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  • 20. April 2014 18:08 Uhr | Als Startseite
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    Zuletzt aktualisiert: 30.12.2012 um 11:45 UhrKommentare

    20+13 Wünsche für Dich, oh mein Österreich

    Gesundheit und Glück für sich und seine Liebsten, einen sicheren Arbeitsplatz und genug Freizeit - jeder hat Wünsche wie diese. Freilich möchte man auch dem Staat Österreich so einiges für 2013 mit auf den Weg geben. Von Thomas Golser.

    Foto © Alexandra Giese - Fotolia.com

    Zu wünschen wäre Österreich für das Jahr 2013, dass...

    Wunsch 1: Ermittlungen

    ...nicht mehr länger ein volles Drittel (!) einer amtierenden Bundesregierung im Visier der Strafbehörden ist - und Verdachtsmomente gegen höchstrangige Politiker nicht länger wie eine Mumps-Epidemie in einem Kindergarten um sich greifen. Die Themenkreise Korruption bzw. Inserate interessieren die Staatsanwaltschaft brennend - dem Bürger hingegen kommen sie mittlerweile wirklich schon beidseitig zu den Ohren heraus.

    Wunsch 2: Spekulationen

    ...das fröhliche Spekulieren mit Geld (des davon nicht informierten) Steuerzahlers nicht endgültig zur typisch österreichischen Trendsportart wird: Betrieben von allzu abenteuerlustigen Beamten/Politikern, bei denen Glück, "finanztechnisches" Können und Moral sich gemeinsam dem Nullniveau annähern. Lektion aus dem Kindergarten: Spiele nicht ungefragt mit dem Spielzeugauto des anderen - und verzocke es auch nicht.

    Wunsch 3: Tränen

    ...keine Landeshauptfrauen/Landeshauptmänner mehr medienträchtig Krokodilstränen zu gewissen Vorkommnissen in ihren Landesregierungen vergießen, ohne sachdienliche Informationen zum Verbleib von verpulverten/verlegten/verspekulierten Millionen/Milliarden beisteuern zu können. Ganz egal, wie der genaue Kenntnisstand nun wirklich gewesen ist - es dürfte doch noch mehr gewesen sein als der Bürger davon gewusst hat.

    Wunsch 4: Rücktritte

    ...das Phantom namens Rücktrittskultur in Österreich (manche wollen es tatsächlich schon einmal gesehen haben) endlich zur Alarmfahndung ausgeschrieben und ihm in einem speziellen Artenschutzprogramm zu neuem Leben verholfen wird. Merke: In einem an Kultur so reichen Land sollte doch eigentlich Platz für kultivierte Rücktritte sein. Es wird Fälle geben, wo auch großflächig angebrachter Superkleber nicht mehr hilft...

    Wunsch 5: Kärnten

    ...Kärnten es endlich schafft, sein Stigma als politisches Brutalitäten- und Kuriositäten-Kabinett wieder abzuschütteln. Moralisches Tiefland findet sich in Österreich inzwischen allerorts. Dass vor allem sein südlichster Teil mit mafiösen Gefilden gleich gesetzt wird und man Palermo mittlerweile direkt am Wörthersee gelegen wähnt: Kein allzu schönes Bild, sondern eines, das nach wie vor nach Revision und Aufarbeitung schreit.

    Wunsch 6: "Teile des Spiels"

    ...Sätze wie "part of the game" nicht mehr am Anfang oder am Ende jeder zweiten Meldung über die Kärntner Landespolitik auftauchen (müssen). Das hat sich ein so schönes Bundesland doch eigentlich wirklich nicht verdient. Parallel dazu mögen die Begriffe "grassieren" und "verscheuchen" wieder positiv(er) besetzt werden. Es gab einmal Zeiten, als man bei diesen Wörtern tatsächlich an gar nichts Bestimmtes dachte.

    Wunsch 7: Englisch

    ...sich die Volksvertreter (vor allem jene in der öffentlichen Wahrnehmung) "shortly, without von delay" zu Englisch-Stunden einschreiben, damit man ihren Ausführungen (ob nun mit oder ohne Geheimagenten-Beteiligung) inhaltlich einigermaßen folgen kann: "It is under all pig when you are politicals and you talk English how kids in a people-school. Full serious now!" Auch das Arbeitsmarktservice Österreich soll entsprechende Kurse anbieten.

    Wunsch 8: EU

    ...die EU das seltsame und hartnäckige Geschmäckle los wird, ihr gehe es nur um die breitflächige Ausrottung von Glühbirnen, das Verbot von wasserraubenden Duschköpfen und eine einheitliche Blechdicke von Einweg-Bierdosen: Die angeblich grenzenlose Regulierungswut auf Brüsseler Art ist ein Zerrbild - allerdings auch eines, für das man sich nicht sonderlich zu genieren scheint in Europas Macht- und Schaltzentralen.

    Wunsch 9: Image

    ...das das Unmögliche bzw. Unerwartete gelingt: Österreichs Politiker holen in Sachen Beliebtheit - momentan irgendwo zwischen ansteckender Hautkrankheit, kostspieligem Blechschaden am Auto und Steuererklärung angesiedelt - auf und überraschen im Super-Wahljahr 2013 uns auf positive Art: Eine allzu optimistische Vorstellung, doch wie heißt es so schön: "Man muß an Utopien glauben, um sie verwirklichen zu können".

    Wunsch 10: Untersuchungen

    ...an Untersuchungs-Ausschüssen - so denn einer abgehalten wird - nicht mehr der Ruf eines tragikomischen Schattenboxens klebt. Zu untersuchen gibt es mehr denn je, und dazu sollte diese Einrichtung viel ernster genommen werden. Man brauche nicht zu kommen, weil man in einer Fernsehsendung alles gesagt habe ("Das war schon fast wie ein Untersuchungsausschuss!"): Wortspenden wie diese will man nicht mehr hören.

    Wunsch 11: Demokratie

    ...Demokratieverständnis und politische Betätigung nicht zwingend mit dem (unregelmäßigen) Gang zur Wahlurne und dem Konsum der mit Rufzeichen betitelten Politikspalten von Boulevardblättern enden. Mitdenken, mitreden, mitbestimmen: Die Lust daran war - und das ist überaus nachvollziehbar - schon einmal größer als heute. Doch so abgehoben manche Politiker auch agieren - ihnen alleine gehört die Politik nicht.

    Wunsch 12: Mut statt Frust

    ...dem einen oder anderen Bürger den (nicht ganz einfach durchzuführenden) Sinneswandel vom oft zitierten Frustbürger zum selbstbestimmten Teil des großen Ganzen namens Staat gelingt. Raunzen - so viel Anlass es im Augenblick dazu auch gibt - verändert ganz offensichtlich nichts. Und ganz ohne Zweifel: Es gibt in Österreich auch noch genügend Dinge, die man wertschätzen und genießen darf und kann.

    Wunsch 13: "K", aber positiv

    ...die Korruption endlich nicht mehr als gut geöltes Beiwagerl der Politik gesehen wird und gesehen werden muss: 2013 böte weitere zwölf Monate Zeit, um das böse "K"-Wort durch gute "K"-Wörter wie Können, Korrektheit und Kompetenz zu ersetzen - noch ein weiteres Skandaljahr wie 2012 sollte man Österreich wirklich nicht zumuten. Auch hier gilt das Zitat von Wunsch neun, denn dieser Wunsch - zugegeben, er ist ein sehr großer.

    Wunsch 14: Wahlzuckerln

    ...von nicht leistbaren und im wesentlichen durch das Volk finanzierten Wahlzuckerln abgesehen wird. Die Verlockung dürfte wie immer groß sein, in letzter Sekunde etwas zu versprechen, was dem Staat teuer zu stehen kommen könnte. Dieses Problem ist so alt wie die Erfindung der Demokratie im antiken Griechenland. Hellas ist bekanntlich noch immer reichlich stier - und uns sollte nicht jedes Zuckerl in Goldfolie schmecken.

    Wunsch 15: Pyramidenspiele

    ...die Abwicklung von Geschäften im staatsnahen Bereich nicht mehr wie (für einige sehr lukrative) Pyramidenspiele anmuten, bei der sich die Katze nach der Frage "Wo war die Leistung?" selbst in den Schwanz beißt. Das Volk muss dringend das Gefühl los werden am unteren Ende der Nahrungskette zu stehen, während abgehobene Jagdgesellschaften zur Pirsch auf den Mammon blasen. Sperrt endlich die Selbstbedienungs-Läden zu.

    Wunsch 16: Parlamentarier

    ...in Übertragungen aus dem österreichischen Parlament keine gähnenden, SMS schreibenden, am Tablet-PC herumdokternden oder sich wenigstens äußerlich in völliger Fadesse ergehenden Politiker mehr zu sehen sind. Ohnehin schon vorhandene Klischees zusätzlich zu bedienen, ist weder sonderlich anregend noch übermäßig clever. Politikverdrossenheit - ist sie gar schon auf beiden Seiten symptomatisch?

    Wunsch 17: Transparenz

    ...dem Wort Transparenz der Sprung vom locker verteilten Lippenbekenntnis zur kompromisslosen Serienreife gelingt. Dass es bis dorthin noch ein breiter Weg ist, hat das Salzburger Finanzdrama bewiesen. Wenige Gewinner, viele Verlierer - und kaum noch Genierer: So manche Partei fährt noch mit dem Standlicht durch das Zwielicht der Packeleien, doch beherztes Aufblenden wäre spätestens jetzt dringend angeraten.

    Wunsch 18: Sommergespräche

    ...aus den "Sommergesprächen" des ORF inhaltlich hoffentlich mehr herauszuholen ist als die Tatsachen, dass Österreichs Bundeskanzler eine Ausbildung als Taxilenker hat, keine Partei die andere leiden kann und sich Käfer und anderes Insektarium am Revers von Spitzenpolitikern auffällig wohl fühlen. Wer sich noch immer für Innenpolitik interessiert, hat sich mehr verdient als hingebungsvolle Hohlraum-Phrasendrescherei.

    Wunsch 19: Höhenflüge

    ...sich das Land wieder so vereint stolz fühlen darf wie nach dem Stratosphären-Sprung eines von vielen Dosen Mateschitz beflügelten Überfliegers aus Salzburg. Jetzt, da es weder im Fußball noch im alpinen Skilauf ganz rund läuft und man das Imkreisfahren der Formel 1 seit Jahren nur noch aus der Ferne beobachten darf. Man muss den jeweiligen Extremsportler ja nicht zwingend nach seinen politischen Ansichten befragen.

    Wunsch 20: Reich und Arm

    ...die Politik über das im Land extrem ungleich verteilte Vermögen eingehend nachzudenken beginnt und Lösungsansätze bringt - anstatt eine mutige und zukunftsweisende Steuerreform erneut abzusagen. Gerade fünf Prozent der Menschen in Österreich gehören unglaubliche 45 Prozent des Gesamtvermögens: Verabschiedet sich der Mittelstand einmal, pflegt er für gewöhnlich auch nicht mehr zurückzukehren.

    Wunsch 21: Wohnen

    ...der Politik rasch etwas einfällt, um das Lebensgut Wohnen nicht noch mehr zum unerschwinglichen Luxus verkommen zu lassen: Penthouse-Mentalität für jene, die es sich leisten können auf der einen Seite, die Entscheidung "Auto oder Wohnung" auf der anderen Seite. Noch so viel Monat und nur noch so wenig Geld, dass eine anständige Bleibe irgendwann zur Unmöglichkeit wird. Not wohnt oft genug zur Untermiete.

    Wunsch 22: Bildung

    ...jeder Schüler täglich einen schönen - der deutschen Sprache gerecht werdenden - Satz bildet. Ohne Verwendung der Begriffe "Oida" oder "LOL". Dafür aber mit mindestens einem Nebensatz - und unter Einsatz einer ganzen Hand, nicht nur des gestählten rechten Daumens. Angesichts der überaus mäßigen Bildungsstandard-Testung in Mathematik empfiehlt sich z.B. das Kalkulieren von Handyrechnungen im Kopf - ohne "App".

    Wunsch 23: Rauchzeichen

    ...sich Österreich und seine Politik möglichst unvernebelte Gedanken darüber macht, warum eines der reichsten europäischen Länder in Sachen Nichtraucher-Schutz hinter Staaten des ehemaligen Ostblocks gereiht wird. Die einst als Quantensprung verkaufte "österreichische Lösung" heißt nach wie vor nicht selten: "Nichtraucher-Zonen sind bei uns eh überall - außer im Essbereich, im Schankraum, in der Bar und an der Theke!"

    Wunsch 24: Neid(er)

    ...Neid und Missgunst nicht in Personalunion den Blick auf das Wesentliche - einen selbst - versperren: Beide Gefühle sind natürlich menschlich, doch helfen sie einem keinen Deut weiter. Lieber anerkennen, was dem anderen gelungen ist, sich mitfreuen und versuchen, es selbst noch besser hinzubekommen. Es soll Länder auf dieser Welt geben, in denen das besser gelingt als in Österreich. 2013 wäre doch ein gutes Jahr dafür.

    Wunsch 25: Asyl

    ...(tatsächlich) Asylsuchende im Land mit Würde und Augenmaß behandelt werden - und nicht als Quoten gewordene Menschen von Bundesland zu Bundesland transferiert werden. Komplexen Fragestellungen ist niemals mit einfachen Antworten und emotionalem Stückwerk beizukommen. Der Staat entkommt seiner Verantwortung nicht, eine dauerhafte und moralisch tragbare Lösung anzubieten: Passt diese in Zeltlager?

    Wunsch 26: Vitamin namens B

    ...in Großpackungen verteiltes Vitamin B und talentfreie Packeleien nicht weiter allzu oft vor Leistung und Integrität die Ziellinie im Land überqueren. Dass z.B. der bekannte (schwedische) Korruptionsforscher Bo Rothstein mit einem nüchternen Blick auf Österreich meinte: "Man könnte sagen, Österreich hat mit seinem Proporzsystem die Korruption sogar institutionalisiert". Das sollte doch einigermaßen zu denken geben.

    Wunsch 27: Gleichbehandlung

    ...das Land einen großen Schritt in Richtung einer Gleichberechtigung von Frauen macht: 2013 steht ja die neue, huldvoll adaptierte Version der österreichischen Bundeshymne in den Schulbüchern. Am Ende des Gehaltszettels sollten aber - bei gleicher Leistung - nicht bis zu 40 Prozent weniger stehen: Das ist offensichtlich die weitaus schwierigere Übung, mit der der Heimat tatsächlich großen Söhne trotzdem endlich beginnen könnten.

    Wunsch 28: Freibier

    ...die beinahe schon allgegenwärtige Freibier-Mentalität wieder etwas mehr Bewusstsein in Sachen Konsum Platz macht: Smart-Phones um 700 Euro z.B., die über den Ladentisch gehen und davor für zwanzig Cent Stundenlohn am anderen Ende der Welt zusammengeschraubt worden sind. Wer macht sich darüber schon Gedanken? Moral beim Kaufen - ein insgesamt reiches Land wie Österreich könnte sie sich leisten.

    Wunsch 29: Bildungsauftrag

    ...der ORF seinen Bildungsauftrag endlich vom Boden aufhebt und diesen nicht mit vielstündigen Opernball-Übertragungen, Tanzkursen zur besten Sendezeit (besetzt mit mehr oder wenigen unbekannten C- oder D-Promis), von ehemaligen Schirennfahrern abgehaltenen Fragestunden oder beliebigen (mit den Buchstaben "CSI" beginnenden) US-Serien in hartnäckiger Dauerrotation verwechselt. Da geht doch etwas mehr.

    Wunsch 30: Casting-Wahn

    ...der Casting-Wahn im Fernsehen etwas eingedämmt wird: Was heute bei drei noch nicht auf dem Baum ist, darf sich der Selektion in entsprechenden Shows stellen - und sich sehr schnell wieder vergessen wissen. Casten wir uns doch lieber selbst den schönsten Sonnenaufgang und das schönste Abendrot. Vielleicht auch ein Weg, um dann das Niveau nicht wie diverse Moderatoren am Studioboden liegen sehen zu müssen.

    Wunsch 31: Song-Contest

    ...der ORF uns eine Schmach wie den Auftritt der gesäßkreisenden Trackshittaz beim letzten Song-Contest in Aserbaidschan erspart. Falls doch ähnliche Hochkaräter rekrutiert werden, dürfte dem einen oder anderen wohler sein, wenn Österreichs Kandidat nicht mehr unter rot-weiß-roter Flagge, sondern gleich mit dem ORF-Logo auf der Stirn "zero points" abstaubt. Um dann wieder fulminant bereits im Halbfinale auszurutschen...

    Wunsch 32: Volkstümliches

    ...der eine oder andere volkstümliche Musikant ("Spatz", "Bua", "Gipfelstürmer", "Vagabund" etc.) doch noch den Weg in ein Tonstudio findet, um die unter seinem Namen verkaufte Musik selbst einzuspielen: Müsste er dort an die 150 Mal zum gleichen Trompetensolo in B oder Es ansetzen, würden diese Übungseinheiten eventuell der Qualität der Auftritte in den dafür vorgesehenen Zelten/Stadln zugute kommen.

    Wunsch 33: ist der Ihre






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    THOMAS GOLSER

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