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Zuletzt aktualisiert: 27.08.2012 um 23:15 UhrKommentare

Strache eröffnet das Kanzler-Duell für 2013

Sommerlicher Schlagabtausch im Wiener Kursalon: Eine Volksabstimmung über den Euro-Austritt ist für FPÖ-Chef Strache eine "Koalitionsbedingung". Um die "Ohnmacht der Bürger zu überwinden", brauche er die entsprechende "Macht" - und wohl auch den Kanzlersessel von Faymann. Von Thomas Golser.

SPÖ-Chef Heinz-Christian Strache in Wien

Foto © APA/ORF, Milenko BadzicSPÖ-Chef Heinz-Christian Strache in Wien

Sommergespräch, die Dritte - Heinz-Christian Strache lud ORF-Anchorman Armin Wolf zum spätsommerlichen Duell in den Wiener Kursalon im dritten Gemeindebezirk. Neben einigen eher politikfernen Themen ging es um Umfragen, Kärnten, Europa, Krisen der Vergangenheit und der Gegenwart - und das Kanzler-Duell. Im Ton ruhig, in der Linie unerbittlich zu bleiben, hatten sich beide als Strategie vorgenommen.

Volksabstimmung als Muss

Eine Volksabstimmung über den Euro-Austritt sei eine Koalitionsbedingung, ohne diese kein Regierungseintritt, hielt Strache fest. Als aktuell längstdienender Parteichef wolle er "Macht", um gegen die "Ohnmacht" der Bürger etwas zu unternehmen: Das Kanzlerduell zwischen Werner Faymann und Heinz-Christian Strache für 2013 ist eröffnet. Bis wann er das Zepter in die Hand nehmen könnte, ließ er offen. Unabhängig vom Wahlergebnis scheint die Chance auf eine Regierungsbeteiligung auch gering, hält Politologe Peter Filzmaier im Interview mit der Kleinen Zeitung fest. Der neu auf der Bühne aufgetauchte Frank Stronach sei als "Teil des Systems" niemals eine Bedrohung, wollte Strache sich auf dieses Duell nicht einlassen. Gemäß dem Motto "Suche Dir immer einen Gegner, der eine Stufe über Dir steht", scheint die Strategie für 2013 klar erkennbar.

"Ich bin weder Links, noch Rechts", gab Strache eine bemüht weltmännische Selbstdefinition - allerdings, nur um dann gleich festzuhalten, dass es neben der FPÖ nichts mehr gebe, das noch weiter rechts stehen würde. Der Rest der politischen Landschaft sei nach links gedriftet, die FPÖ hingegen "Österreichs Interessensvertretung". 80 Milliarden Euro Haftungszusagen von Österreich seien ein "Euro-Fiasko", Alternativen zum "europäischen Sadomaso-Vertrag" wie ein harter "Nordeuro" gefragt. Nicht anbringen konnte oder wollte der FPÖ-Chef dafür das "Ausländerthema": Eine der rar gesäten Überraschungen - ob nun Wolfs Strategie, keine Worthülsen zuzulassen oder Straches eigener Taktik geschuldet. Die Zeiten, in denen der FPÖ-Chef automatisch von den anderen Parteien abschöpfen konnte, seien aber vorbei, so Filzmaier. Der Wählerstrom sei momentan zwischen FPÖ und SPÖ am stärksten - und mehr FPÖ-Wähler als noch 2008 wollten die FPÖ nun tatsächlich regieren sehen, meint der Politologe.

Reizthema FPK in Kärnten

Dann das Reizthema Kärnten: Die Neuwahl-Blockade der FPK wurde von Strache mit einer von dieser angestrebten Verfassungsklage gegen den Europäischen Stabilitätsmechanismus begründet. Rot-Schwarz-Grün würden (auch) in Kärnten eine Verfassungsklage blockieren. Eine Mehrheit im Landtag, die Neuwahlen als Gebot der Stunde sehen, sei keinesfalls mit einer Mehrheit in der Kärntner Bevölkerung gleichzusetzen, war für Strache klar wie das Wasser, das er trank. An der zuletzt erhitzten Diskussion über die umstrittene Karikatur auf seiner Facebook-Seite wollte sich Strache selbst erwartungsgemäß nur begrenzt beteiligen: "Ich wollte aufzeigen, wie heute Umverteilung stattfindet. Ich habe viele israelische und jüdische Freunde, die nichts Antisemitisches erkennen - selbstverständlich ist kein Antisemitismus mit dem Bild verbunden". Auf Provokation folgte hier also wieder eine Entwarnung - wenigstens das, was Strache üblicherweise unter einer Entwarnung versteht.

In einem für die Sommergespräche 2012 typischen Beitrag aus alten Zeiten gab es Einblicke in die Entwicklung des Politikers Strache: Von der Zeit als Einzelkind im Internat ging es weiter zum Rechtsaußen-Politiker Norbert Burger, dem Strache eine Zeit lange gerne zuhörte. Danach der Sprung zum Zahntechniker und der "schüchterne" Weg in die FPÖ. Bewunderer von Bruno Kreisky, "eleganter Fechter", furchtlos zur Mensur geschritten. Der Beitrag zeigte kaum neue Seiten auf, ließ Strache aber trotzdem einen "Kampfauftrag" des ORF vermuten. Wie immer gaben Umfragen mehr Gesprächsstoff her: Ein von Wolf ausgestelltes Manko in Sachen "Ehrlichkeit" nahm Heinz-Christian Strache zwar zur Kenntnis, sich aber nicht sehr zu Herzen. Er wolle an sich arbeiten, allerdings seien Umfragen bei der FPÖ schon des Öfteren falsch gelegen.

THOMAS GOLSER

Kommentar

THOMAS GOLSERKanzlerträum... von THOMAS GOLSER

Der Terminplan

  • 13. August: Josef Bucher (BZÖ)
  • 20. August: Eva Glawischnig (Grüne)
  • 27. August: Heinz-Christian Strache (FPÖ)
  • 3. September: Michael Spindelegger (ÖVP)
  • 10. September: Werner Faymann (SPÖ)

Sommergespräche

Die "Sommergespräche" werden am jeweiligen Sendungstag am Vormittag/Mittag aufgezeichnet und um 21:05 Uhr in ORF 2 ausgestrahlt. Am Beginn der "Sommergespräche 2012" zeigen Reportagen Kurzporträts der Parteichefs bis zu ihrem Einstieg in die Politik. Der ORF spricht dafür mit Jugendfreunden und Weggefährten und zeigt bisher noch unbekannte Bilder.





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