aber doch nicht so sehr, dass sie in zwei Lager zerfallen wäre. Genau das dürfte der Österreicherin Andrea Winkler passiert sein, bei ihr gab es vehementes Pro ebenso wie kategorisches Kontra. Überraschend auf die Shortlist schaffte es hingegen die Wienerin Caterina Satanik. Philipp Weiss half es auch nichts, dass er seinen Text aufaß, er fiel aber wenigstens nicht so arg durch wie Linda Stift, die gehörig zerzaust wurde. Generell war zu bemerken, dass realistische Texte derzeit offenbar wieder groß in Mode sind, die wenigsten Beiträge gingen darüber hinaus.
Rückblick
Preisträger 2009
Jens Petersen Kelag-Preis (10.000 Euro)
Ralf Bönt 3sat-Preis (7.500 Euro)
Gregor Sander Ernst-Willner-Preis (7.000 Euro)
Katharina Born Hypo-Group-Publikumspreis (7.000 Euro): Karsten Krampitz
Gewinner-Text
Fotoserie
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SAMSTAG
FREITAG
DONNERSTAG
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Philipp Weiss verspeiste seinen TextFoto © APA
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Andrea WinklerFoto © APA/Kurt Hörbst
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Caterina Satanik Foto © APA/Georg Hochmuth
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Linda StiftFoto © APA/Georg Hochmuth
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Philipp WeissFoto © APA/Robert Jäger



















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