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    Zuletzt aktualisiert: 30.08.2012 um 22:00 UhrKommentare

    Knopflers großes "Daumen-Kino"

    34 Jahre nach seinem Debüt mit den Dire Straits legt Mark Knopfler sein erstes Solo-Doppelalbum vor: "Privateering" ist eine 20 Songs starke Spätauslese einer großen Musiker-Persönlichkeit. Den Folk und den Blues hat der titelgebende "Freibeuter" darauf stets als Verbündete zur Seite. Von Thomas Golser.

    Auch ein Mark Knopfler ist nicht immer fröhlich, aber...

    Foto © Fabio LovinoAuch ein Mark Knopfler ist nicht immer fröhlich, aber...

    Er wurde zu einem von jenen Künstlern, bei denen sich der eine oder andere denken mag: Ach, ja - den gibt es ja auch noch! Und ob - Mark Knopfler legt sein siebentes Solo-Album und 20 (!) neue Songs vor - und das, obwohl einer wie er ja wirklich nicht mehr so recht in diese Zeiten passt. Fiel das eine oder andere Werk seit 1996 musikalisch etwas beliebig aus, findet er mit "Privateering" ("Freibeuterei") tatsächlich zur alten Größe zurück. Man könnte sich ihn nicht anders vorstellen und wünschen. Wer sein Lieblingsbier vor sich stehen hat, möchte ja auch nicht unbedingt dessen Zusammensetzung verändern.

    Keine Lust auf Trendhörigkeit, seit drei Jahrzehnten die gleiche Grummelstimme, die zu keinem Zeitpunkt nach einem jungen Mann geklungen hat - und das Gitarrenspiel ist ohnehin längst patentiert: Knopfler ist einer jener Saitenmänner, dessen Stil nach etwa zehn Sekunden zweifelsfrei zu identifizieren ist - alle anderen Verdächtigen dürfen dann sofort den Raum verlassen: Perlende und geschmeidige Gitarrenläufe - ohne Plektron, dafür vor allem mit dem Daumen und viel Gefühl gespielt: großes "Daumen-Kino", wenn man so will. Der Schotte, der einst als Reporter mehr schlecht als recht über die Runden kam, schaute sich in dieser Phase einiges ab: Er hat die selten gewordene Gabe des Beobachtens und formt daraus in seinen Songs kleine Geschichten: Die Texte dazu sind oft berührend, meistens unterhaltsam - und in keinem Moment platt.

    In einem aktuellen Interview für die britische Musikzeitschrift "Uncut" gab Knopfler zu Protokoll, der Himmel sei für ihn "dort, wo sich das (Mississippi) Delta und der (britische River) Tyne treffen". Auf seine Musik umgelegt wird daraus eine hochemotionale Schnittmenge aus Blues ("Hot Or What" oder "Don't Forget Your Hat") und Folk ("Redbud Tree"). Dazu ein wenig Rock ("Corned Beef City" klingt fast wie eine mit Herz gespielte Version von "Money For Nothing") und keltisch anmutende Balladen ("Haul Away") - so sieht der in sich ruhende Knopfler-Kosmos heute aus. Alles ist von exzellenten Musikern, die diesen Namen noch verdienen, geschmackvoll, aber mit Seele eingespielt.

    Über seinen enormen Output, den er gerade jetzt mit 63 Jahren verzeichnet, zeigt er sich selbst ein wenig überrascht. Knopfler grübelt allerdings noch ein wenig darüber, ob er insgeheim schon das Gefühl habe, ihm laufe die Lebenszeit davon - oder ob er uns einfach sehr viel zu erzählen habe. Es gab einmal eine Zeit, da trug er bei seinen Auftritten nach Sonderangeboten aussehende Schweißbänder auf Stirn und Armgelenken, verkaufte ganze Ozeantanker-Flotten voller CDs, sang davon, "Geld für nichts" zu bekommen - und bespielte die größten Stadien dieses Planeten. Doch die Dire Straits sind seit über zwei Jahrzehnten Geschichte und ihre besten Songs werden vom kahlen Meister höchstpersönlich nur noch in ausgewählten Auszügen auf der Bühne reanimiert.

    Dass eine auf Madagaskar entdeckte Dinosaurier-Art nach ihm benannt wurde ("Masiakasaurus knopfleri") sollte ihn nicht davon abhalten, weiter Musik zu machen: Ein neuer Knopfler wurde noch lange nicht erfunden - es gibt auch leise Triumphe.

    7 / 10

    THOMAS GOLSER

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    Foto © Universal Music

    Bild vergrößernDas neue Album "Privateering"Foto © Universal Music

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    Foto © Fabio Lovino

    Bild vergrößern...wenn er will, schonFoto © Fabio Lovino

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