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    Zuletzt aktualisiert: 16.02.2012 um 16:09 UhrKommentare

    Von Pleiten, Prozessen und Punkteabzügen

    Ein Klub ist in Konkurs, ein zweiter beinahe und ein weiterer beschäftigt seit Monaten nationale wie internationale Gerichte. Zwischen "bösen" Präsidenten, Punkteabzügen und gerichtlichen Doppelpässen - die Schweizer Fußball-Liga versinkt im Chaos. Von Thomas Huber.

    Einige Schweizer Klubs sind auf die schiefe Bahn geraten

    Foto © GEPA/Reuters/AP/Fotolia/Montage KLZ DIGITALEinige Schweizer Klubs sind auf die schiefe Bahn geraten

    Super ist nicht mehr viel in der "Axpo Super League", der höchsten Fußball-Liga der Schweiz. Bis auf Serienmeister FC Basel, der in der Champions League Manchester United eliminiert hat und im Achtelfinale steht, reiht sich Negativschlagzeile an Negativschlagzeile. Denn gespielt wird seit Wochen und Monaten mehr am grünen Tisch als am grünen Rasen. Traditionsklub FC Sion wurden 36 Punkte abgezogen. Mit Xamax Neuchatel ist ein Klub im Konkurs – und mittlerweile seine Lizenz los. Auch über Servette Genf hängt bereits das finanzielle Damoklesschwert.

    Statt Fans, Kickern und Trainern stehen Anwälte, Richter und Gläubiger im Rampenlicht. Die laufende Saison wird immer mehr zur sportlichen Soap-Opera. Mit zwei Hauptdarstellern: Bulat Tschagajew (Xamax Neuchatel) und Christian Constantin (FC Sion). Was die beiden Präsidenten – der eine "Ex", der andere "Noch" – eint, ist ihre Rolle als "Oberbösewichte" der Schweizer Liga. Vorläufiger Nebendarsteller: Majid Pishyar (Servette Genf).

    FC Sion: Kampf gegen Fifa und Uefa

    Sion-Boss Christian Constantin, der in seiner Amtszeit bereits 28 Trainer gefeuert hat, führt seit Sommer einen unerbittlichen Kampf gegen alle Obrigkeiten des Fußballs. Fifa-Präsident Joseph Blatter – ein Landsmann aus dem Wallis – vergleicht er mit Lybiens Ex-Diktator Gaddafi, Uefa-Boss Michel Platini will er hinter Gitter bringen. Hintergrund: Der FC Sion, den Constantin zum "besten Klub der Welt" machen will, setzte sich über die im Jahr 2009 verhängte Transfersperre hinweg und verpflichtete vor der laufenden Saison sechs Spieler. Trotz fehlender Genehmigung durch den Verband wurden die Spieler eingesetzt.

    Die Uefa reagierte und schloss die Schweizer, die Celtic Glasgow eliminiert hatten, aus der Europa League aus. Constantin ging – nicht zum ersten Mal – vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS – und blitzte ab. Schweizer Zivilgerichte gaben Sion zuerst recht, um dann das CAS-Urteil doch zu bestätigen. Constantin schäumte und zerrte die Uefa vor den Europäischen Gerichtshof (EuGH).

    Constantins "Schlacht"

    Noch mehr schäumte der 55-jährige Architekt, als die Schweizer Liga ihre Drohung wahrmachte und dem FC Sion kurz vor Jahreswechsel Punkte abzog: 36 auf einen Schlag, wegen der Missachtung der Transfersperre sowie der Anrufung von Zivilgerichten. Zuvor hatte die Fifa damit gedroht, die Schweiz von allen internationalen Spielen auszuschließen – mit dem FC Basel als großen Leidtragenden.

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    Foto © www.fc-sion.ch

    Foto vergrößernFür Sion gibt es nur eine wahre TabelleFoto © www.fc-sion.ch

    "Ein außerstatuarischer Notfall", begründete der Verband schlussendlich das Urteil. Denn die Statuten sehen einen Punkteabzug von maximal zwölf Punkten vor. Der FC Sion ratterte von Platz drei ans Tabellenende. Auf der offiziellen Tabelle. Auf der Vereinswebsite rangiert der Klub, der mittlerweile seinen Hauptsponsor verloren hat, weiter auf Platz drei. Constantins "Schlacht", wie die Schweizer Zeitung "Blick" schreibt, geht weiter. Das Spiel beginnt von vorne: eine Klage hier, eine Klage da. Ergebnis? Ungewiss.

    Xamax Neuchatel: Pleite, Ausschluss und Hungerstreik

    In die Verlängerung geht auch die Affäre rund um den zweifachen Schweizer Meister Xamax Neuchatel und seinen Präsidenten Bulat Tschagajew. Der Klub ist pleite, die Lizenz frisch entzogen und Tschagajew sitzt in U-Haft – wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung und Urkundenfälschung. Aus Protest trat Tschagajew für rund zwei Wochen in Hungerstreik. Als schuldig sieht sich der Exzentriker nicht. Nie. Wie Sion-Boss Constantin.

    Als angeblicher Rohstoff- und Immobilien-Oligarch übernahm Tschagajew – von dem bis heute keiner weiß, wie er zu seinen vermeintlichen Millionen kam – damals als Hauptaktionär den Schweizer Erstligaklub – und setzte auf "neue Tradition". Der gebürtige Tschetschene änderte das Logo, ließ im Stadion tschetschenische Volkstänze aufführen, verjagte – nicht nur einen – Trainer, Sportdirektor, Spieler und vergraulte zwei der größten Fanklubs. Er hatte ein Vision: mit dem kleinen Westschweizer Verein im Konzert der Großen mitzuspielen, der Champions League. Koste es, was es wolle.

    Gekostet hat es die Xamax-Fans ihren Verein und die Spieler ihren Arbeitgeber. Ausstehende Gehälter, angebliche Doppelverträge, mehrmalige Punkteabzüge, gefälschte Bankgarantien und angehäufte Schulden in Millionenhöhe – das war zu viel. Von der angestrebten Hauptrolle im europäischen Fußball blieb nur eines übrig: die Zuschauerrolle.

    "I kill you all!"

    "Fuck you!", lautete das Resümee von Bulat Tschagajew, das er via Nachrichtenagentur ausrichten ließ. Ein Wutausbruch, den man am Neuenburgersee mittlerweile gewohnt ist. Ein "Klubbesitzer wie ein Hooligan", schreibt der Zürcher "Tagesanzeiger" über den Choleriker aus dem fernen Osten. "Xamax-Despot", nennt ihn die "Basler Zeitung". Bulat Tschagajew – einer, der enger Freund des umstrittenen tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow sein soll, dem Morde, Folter und Entführungen vorgeworfen werden. Einer, dem in der Schweiz nie eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung ausgestellt wurde. Einer, der seine Spieler im Pokalfinale gegen Sion mit den Worten "I kill you all!" zu motivieren versuchte.

    Servette Genf: Abstieg, Aufstieg, Abstieg?

    Der FC Sion hat nach dem Punkteabzug von dem Xamax-Aus profitiert, rutscht vom Tabellenende auf Platz neun vor, einen Relegationsplatz. Nur drei Plätze weiter oben rangiert ein weiterer Traditionsklub, bei dem das Flutlich schon bald ausgeknippst werden könnte: Servette Genf. Erst 2005 ist der Verein wirtschaftlich kollabiert, musste absteigen und schaffte heuer wieder den Aufstieg in die "Axpo Super League". Nun steht das gleiche Szenario wieder bevor. Anfang Februar konnte ein angedrohtes Konkursverfahren gerade noch abgewendet werden. Die Lizenz wackelt, der Präsident zittert: "Es liegt mir am Herzen, dass der Klub nicht zugrunde geht."

    Fakten

    Am Freitag endet ein weiteres Ultimatum der Gläubiger von Servette, das Schulden zwischen 2,5 und 4 Millionen Franken haben soll.

    Immer mehr unter Druck, hat Präsident Majid Pishyar einen "substanziellen Betrag" zur Verfügung gestellt - und appelliert an die Genfer Wirtschaft.

    Majid Pishyar heißt der Mann, der seit 2008 an der Servette-Spitze steht. Auch er hatte eine Vision: Meister 2014, Champions-League-Sieger 2018. Große Worte, nicht viel dahinter. Wie damals, in Österreich. Auch hier wollte der 57-jährige Iraner, der derzeit auch Boss eines schwer kriselnden portugisischen Erstligavereins ist, mit den Millionen seiner undurchsichtigen "32Group" (Agrikultur, Computer-Technologie, Sportvermarktung, Reisen, Papier, etc.) der maroden Admira zu neuem Glanz verhelfen. Was blieb: Schulden, Konkurs und keine Lizenz.

    THOMAS HUBER

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    Bild vergrößernSion-Boss Christian Constantin hat keine Angst vor Blatter & Co.Foto © Reuters

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    Bild vergrößernBulat Tschagajew wollte mit Xamax ganz nach oben und ist nun ganz untenFoto © AP

    Serienmeister FC Basel

    Sportlich und finanziell dominiert der FC Basel seit Jahren den Schweizer Fußball. Seit 2002 wurde der Klub - mit der Roche-Milliardärin "Gigi" Oeri im Rücken - sechs Mal Meister und fünf Mal Cupsieger.

    Heuer schafften die Basler sogar den Sprung ins Achtelfinale der Champions League. Dort wartet der FC Bayern.

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    Bild vergrößernAuch Servette-Präsident Majid Pishyar ist unter BeschussFoto © GEPA

    Einziger ÖFB-Legionär

    ÖFB-Teamverteidiger Aleksandar Dragovic ist derzeit der einzige rot-weiß-rote Legionär in der höchsten Schweizer Spielklasse.

    Mehr Thomas Huber

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