"Kärnten ist nicht so schlecht"
Armin Wolf wurde beim ersten ORF-"Sommergespräch" von einem BZÖ-Chef, der Landeshauptmann werden will, empfangen. Gemeinsam wagte man Vergangenheitsbewältigung, moralische Standortbestimmungen und den Ausblick in die orange Zukunft: Nicht alles gelang. Von Thomas Golser.

Foto © APA/ORF/Milenko BadzicBZÖ-Obmann Josef Bucher in Friesach
Der Auftakt der "Sommergespräche" im ORF ist geschafft - Aufatmen beim Publikum und bei allen vor und hinter der Kamera Beteiligten: Josef Bucher saß bei bestem Wetter ORF-Anchorman Armin Wolf gegenüber und ackerte sich durch die in mancherlei Hinsicht mühsamen Themen Vergangenheit, Korruptionsvorwürfe quer durch fast alle Parteien und die allgegenwärtige Krise der Eurozone. Allzu oft blieb man auf der Petersburg im mittelalterlichen Friesach aber bei den besonders unerfreulichen Themen Bestechung und Parteienfinanzierung hängen. Der Zuschauer, der sich eine Stunde Politik im Hochsommer antun wollte, hätte wohl gerne mehr über Programm und Aussichten erfahren. Freilich denkt er sich das auch nach zwei Stunden Live-Übertragung aus dem Parlament.
Button hat ausgedient
Zu Beginn konnte Bucher, der mittlerweile den orangen "Genug gezahlt"-Button abgenommen hat und für das Interview ein flauschiges Mikrofon am Revers aufgesteckt bekam, noch eine kurze Inhaltsangabe machen: Er legte los mit den bekannten Standortbestimmungen des BZÖ - Verschlankungen in allen Bereichen und weniger Geld für marode Banken. Später wurden diese noch Aussagen ergänzt und vor allem die Schuldenpolitik in der Europäischen Union in Frage gestellt: "Knietief im Schlamassel" sei man, man trage die "Vereinigten Schulden Europas". Bucher bezeichnete sich zwar als "nicht europafeindlich", einen Euro-Austritt und eine Währungsunion wirtschaftlich starker nordeuropäischer Staaten seien aber Optionen, über die man nachdenken solle. Wann und wie sich dieses System gestalten ließe, wurde nicht erörtert.
Freilich war dann bald Kärnten das Thema - in der öffentlichen Wahrnehmung im Moment so etwas wie das Sodom und Gomorra von Österreich. Das Land sei "fassungslos" über die Vorkommnisse, konstatierte Wolf. Dem versuchte Bucher erst gar nicht zu widersprechen - allerdings, nicht ohne rasch zu relativieren, Österreich zu besänftigen und den Landsleuten Mut zuzusprechen: "Kärnten ist nicht so schlecht, schon gar nicht die Menschen". Vor Gericht stünden momentan ausschließlich Köpfe aus den Reihen der ÖVP. Mit Gerhard Dörfler, dem "System Scheuch" und anderen Personen wolle das BZÖ dieser Tage nichts zu tun haben. Bucher war um Abgrenzung sichtlich bemüht und rückte dafür sich selbst in den Mittelpunkt: Er wolle Landeshauptmann von Kärnten werden, das Volk schreie nach Veränderung. Falls er das nicht schaffe, sei sein Platz in Wien.
Das ließ aufhorchen, allerdings kam man trotzdem um ein Thema nicht herum: Jörg Haider. Bucher selbst wollte von Vorwürfen an seine eigene Partei (und einige seiner Vertreter) nichts wissen - noch weniger aber davon, jenen Mann, der ihn 2002 in die Politik geholt hatte, angepatzt zu sehen. Das sei nur Taktik und Stil von Heinz-Christian Strache, in Kärnten ehre man die Toten - und nach Buchers derzeitigem Wissensstand und der dazu passenden Erinnerung trübe auch nichts sein Bild vom 2008 tödlich verunglückten Landesvaters. Danach wurde ausgiebig über die wechselvolle Geschichte von Blau und Orange (und der blauen Mutation FPK) diskutiert, erwartungsgemäß ohne sich auf einen gemeinsamen Nenner einigen zu können. Besonders wichtig war Bucher die klare Regel, die im BZÖ nun gelte: Wer mit Korruption zu tun habe und unter Anklage stehe, habe "sein Mandat zur Verfügung zu stellen" - ein derart harte Regelung sei einzigartig.
Mit Wolfs (auf diversen Umfragen gestützter) Anmerkung konfrontiert, dass die Österreicher wenigstens außerhalb von Kärnten wenig mit der Person Josef Bucher und dem BZÖ-Parteiprogramm vertraut seien, konnte der Bündnis-Obmann wenig anfangen: Wenn, dann gehe es darum, Konzept und Inhalte noch besser aufeinander abzustimmen. Überdies werde man vom ORF anders behandelt als Regierungsparteien, ist sich Bucher sicher. Was bis zum Tod Haiders an Personal aufgestellt wurde, sei Geschichte, was nach 2009 kam, sei dem rechtsliberalen Kurs des BZÖ von heute angepasst. Gar nicht lange wollte sich Bucher mit der Person Karl-Heinz Grasser aufhalten lassen, seit 2004 habe man keinen Kontakt mehr. Vielmehr zeigte sich Bucher "besorgt und bestürzt darüber, was da alles passiert ist". Und weiter: "Wenn ich gewusst hätte, dass es solche Umstände überhaupt gibt, hätte ich überlegt, meine Karrierezeit anders zu gestalten".
Kasnudel von "KHG"
Zwischendurch kamen in einem etwas bemühten Beitrag über Josef Bucher, dem geschulten Koch und Gastronom, einige Weggefährten aus seinen früheren Tagen zu Wort: Vor allem sein Vater, der ihm früh die Arbeit und das Entscheiden beibrachte, aber auch Schulkameraden und Lehrer. Unauffällig, aber herzlich sei er gewesen - ein Schulsprecher, über den man allerdings seltsamerweise nicht übermäßig viel sprach. Dann: Josef Bucher, Obmann der Kärntner Wirtshauskultur, der einmal zum Kochduell mit Grasser um die besten "Kasnudel" antrat (der Ex-Finanzminister hatte übrigens das Rennen gemacht). Wer die Kärntner Spezialität kennt, dürfte begeistert gewesen sein, ansonsten halfen einem auch diese Episoden eher wenig weiter.
Dass in der ersten Folge der Sommergespräche die unappetitlichen Seite der Politik - Korruption und Schattenwirtschaft in die eigene Tasche - eher zur Sprache kamen als die Politik selbst, mag ein Zeichen der Zeit sein. Bei aller verständlicher Empörung dürfte der Zuschauer/Wähler aber doch an Visionen für die Zukunft interessiert sein.
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Der Terminplan
- 13. August: Josef Bucher (BZÖ)
- 20. August: Eva Glawischnig (Grüne)
- 27. August: Heinz-Christian Strache (FPÖ)
- 3. September: Michael Spindelegger (ÖVP)
- 10. September: Werner Faymann (SPÖ)
Sommergespräche
Die "Sommergespräche" werden am jeweiligen Sendungstag am Vormittag/Mittag aufgezeichnet und um 21:05 Uhr in ORF 2 ausgestrahlt. Am Beginn der "Sommergespräche 2012" zeigen Reportagen Kurzporträts der Parteichefs bis zu ihrem Einstieg in die Politik. Der ORF spricht dafür mit Jugendfreunden und Weggefährten und zeigt bisher noch unbekannte Bilder.





