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Zuletzt aktualisiert: 29.04.2008 um 17:18 Uhr

Wolfgang Wagners Rücktritt ist tiefe Zäsur für die Festspiele

Gerade noch rechtzeitig hat Wolfgang Wagner eingelenkt. Mit seinem Rücktritt zum 31. August behält der 88-jährige Bayreuther Festspielchef das Heft des Handelns in der Hand und sichert die seit der Festspielgründung 1876 andauernde Wagner-Dynastie auf dem "Grünen Hügel".

Wolfgang Wagner

Foto © APWolfgang Wagner

Seine beiden Töchter Eva Wagner-Pasquier (63) und Katharina Wagner (29) werden die weltweit renommierten Richard-Wagner-Festspiele aller Voraussicht nach künftig als Duo leiten.

Ernennung nur Formsache. Ihre Ernennung durch den Stiftungsrat nach Ablauf der viermonatigen Bewerbungsfrist dürfte nur noch Formsache sein, denn sowohl der Bund als auch der Freistaat Bayern als die wichtigsten Geldgeber haben sich bereits für die Tandemlösung mit den beiden Halbschwestern ausgesprochen. Hätte Wagner sich jedoch weiterhin stur gezeigt, dann wäre wohl auch diese Lösung nicht zustande gekommen.

Tiefe Zäsur. Die Festspiele bleiben nun handlungsfähig, wie der bayerische Kunstminister Thomas Goppel (CSU) am Dienstag sagte. Wagners Rücktritt nach 57-jähriger Regentschaft - davon 41 Jahre als Alleinherrscher - ist gleichwohl eine tiefe Zäsur für die Bayreuther Festspiele. Seit 1951 stand er in der Verantwortung - zunächst mit seinem älteren Bruder Wieland, mit dem er die durch die Nähe zum Nazi-Regime diskreditierten Festspiele neu aufbaute und internationales Renommee zurückgewann.

Alleinherrschaft. Nach dem frühen Tod des genialen Regisseurs Wieland 1966 übernahm Wolfgang Wagner die alleinige Macht im Festspielhaus. Er stellte die Festspiele auf eine sichere finanzielle Basis und erneuerte kontinuierlich die bauliche Substanz des Hauses. Rigoros drängte er zunächst die Wieland-Familie vom "Grünen Hügel", nach der Scheidung von seiner ersten Ehefrau Ellen auch seine Tochter Eva, bis dahin seine wichtigste Helferin. In den 1980er Jahren festigte er seine Alleinherrschaft mit einem lebenslangen Vertrag als "Festspielunternehmer".

Nachhfolgerfrage. Doch der als hartnäckig und stur bekannte Wagner versäumte es in den vergangenen Jahren, mit dem Stiftungsrat zu einer einvernehmlichen Lösung in der Nachfolgefrage zu kommen. Lange favorisierte er seine zweite Ehefrau Gudrun, die mit Wagners fortschreitendem Alter zur heimlichen Herrin am Hügel aufstieg. Doch sie war im Stiftungsrat nicht vermittelbar. Und die gemeinsame Tochter Katharina, eine fähige Regisseurin, schien den Geldgebern zu jung, um die Verantwortung zu übernehmen.

Versöhnung. Als alles danach aussah, als könne erst der Tod des Patriarchen das Dilemma lösen, sorgte ein dramatisches Ereignis von Richard Wagner'scher Dimension für die Wende: Völlig überraschend starb Ende November 2007 Wolfgang Wagners 25 Jahre jüngere Ehefrau Gudrun. Wagner versöhnte sich mit Tochter Eva, und die 63-Jährige Opernmanagerin stimmte zu, sich künftig mit ihrer Halbschwester Katharina (29) die Festspielleitung zu teilen. Großzügig sah Eva Wagner-Pasquier dabei über die Schmach aus dem Jahr 2001 hinweg. Damals war sie schon einmal zur Festspielchefin gewählt worden, ihr Vater hatte sie aber als unfähig bezeichnet und trat nicht zurück.

Finanzielle Situation. Letztlich hat auch die angespannte finanzielle Situation der Festspiele zu Wagners Einlenken beigetragen. Damit hatten die Zuschussgeber Bund und Land zumindest indirekt ein Druckmittel gegen den 88-Jährigen in der Hand. Denn ohne höhere Zuschüsse können die Festspiele auf Dauer nicht überleben. Dies hatten Wagner auch die ihm eng verbundenen Mäzene von der "Gesellschaft der Freunde von Bayreuth" signalisiert.


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