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    Zuletzt aktualisiert: 08.09.2012 um 23:40 UhrKommentare

    Calexico und der späte Sommer

    Es war lange still um sie, doch nun melden sich Calexico mit dem prächtigen neuen Album "Algiers" zurück: keine totale Neuerfindung, aber die Besinnung auf sich selbst - mit einem Extraschuss Pfeffer aus New Orleans. Von Thomas Golser.

    John Convertino und Joey Burns, Calexico-Nucleus seit 1996

    Foto © Jairo ZavalaJohn Convertino und Joey Burns, Calexico-Nucleus seit 1996

    Über vier Jahre können einem sehr lange werden - vor allem, wenn es Zeit des Wartens ist. Calexico ließen die seit 1996 stetig gewachsene Fangemeinde hungern und sich selbst genug Zeit, um neue Musik reifen zu lassen. Nun liegt mit "Algiers" das sechste Studioalbum der nach wie vor unerreichten Grenzland-Formation aus dem Südwesten der USA vor - und es wurde ihr vielleicht bestes: Calexico bleiben eine sichere Bank.

    Diese Platte ist wie ein goldener Spätsommer, den man nicht vorbeiziehen lassen will: "Epic" ist der großartige Beginn eines mindestens ebenso großartigen (und recht eingängigen) Albums, bei dem man sich als Fan rasch zu Hause fühlt. Das folgende "Splitter" ist eine hemmungslos fröhliche Ode an die Freiheit, "Sinner In The Sea" verbindet Rock mit südamerikanischen Rhythmen, New Orleans mit Havanna - ein ureigenes Calexico-Patent. "Para" klingt ein wenig nach Radiohead - vorausgesetzt deren Thom Yorke könnte einmal wirklich locker sein. "Algiers" überzeugt instrumental, "Better And Better", "Hush" und "The Vanishing Mind" sorgen dann für ruhige Kontrapunkte. Mit Gastsängern hielt man sich dieses Mal angenehm zurück - auch wenn sich Joey Burns mit Musikerfreund Jairo Zavala auf "Puerto" und "No Te Vayas" das Mikrofon teilt.

    Calexico sind trotz ihres Südstaaten-Abstechers auch 2012 noch immer Calexico - dafür sorgt schon der wertbeständige Zellkern der Formation: Der irgendwie alterslos wirkende Joey Burns darf weiter als bester Songwriter in und um Tucson gelten. John Convertino, gleichermaßen grandioser wie bis in die Fingerspitzen lässiger Drummer, hält das Calexico-Kaleidoskop einmal mehr makellos zusammen. Dazu die seit zehn Jahren bestens eingespielten Wegkameraden Paul Niehaus (Gitarre), Jacob Valenzuela (Trompete, Vibraphon, Stimme), Martin Wenk (Gitarre, Trompete, Stimme) und Volker Zander (Bass), ohne die man sich die bunte Band nicht mehr vorstellen kann. Und live blüht das Sextett dann erst wirklich auf, kann der Autor bestätigen. Herzblut, das man nur zu gerne tropfen lässt. Die beherrschen ihre Instrumente ja wirklich, die schreiben in ihren besten Momenten grandiose Songs: Ja geht sich denn das aus? Ja ist denn das noch erlaubt?

    In Zeiten, in denen sich viele nach dem Runterladen von beliebigem Weichplastik-Pop - am Fließband erzeugt und zu downloadchartsgerechtem Brei zerstampft - eher verladen fühlen sollten, tun einem Bands wie Calexico besser denn je. Um selbst der tödlichen Falle namens Routine zu entgehen, ließen sich Burns, Convertino und Co. von New Orleans inspirieren (die Platte schuldet ihren Namen einem seiner Stadtteile) und kehrten der kalifornischen Wüste zumindest geographisch den Rücken zu. Calexico machten trotzdem keine typische New-Orleans-Reißbrett-Musik. Wagten sich dafür an neue Ideen - und blieben sich selbst treu: Warum auch nicht die eigenen Stärken ausspielen?

    Die Frischzellen-Kur in anderer Umgebung ließ das Album fokussierter und zwingender werden als seine Vorgänger. Man hat sich weit entfernt von den skizzenartigen ersten Platten und ist so richtig bei sich selbst. Das Ganze spielt sich - wie bei Calexico üblich - schillernd, lyrisch, flirrend und im vollen Cinemascope-Format ab: Filmmusik auf zwölf griffige Songs verteilt - auch ohne den Film dazu. Und wenn, dann ist es "nur" das oft zitierte Abenteuer im eigenen Kopf. Können wir das nicht alle gut gebrauchen..?

    Lassen Sie sich davon überzeugen, was einem Musik doch alles sein kann.

    9 / 10

    THOMAS GOLSER

    Foto

    Foto © Anti Records

    Bild vergrößernDas neue Album "Algiers"Foto © Anti Records

    Steckbrief

    Calexico wurden anno 1996 von Joey Burns und John Convertino in Arizona gegründet. 1997 erschien ihr erstes Album "Spoke", erstmals unter dem Namen Calexico, zuvor waren sie Teile der Gruppe Giant Sand. Die (nun schon seit etlichen Jahren) aktuelle Bandbesetzung umfasst neben Burns und Convertino auch Paul Niehaus, Jacob Valenzuela, Martin Wenk und Volker Zander.

    Am 22. September spielt das Sextett im Wiener Konzerthaus - "Algiers" ist in mehreren Versionen am 7. September erschienen: Als reguläre CD und als Doppel-Album mit dem Live-Auftritt "Spiritoso", an dem das Wiener Rundfunk-Symphonie-Orchester und das Filmorchester Babelsberg in Berlin mitwirkten. Daneben ist das neue Werk als üppiges "Super Deluxe Box Set" zu haben. Wie alle Calexico-Platten ist "Algiers" auf Vinyl erhältlich.

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