Musikalischer Witz und Melancholie
Schlafen mit Schleef, heim mit Heym: Thomas Daniel Schlee komponierte "Körper in Cafés".
Mit leicht ungarischem Zungenschlag "echt" österreichisch interpretierte Ildikó Raimondi melancholisch umwehte Lieder um letzten Endes unerfüllte Liebschaften, mit Ausnahme vielleicht jener zum Kaffee in Bachs Kantate. Im Brahmssaal des Wiener Musikvereins durfte man an diesem Abend auch bedauern, dass der Intendant des Carinthischen Sommers, Thomas Daniel Schlee, eigene Werke in seinen Festival-Programmen tunlichst vermeidet: Dieses Konzert hätte dem Publikum in Kärnten auch gefallen!
Rund um die Liebe. Sein Auftragswerk für die Gesellschaft der Musikfreunde, fünf Szenen mit dem seltsamen Titel "Körper in Cafés", stand im Mittelpunkt. In wechselnden Besetzungen - mit der mit natürlichem Charme bezaubernde Sopranistin standen Charles Spencer (Klavier), Milan Turkovic (Fagott) und Matthias Schulz (Flöte vertrat) auf dem Podium - künden sie von Träumen, Wünschen und Erfahrungen rund um die Liebe. Vom 2006 verstorbenen deutschen Literaten Robert Gernhardt stammen die vordergründig amüsanten Texte. Bei näherer Betrachtung spiegeln sie genau jene Schwierigkeiten wider, die wir allesamt im Umgang mit unseren Mitmenschen haben. Trotzdem ganz köstlich die Verwendung deutscher Dichternamen; einer schläft bei Einar Schleef, alles trinkt Sarah Kirsch, alles ißt Ulla Hahn und mit Stefan Heym geht alles heim . . .
Der Untertitel "Thema mit Variationen" könnte auch über Schlees Arbeit stehen: Mit musikalischem Witz, mit parodistischen ebenso wie ernst zu nehmenden Klängen, rückte er der literarischen Vorlage zu Leibe. Das Publikum einschließlich des Komponisten genoss die dargebotene Uraufführung offenbar mit demselben Spass wie die vier Interpreten.
Features
Im Hörfunk
4.Mai, 19.30 Uhr Ö1.















