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Zuletzt aktualisiert: 20.01.2012 um 14:33 UhrKommentare

Das Ende des verschmitzten Lächelns

Zwischen Hacker-Angriffen, Gefängnis-Stäben, schillernden Parties und schnellen Boliden - sein Leben ist ein ständiges "Up and Down". "Down" ist auch sein jüngstes World-Wide-Werk: Megaupload.com. Er selbst sitzt im Gefängnis: Internet-"Playboy" Kim Schmitz. Von Thomas Huber.

Big, bigger, Schmitz: Der Deutsche liebt das Leben im Rampenlicht

Foto © ReutersBig, bigger, Schmitz: Der Deutsche liebt das Leben im Rampenlicht

Er nennt sich "Kimble", "Kim Dotcom", "Dr. Evil" oder "Kim Tim Jim Vestor". Andere nennen ihn "Jenny Elvers der New Economy" oder "Deutschlands Großmaul Nr. 1": Kim Schmitz – Ex-Hacker, dubioser Geschäftsmann, Internet-"Playboy" und Multi-Millionär. Nun sitzt der Deutsche, der sich einst als Hacker-Genie inszenierte, im Gefängnis. Nicht zum ersten Mal.

Megaprotest wegen Megaupload

Umstrittene Festnahme

Die Anschuldigungen seien "grotesk überzogen", wehrt sich das Unternehmen "Megaupload.com". Und auch im Netz sorgte die Verhaftung von Schmitz für hitzige Diskussionen. Megaupload.com sei keineswegs nur für den Tausch von urheberrechtlich geschütztem Material genutzt worden, kritisieren viele User das Vorgehen der USA.

Kim Schmitz ist Gründer der Datentausch-Plattform Megaupload.com - angeblich. Die Website wurde am Donnerstag von den US-Behörden aus dem Netz genommen. Schmitz und drei weitere Verantwortliche wurden in Neuseeland verhaftet. Vorwurf: "Massive Urheberrechtsverletzungen" und Geldwäsche. Megaupload.com soll für einen Schaden von einer halben Milliarde Dollar verantwortlich sein, klagen Rechteinhaber von Filmen, Musik & Co. sowie die Justiz.

Das Hacker-Kollektiv Anonymous sieht das anders und hat eine massive Attacke gegen die Musik- und Filmindustrie gestartet. Auch die Seiten des FBI und des US-Justizministeriums wurden in der Nacht auf Freitag angegriffen.

Deutschlands "Hacker-König"

Kim Schmitz wird sich darüber freuen. Denn mit Hacken ist der in Kiel geborene Deutsche groß geworden. Er drang in die Sicherheitssysteme von Nasa, Pentagon und Citibank ein. Prahlte er - und wurde zum Computergenie hochgejubelt. Nicht von allen. Denn viele Hacker zweifeln bis heute an Schmitz' "Künsten".

Auch die deutsche Justiz hatte an seinen "Künsten" etwas auszusetzen. 1998 stolperte Schmitz unter anderem über den Verkauf illegaler Calling-Card-Nummern von US-Telefongesellschaften. Er wurde in München wegen Betrugs, Bandenhehlerei und Missbrauchs von Titeln zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren auf Bewährung verurteilt.

Ein Leben wie "God"

Schmitz machte weiter und scheffelte unter anderem mit seiner Firma "Data Protect Consulting GmbH" fleißig Geld. Im Gleichschritt mit dem Vermögen auf seinem Bankkonto wuchs auch Schmitz' Geltungsdrang. Er selbst nennt seine unzähligen Talk-Show-Auftritte eine "offensive Art, wie er mit dem Erfolg umgeht". Erfolg, das bedeutet für Schmitz: Yacht-Ausflüge mit leicht bekleideten Models, Hubschrauberflüge zu Formel-1-Rennen und illegale Autorennen in schnellen Boliden.

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Foto © Reuters

Foto vergrößernKim Schmitz ließ sich von seinen "Gegnern" nicht beeindruckenFoto © Reuters

"Ich bin klüger als Bill Gates. Ich werde einer der reichsten Männer der Welt", kündigte Schmitz einst an - Größenwahn und Prahlerei, verteilt auf 140 Kilogramm und zwei Meter Größe. Das bewies "Kimvestor" auch, als er 2001 öffentlich mitteilte, der kränkelnden Firma Letsbuyit.com finanziell wieder auf die Beine zu helfen. Es blieb beim "Willen". Letsbuyit.com ging pleite, Schmitz setzte sich nach Thailand ab. Ein Jahr später wurde der New-Media-Macher jedoch festgenommen und wegen Insiderhandels erneut verurteilt. Diesmal zu einem Jahr und acht Monaten auf Bewährung sowie zu einer Geldstrafe von 100.000 Euro.

Davon unbeeindruckt schmiedete Schmitz weiter große Pläne - auch abseits des Internets. Der leidenschaftliche Teilnehmer an "Gumball"-Rennen kündigte eine siebentägige Straßenrallye namens "Ultimate Rally" an. Stattgefunden hat sie jedoch nie.

Video: "Kimble" beim Gumball

Luxus pur in Neuseeland

Seinen Lebensmittelpunkt verlegte Schmitz nach Bangkok und Auckland - und stieg mit Megaupload.com in die Grauzone des Filesharings ein. Inoffiziell. In Neuseeland soll er sich unter anderem das teuerste Haus auf der Insel gekauft haben. Einen Maserati, einen Lamborghini, einen Rolls Royce und 15 Mercedes hat der Multi-Millionär in der Garage stehen. Auf den Nummerntafeln ist unter anderem zu lesen: "God", "Stoned", "Mafia", "Hacker" - und "Guilty".

Schuldig hat sich Schmitz nun zum dritten Mal in seinem Leben gemacht, meint die Justiz. Seine Autos und sein Vermögen wurden mittlerweile beschlagnahmt. Einen Tag vor seinem 38. Geburtstag erschien der Megaupload.com-Macher in Auckland vor Gericht. Sein verschmitztes Lächeln ist Schmitz abhanden gekommen. Zumindest vorübergehend.

THOMAS HUBER

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Bild vergrößernOffline: megaupload.comFoto © AP

Steckbrief

Kim Schmitz wurde am 21. Januar 1974 in Kiel geboren.

Mitte der 90er-Jahre trat Schmitz erstmals in Deutschland als Hacker öffentlich in Erscheinung. Mit dubiosen (Internet-)Geschäften während der "New Economy"-Phase wurde Schmitz zum Multi-Millionär. Unter anderem wegen Betrugs und Insider-Handels geriet er ins Visier der Justiz. Sein exzessiver Lebensstil wurde zum Markenzeichen des übergewichtigen Deutschen.

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Bild vergrößernVerhaftet: Kim Schmitz (rechts) und weitere Megaupload-VerantwortlicheFoto © AP

Fakten

Megaupload.com ist eine der weltweit größten Datentausch-Plattformen. Nutzer können Dateien, die beispielsweise zu groß für eine E-Mail sind, auf einen Server des Anbieters hochladen, wo sie von anderen Nutzern wieder heruntergeladen werden können - darunter auch in großem Stil illegal kopierte Musik, Filme, Fernsehprogramme und digitale Bücher, so der Vorwurf der US-Behörden. Megaupload habe mehr als 175 Millionen Dollar illegalen Gewinn gemacht.

Huldigung von Keys & Co.

Im Dezember gelang Kim Schmitz sein bislang letzter große Coup. Superstars wie Alicia Keys oder P. Diddy huldigten in einem Song die Megaupload-Website - siehe Link oben.





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