Maler Josef Mikl 78-jährig gestorben
Mikl starb im Alter von 78 Jahren nach kurzer, schwerer Krebserkrankung in Wien.

Foto © Reuters
Die Entwicklung der österreichischen Kunst nach 1945
hat er wie nur wenige prägend mitgestaltet: Josef Mikl sorgte mit
einigen seiner Kollegen dafür, dass Österreich nach den Schrecken des
Nationalsozialismus wieder Anschluss an die internationale Kunstwelt
fand und die eben noch als entartet gebrandmarkte Abstraktion wieder
Fuß fassen konnte. Heute wurde bekannt, dass Mikl, dessen
bekanntestes öffentliches Werk die künstlerische Neugestaltung des
Großen Redoutensaals in der Wiener Hofburg ist, am Samstag in Wien im
79. Lebensjahr verstorben ist.
Malerei studiert.
Am 8. August 1929 in Wien geboren, besuchte Mikl von 1946 bis 1948
die Grafische Lehr- und Versuchsanstalt und studierte anschließend
bis 1955 Malerei bei Josef Dobrowsky an der Akademie der bildenden
Künste. Rasch erarbeitete er sich den Ruf eines führenden Vertreters
der österreichischen Abstraktion. Mikl war neben Maria Lassnig und
Friedensreich Hundertwasser Mitglied im legendären Wiener Art Club,
dem wichtigsten Künstlertreff der frühen 50er Jahre. 1956 gründete er
gemeinsam mit Hollegha, Prachensky und Rainer die Gruppe Galerie St.
Stephan.
Meisterklasse.
1968 vertrat der Maler Österreich bei der 34. Biennale in Venedig,
1977 war er Teilnehmer an der documenta 6 in Kassel. 1969 wurde er an
die Akademie der bildenden Künste berufen, wo er eine Meisterklasse
für Malerei übernahm. 1997 wurde er emeritiert. 2004 erhielt Mikl das
"Große Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik
Österreich" und den Ehrenring der Stadt Wien.
Bedeutend.
Mikl gilt als bedeutendster Exponent des österreichischen
Informel, verwahrte sich aber stets gegen eine Zuordnung als
Repräsentant einer bestimmten Stilrichtung und positionierte sich
bewusst abseits wechselnder Moden: "Das Wort Zeitgeist ist eine
Beleidigung ... Die Malerei verkehrt in dieser Gesellschaft nicht",
lautete die Erklärung des Künstlers dazu. Auch die Bezeichnung
"gegenstandslos" lehnte Mikl ab und verwies in einem Interview
darauf, dass es zur Bildwerdung stets einen Inhalt brauche. Natur und
Figur sind denn auch stets Inhalt seiner sensibel-kraftvollen
gestischen Abstraktionen und malerischen Kompositionen.
Künstlerisches Lebenswerk.
Dass er jedoch ein viel breiteres künstlerisches Lebenswerk
geschaffen hat, als manchmal angenommen, wurde 2004 bei einer großen
Retrospektive in der Kunsthalle Krems deutlich: Neben Ölbildern waren
dort auch Arbeiten in Aquarell und Pastell, Skulpturen und
Zeichnungen zu sehen. Stillleben und Kirchenbilder hat er ebenso
geschaffen wie Maschinenbilder oder Arbeiten zu literarischen Themen
von Nestroy oder Gogol.
Große Redoutensaal.
1997 wurde der von Mikl nach dem Brand neu gestaltete Große
Redoutensaal wiedereröffnet. Seine in Rot und Gelb gehaltene Arbeit
besteht aus einem Deckenbild und 22 Einzelgemälden und setzt bekannte
Werke und literarische Figuren österreichischer Autoren bildnerisch
um. Der Entwurf werde "als ein eindeutiges und eindrucksvolles
Zeugnis des ausgehenden 20. Jahrhunderts" bestehen, so die damalige
Jury.















